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2. Weltkrieg Wenn Traumata im Alter aufbrechen

Theresia De Jong

Varel - „Obwohl der Zweite Weltkrieg an diesem Freitag vor 70 Jahre zu Ende ging, ist er nicht wirklich vorbei. Er lebt in den Köpfen derer weiter, die ihn erlebt haben. Seine Auswirkungen sind sogar in den folgenden zwei bis drei Generationen spürbar.“ Dr. Thomas Brieden, ärztlicher Direktor der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn, hat am Mittwochabend in seinem Referat eindrucksvoll die vielfältigen Mechanismen erklärt, die dazu beigetragen haben, dass traumatisierende Kriegserlebnisse besonders im Alter das Leben von Menschen beeinträchtigen können.

Über 100 Zuhörer waren zum letzten Vortrag der Veranstaltungsreihe „Wunden der Nachkriegsgeneration – die langen Schatten des Krieges“ ins Dienstleistungszentrum nach Varel gekommen.

Schlimme Erlebnisse

Menschen, die heute über 70 Jahre alt sind, haben am eigenen Leib Dinge erlebt, die heutzutage kaum jemand in Deutschland nachempfinden kann: Massenvergewaltigungen, Zwangsprostitution, Flucht, Vertreibung, Zwangsumsiedlungen, Verschüttung und Bombenhagel, Verlust der Heimat, Gefangenschaft, Verlust der Eltern, Kinder, Geschwister oder Partner, Hungersnöte, Kriegsgefangenschaft.

Aber auch das Beobachten von Gewalttaten an anderen haben ihre Spuren hinterlassen. Kriegswaisen haben Probleme mit der Identitätsfindung – und wollen doch ein normales Leben führen. Es hat nach diesen erschütternden Erlebnissen keine Zeit gegeben, diese zu verarbeiten – das Leben musste weiter gehen, Trümmer aufgeräumt und Wohnraum neu geschaffen werden.

Für Gefühle kein Platz

„Für Gefühle gab es keinen Platz. Selbst wenn es damals Gerontopsychiater gegeben hätte, es wäre niemand hingegangen“, betonte Brieden. Traumatische Erlebnisse werden verdrängt, um das Überleben zu sichern. Aber diese Verdrängung kostet Energie und drückt sich häufig in unklaren körperlichen Symptomen aus wie (Rücken-)Schmerz, Übelkeit, Schwindel. Aber auch in psychischen Leiden wie Depressionen, Unzufriedenheit, chronischer Gereiztheit und Aggression (auch gegen sich selbst). „Die Seele tut nicht weh. Sie sucht sich den Umweg über den Körper. Um den wird sich dann gekümmert.“

Im Alter schwindet die Kraft, diese Verdrängungsmechanismen aufrecht zu halten. Und so werden Dinge, die lange in der Vergangenheit liegen, plötzlich wieder aktuell. Brieden verwies auf die Tatsache, dass das Kurzzeitgedächtnis im Alter schwinde und dem Langzeitgedächtnis dadurch eine größere Bedeutung zukomme.

Positive Resonanz

„Unsere Veranstaltungsreihe hat offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Wir sind ganz überwältigt von der außerordentlich positiven Resonanz“, sagt Brigitte Kückens, mit der Arbeitsgruppe „Frauenleben-Wendezeiten“ Veranstalterin der Reihe. Zudem wird eine Schreibwerkstätte zum Thema eingerichtet. Über die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen Varel kann sich eine Selbsthilfegruppe gründen. Informationen unter Tel. 04451/91460.

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