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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn man das Lachen verkauft

31.01.2017

München Die ZDF-Serie „Timm Thaler“ war 1979 Kult. Kaum ein Kind, das die Folgen nicht gebannt verfolgte. Thomas Ohrner wurde berühmt mit der Rolle des Jungen, der sein Lachen an den bösen Baron verkaufte und im Gegenzug jede Wette gewann.

Mehr als 35 Jahre später kommt das Abenteuer nach dem Kinderbuchklassiker von James Krüss (1926–1997) nun in einer Neuinterpretation des Grimmepreisträgers Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“) ins Kino. „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ ist feinstes Kinderkino, randvoll mit Fantasie, Spannung und verrückten Ideen und mit hervorragenden Schauspielern, allen voran Arved Friese als Timm und Justus von Dohnányi als böser Baron Lefuet.

Anders als in der Serie kurvt Timm Thaler allerdings nicht mit dem Skateboard durch die Gegend. Die Produktion rund um Oliver Berben orientierte sich in dieser Hinsicht an der Romanvorlage, die in den 1920er Jahren spielt. Während Krüss seinen Buchhelden auf der Suche nach dem teuflischen Baron auf eine Schiffsreise schickt, landet Timm im Kinofilm in einem Grand Hotel, einer fantastischen, märchenhaften Welt voller bizarrer Figuren.

Freudloser Zeitgenosse

Timm lebt mit seinem Vater in einer ärmlichen Gasse. Regelmäßig besuchen sie die Pferderennbahn, wo sie stets auf das falsche Pferd setzen und vom großen Gewinn nur träumen können. Als der Vater stirbt, will ihm Timm einen teuren Gedenkstein aufs Grab setzen lassen. Da kommt das Angebot des zwielichtigen Barons Lefuet gerade recht: Verkaufe mir dein Lachen, dafür gewinnst du jede Wette.

Nach anfänglichen Skrupeln lässt sich Timm darauf ein. Aus dem fröhlichen Jungen mit dem herzlichen Gelächter wird ein freudloser Zeitgenosse. Sogar seine beste Freundin Ida (Jule Hermann) wendet sich von ihm ab. Bald merkt Timm, dass sein Leben einsam und unerfreulich ist.

Der Film von Regisseur Dresen hat das Zeug zum Klassiker, eine moderne Version alter Geschichten: Etwa von Goethes „Faust“, der einen Pakt mit Mephisto schließt. Oder von Adalbert von Chamissos Märchen „Schlemihl“, in dem der Teufel den Schatten eines Mannes kauft. Der neue „Timm Thaler“ ist lustig, spannend und dabei voller Wärme und starker Gefühle. Für Komik sorgen Lefuets speichelleckerische Gehilfen Behemoth (wunderbar: Axel Prahl) und Belial (Andreas Schmidt), die von den Aufträgen ihres Gebieters überfordert sind. Von Dohnányi ist der personifizierte Teufel, eine herrliche Mischung aus Skrupellosigkeit, Größenwahn und Aberwitz.

Aus Kindersicht

Ein Glücksgriff ist Arved Friese. Sein Lachen ist erst so unbekümmert, sein Missmut und seine Verzweiflung später bedrückend. Wunderbar auch Charly Hübner als hilfsbereiter Barmann Kreschimir und Nadja Uhl als hübsche Hausdame des Grand Hotels. Sogar für Gastauftritte konnte Dresen prominente Schauspieler engagieren: Harald Schmidt als Rennbahnsprecher, Milan Peschel als Grabredner und Thomas Ohrner, für viele auf ewig verbunden mit der Rolle des Serien-Timms.

Besonders schön ist, dass der Film immer von der Warte der Kinder aus erzählt und ganz ohne Effekthascherei auskommt.

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