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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn sich eine Frau von einem Träumer löst

20.12.2016

Oldenburg Achtung! Geänderte Namensfolge. Statt der bekannten Reihung „Orpheus und Eurydike“ gilt diesmal die Kopplung „Eurydike. Orpheus“. In der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters zeigt der umgedrehte Titel ein erneuertes Programm an. Franziska Werner deutet den griechischen Mythos vom Sänger und seiner verstorbenen Frau eigenwillig. Orpheus singt sein altes Lied. Eurydike setzt ihm ein eigenes entgegen.

Das heißt: Orpheus singt in der Uraufführung dieses Konzentrats aufmüpfiger Gedanken der Oldenburger Schauspielerin Franziska Werner gar nicht. Ali Moraly verkörpert mit feiner Zurückhaltung den Orpheus. Er spielt Geige, nachgerade wundervoll. Die Etüden, Farbenspiele, gebrochenen Akkorde und in die Stille entschwebenden Töne bezirzen die Zuhörer. Doch dem Höllenhund brechen sie sogar das Herz. Folglich darf Orpheus seine Idealfrau aus der Unterwelt zurückholen. Einziger Haken dabei: Er darf sich auf dem Weg nicht zu ihr umdrehen.

Seit der Antike steckt in diesem Schloss der Schlüssel zum Unheil. Franziska Werner dreht ihn in eine andere Richtung. Bei ihr entwickelt sich Eurydike weiter, Orpheus bleibt der Träumer. Er möchte sie zurück, als Traumbild, das sie für ihn war. Das ist die einfachste Lösung. Denn: „Wer glücklich ist, stellt keine Fragen.“ Franziska Werner spielt ihre Eurydike selbst, so engagiert, dass sie Eurydike fast schon ist. Sie stellt die existenziellen Fragen, an ihren Schatten und an Orpheus. Die umrührenden Gedanken drehen sich oft in Kreisen, die Werner mit Kreide auf dem Boden zieht: „Wenn man vorher wüsste, was die entscheidenden Momente sind.“

Auf der Bühne stapeln sich alte Möbel, aussortiertes Gerümpel. Weil Orpheus „seine“ Eurydike in solcher Vergangenheit festhalten will, fordert sie ihn selbst direkt zum fatalen Umdrehen auf. Diese Aktion erlöst sie.

Eurydikes Gedanken werden in arabischer Schrift auf die hintergründige Wand projiziert, die arabisch gesprochenen Worte von Orpheus auf Deutsch. Ästhetisch sind die Schriftzüge ein Genuss. Ihre Bedeutung bleibt offen. Reden beide in den unterschiedlichen Sprachen aneinander vorbei? Oder hätten sie dennoch Brücken sein können? Zwischen Personen? Zwischen Kulturen?


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 

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