Hude - Das vom italienischen Dichter Ludovigo Ariosto zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasste Epos „Orlando furioso“ („Rasender Roland“) hat heute eine bemerkenswerte Aktualität gewonnen. Als Hintergrund der Handlung mit zahllosen ritterlichen Episoden dient die Abwehr des Angriffs der von Ariosto Sarazenen genannten muslimischen Berber und Mauren auf das zerrüttete Spanien (im Jahr 711) und auf das noch instabile Frankenreich (732). So werden auch die Länder Nordafrikas und die Insel Lampedusa zu Schauplätzen kriegerischer und religiöser Ereignisse.

Allerdings, zwischen christlichen und muslimischen Rittern bestand keine unüberwindbare Feindschaft; sie konnten gemeinsam gegen Zauberer, Riesen und Ungeheuer wie gegen Verrat und auch Ungerechtigkeit kämpfen.

Eine besondere Rolle spielte die adelige Frau, die von blendender Schönheit vor keiner Annäherung sicher war, sich aber jederzeit in einen Ritter verwandeln und den männlichen Gegenspielern ebenbürtig sein konnte. Mit ihr waren manche Liebesdramen verknüpft. Setzte sie sich durch, standen Königreiche zur Wahl.

Im Fokus dieser Buchausgabe des Huder Sammlers Ulrich Wilke steht jedoch nicht der episodische Text in der Übersetzung von Johann Dietrich Gries aus dem Jahr 1808, sondern seine Illustrierung. Das Epos hat bis heute viele Künstler zu Zeichnung und Kupferstichen angeregt, darunter Chodowiecki, Fragonard, Doré und Johannes Grützke. Um 1774 wurden zwei Editionen mit Grafikern aus dem Umfeld des französischen Königshofes gedruckt. Deren Blätter hat Ulrich Wilke aus Hude gesammelt und erstmals wieder publiziert.

Sie zeigen ein amüsantes Spektrum, sie belegen, wie die höfische Gesellschaft die Ritterzeit gesehen und wie sich die Kunst von der Strenge der Renaissance und der Fülle des Barocks zur Zierlichkeit des Rokoko und zur Struktur der Neoklassik verändert hat.

Trotz der Bindung an den Figurenkanon des 18. Jahrhunderts – leichtfüßige Gestalten in fliehenden Gewändern oder in dekorativer Rüstung mit großen Zierhelmen, aber auch das genüssliche Umspielen weiblicher Nacktheit – ist die Fähigkeit von Zeichnern und Stechern zu bewundern, Mensch und Tier, Pferde, Schafe, Monster variantenreich darzustellen und im Gewirr von ringenden und stürzenden Körpern die Übersicht zu bewahren.

Diese Blätter zum „Orlando Furioso“ zu publizieren, ist eine große humanistische Leistung von Ulrich Wilke, der es als seine Aufgabe ansieht, die gesammelte Grafik auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hude - Das vom italienischen Dichter Ludovigo Ariosto zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasste Epos „Orlando furioso“ („Rasender Roland“) hat heute eine bemerkenswerte Aktualität gewonnen. Als Hintergrund der Handlung mit zahllosen ritterlichen Episoden dient die Abwehr des Angriffs der von Ariosto Sarazenen genannten muslimischen Berber und Mauren auf das zerrüttete Spanien (im Jahr 711) und auf das noch instabile Frankenreich (732). So werden auch die Länder Nordafrikas und die Insel Lampedusa zu Schauplätzen kriegerischer und religiöser Ereignisse.

Allerdings, zwischen christlichen und muslimischen Rittern bestand keine unüberwindbare Feindschaft; sie konnten gemeinsam gegen Zauberer, Riesen und Ungeheuer wie gegen Verrat und auch Ungerechtigkeit kämpfen.

Eine besondere Rolle spielte die adelige Frau, die von blendender Schönheit vor keiner Annäherung sicher war, sich aber jederzeit in einen Ritter verwandeln und den männlichen Gegenspielern ebenbürtig sein konnte. Mit ihr waren manche Liebesdramen verknüpft. Setzte sie sich durch, standen Königreiche zur Wahl.

Im Fokus dieser Buchausgabe des Huder Sammlers Ulrich Wilke steht jedoch nicht der episodische Text in der Übersetzung von Johann Dietrich Gries aus dem Jahr 1808, sondern seine Illustrierung. Das Epos hat bis heute viele Künstler zu Zeichnung und Kupferstichen angeregt, darunter Chodowiecki, Fragonard, Doré und Johannes Grützke. Um 1774 wurden zwei Editionen mit Grafikern aus dem Umfeld des französischen Königshofes gedruckt. Deren Blätter hat Ulrich Wilke aus Hude gesammelt und erstmals wieder publiziert.

Sie zeigen ein amüsantes Spektrum, sie belegen, wie die höfische Gesellschaft die Ritterzeit gesehen und wie sich die Kunst von der Strenge der Renaissance und der Fülle des Barocks zur Zierlichkeit des Rokoko und zur Struktur der Neoklassik verändert hat.

Trotz der Bindung an den Figurenkanon des 18. Jahrhunderts – leichtfüßige Gestalten in fliehenden Gewändern oder in dekorativer Rüstung mit großen Zierhelmen, aber auch das genüssliche Umspielen weiblicher Nacktheit – ist die Fähigkeit von Zeichnern und Stechern zu bewundern, Mensch und Tier, Pferde, Schafe, Monster variantenreich darzustellen und im Gewirr von ringenden und stürzenden Körpern die Übersicht zu bewahren.

Diese Blätter zum „Orlando Furioso“ zu publizieren, ist eine große humanistische Leistung von Ulrich Wilke, der es als seine Aufgabe ansieht, die gesammelte Grafik auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.