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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn man Verdis Oper die Aura stiehlt

25.01.2010

OLDENBURG Nur diplomatisch-knappe Worte, ohne Begründung, fand Generalintendant Markus Müller zur Trennung von seinem Regieteam. Man darf also spekulieren. Was blieb, wurde „hausintern weitergeführt“, so Müller.

Nun ist es heute ohnehin schwer, die abstrus-düstere Handlung des „Trovatore“ – eine Geschichte von Frauentod und Kindesmord, Eifersucht und Vergeltung – ohne Relikte des romantischen Schauerdramas auf die Bühne zu bringen.

Nüchtern und zahm

Verdis Oper, die man mit gutem Grund eine Sängeroper nennt, lieferte heute eher Stoff für Horrorfilmer denn für seriöse Komponisten: Eine Zigeunerin, die ihre verbrannte Mutter rächen will und in Verwirrung ein falsches Kind ins Feuer wirft, ein Brüderpaar, das mitten im Bürgerkrieg dieselbe Frau liebt, sich duelliert – und am Ende bringt einer den anderen um, ohne zu wissen, dass dieser sein Bruder ist. Und das alles im wüsten Ambiente von Söldnern und Zigeunern, Kriegsgeschrei und Belagerungsdonner.

Was man in der von der Theaterleitung weitergeführten Regie zu sehen bekommt, ist vergleichsweise nüchtern und zahm, leicht zwanghaft-bemüht in die Gegenwart und, wie es heißt, in die Sphäre des „Bürgerkrieges“ (in welchen?) verlegt. Und es ist nicht ohne Widerspruch: Ein Campingwagen der Zigeunerin markiert Realismus (dabei mit irritierendem Rotlicht versetzt); die „Realität“ anderer Schauplätze erfährt man oft nur aus den Übertiteln.

Klosterszene und mobiles Großgerüst als Schauplatz des Luna-Palastes, mit Lichtkreuz, das sich am Ende herabsenkt, sind noch am ehesten überzeugend.

Chorische Meisterleistung

Inmitten sparsamster oder stilisierender Requisiten gibt es jedoch auch Momente des psychologischen Tiefgangs, zwingend angesichts dieses Stückes, das bar aller Logik einzig dem unmittelbaren Affekt von Liebe und Hass, Rache, Folter und Mord, dem nackten Wahnsinn der Gefühle verpflichtet ist. Daneben steht, in Chor-Szenen etwa, Bieder-Konventionelles, stehen Tableaus voller Statik, die von einer konzertanten Aufführung nicht weit entfernt sind.

Dabei singen Chor und Extrachor, geleitet von Wilhelm Hofmann, hervorragend schön: prägnant und diszipliniert, mit höchster dramatischer Schlagkraft.

Besonders die Frauengestalten, denen im Stück zuweilen das rechte Bewusstsein entgleitet, machen oft (nicht immer) entfesselte Leidenschaften und Seelendramatik packend erfahrbar: Irina Wischnizkaja als Leonora mit konzentriert und flexibel geführtem, reservereich-ausstrahlungsstarkem Sopran; Zdravka Ambric als Azucena mit kantabel-prägnantem, in höherer wie in dunkel getönter tiefer Lage gleich überzeugendem Mezzo.

Alexej Kosarev, Draufgänger und Rebell nur mit Maßen, sang den Manrico mit intensivem, kraftvoll stämmigem Tenor – freilich nicht immer ganz zweifelsfrei in den Spitzentönen. Der kurzfristig (und ohne Probe) eingesprungene Peter Felix Bauer (Graf Luna) überwand verzeihliche stimmliche Anlaufprobleme erst nach der Pause, gewann dann erheblich an baritonaler Distinktheit, Farbe und Glanz. Kleine, aber markante Charakterrollen: Andrey Valiguras als stimmstarker Ferrando, Barbara Schmidt-Gaden als Leonoras Vertraute Ines.

Gastdirigentin am Pult

Unter der Leitung von Karen Kamensek spielte das Oldenburger Orchester fabelhaft konzentriert, profilreich und farbig in Klang und Lineament. Verständlich, dass die Dirigentin den größten Applaus des auch bei den Sängern mit Beifall nicht geizenden Publikums fand.

Karten: 0441/22 25 111

Alle Theaterkritiken unter: www.NWZonline.de/theater

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