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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kammermusiktage: Wenn knarzende Cellobögen zum guten Ton gehören

15.08.2016

Varel So ein richtig gut gelaunter Beifall kann einen Verfechter zeitgenössischer Musik ins Grübeln bringen. Provoziert die aktuelle Musik nicht mehr genug, wenn es zum guten Ton gehört, dass der Cellobogen hinter dem Steg knarzt? Wenn geriebene Luftballons wie Synthesizer klingen? Wer weiß, was sich ein Komponist wie Eckart Beinke da alles fragen könnte.

Zuerst aber hat sich der Leiter und anregende Geist des Oldenburger Oh-Ton-Ensembles mächtig gefreut. Das Konzert mit Delphine Roche (Flöte), Steffen Ahrens (Gitarren), Michael Pattmann (Perkussion) und Marie Schmit (Cello) setzt am Sonnabend bei den „4. Kammermusiktagen am Vareler Hafen“ einen Höhepunkt.

Das heißt etwas. Die Reihe, die am Sonntagabend dann mit den Uraufführungen der Preisträger-Werke des Vareler Kompositionspreises endete, setzte in vier Konzerten etliche Glanzlichter auf. 600 Hörer erlebten sie im Zelt am Wattenmeer neben der Schleuse.

Musikalisch reichte die Spanne vom 17. Jahrhundert bis 2016. In die Jetztzeit fallen die Werke für Klaviertrio der Preisträger Martin Loridan, Hankyeol Yoon, Ruiqi Wang und Jingchao Wang. Prof. Heinz Joachim Meencke ist das Siegeropus des Franzosen Loridan besonders nahe gegangen. „Er beschäftigt sich mit der Stille in der Musik“, sagt der Ideengeber und Organisator des Festivals. „Das zwingt intensiv zum Zuhören.“

Meencke hat längst die 5. Kammermusiktage im Sinn. Sie werden Streichquartette nach Varel bringen. Der in Friesland und Berlin wirkende Medizinische Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg ist sozusagen der antreibende Schiffsdiesel auf dem Kreuzfahrtboot vor dem Hafen. „Wir sind nur ein kleines Privatunternehmen“, sagt er lachend. „Aber wir schaffen das.“

Die Oh-Töner haben ihr Publikum gleich mit der „Clash Music“ für zwei Beckenpaare von Nicolaus Huber im Griff. Bei Toru Takemitsus „Toward the Sea“ oder in Joji Yuasa „Mai Bataraki“ erweist sich, wie eingängig Neue Musik sich durch das Zusehen erklärt. In „colpo d’ala V“ führt Beinke E-Gitarre, Perkussion, Flöte, Cello und Tonband mit Drängen und Nachgeben in bauschige Klangballungen hinein.

Elliott Carter gibt in seinen „Enchanted Preludes“ Haltegriffe in den vertrackten Strukturen.

„In früheren Jahrhunderten war aktuell gespielte Musik immer Neue Musik“, erläutert Eckart Beinke. Die Cellistin Marie Schmidt zelebriert passend ein geläufiges Ricercar von Domenico Gabrielli. 1688 war das „Neue Musik“. Andere gab es ja nicht.

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