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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bühne: Wenn Mütter Schicksal spielen

20.03.2012

WILHELMSHAVEN Mit „Mudder is de Beste“ feierte das „Theater am Meer“ erneut eine gelungene Premiere. Das Publikum belohnte das spielfreudige Ensemble mit stehenden Ovationen. Die Schauspieler boten hinreißende Szenen voller Tragikomik und einer Hauptakteurin Marion Zomerland, die sich mit Herz und losem Mundwerk schier ins Chaos sabbelt.

Sie spielt die Anni Wiese im Klassiker von Curth Flatow und Horst Pillau in der niederdeutschen Fassung von Fritz Wempner. Unter Regie von Nicolas C. Ducci und Arnold Preuß ist die einfach gestrickte Hausmeisterin ebenso wohlmeinend wie beherrschend. Während Vater Karl, der Straßenbahnfahrer, sie mit sanfter Ergebenheit bewundert – „Du bist meine Oberleitung!“ – treibt sie ihre Kinder in Verzweiflung mit ihren sehr eigenen Ansichten.

Die sollen es doch mal besser haben und da hat Mutter eben immer die besten Absichten – und das ohne jede Rücksicht. Längst geht Inge (Lena-Maria Eden) als die streitbarste der Geschwister eigene Wege und ist zufrieden als „nur Kellnersche“, wie Mutter das verächtlich abtut. Ihr Stolz ist Sohn Herbert (Rune Opitz) als angehender Arzt. Sie weiß nicht, dass der sich so schwer tut mit der Anatomie, dass er nicht weiterstudieren will.

Mutters Lieblingsthema aber ist Tochter Helene (Sandra Krüger), die seit Jahren in New York mit einem Millionär verheiratet ist. Davon prahlt sie allenthalben, wie sie sowieso auf alle Fragen des Lebens eine schnelle Antwort hat, auch wenn die oft genug daneben trifft.

Dann aber platzt genau diese Helene samt Tochter Ann herein und Mutter ist die Einzige, der keiner zu sagen wagt, warum die Beiden wirklich gekommen sind. Die kleine kecke Ann, von der nicht wirklich mehr kindlichen Lena Nöhmer herzerfrischend altklug dargestellt, liefert sich witzige Dialoge mit der Oma, während sich einer wieder einschleicht, den Mutter einst in ihrem Wahn vergrault hat: Klempner Erich (Harald Schmidt), der ihr für Helene nicht gut genug war.

Jetzt ist er Meister und Helene war nicht nur nie verheiratet – Ann hat auch keinen Vater. Zugleich stellt sich heraus, dass Familienvater Karl wegen einer schleichenden Krankheit bald nicht mehr seinen Beruf ausüben kann.

Mutter aber ist die Letzte, die in ihrem Eigensinn und ihrer schrägen Logik Bescheid weiß. Dann vergrault sie in geradezu tragischer Weise ihre Kinder, weil sie einfach zu gerne Schicksal spielt.

Diese Anni spielt Marion Zomerland mindestens so authentisch wie einst Inge Meysel im hochdeutschen Original unter dem Titel „Das Fenster zum Hof“ (1960). Doch auch Heinz Zomerland füllt als Vater Karl seine eher stille Rolle großartig aus und hat eine bewegende Szene – bis es dann doch noch zu einem Happy End kommt. Zu dem ein gewisser Adam (Yannik Marschner) mit einem Knalleffekt beiträgt.

Mehr sei hier nicht verraten für die Zuschauer der weiteren Aufführungen. Die können sich auf eine herzhafte Mischung aus Heiterkeit mit dem Ernst des Lebens und einigen tragischen Momenten freuen dürfen.

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