Nordenham - Es klang mehr wie eine Feststellung als wie ein Seufzer der Erleichterung. „Hier regnet‘s einfach nicht“, sagte Stefan Tönjes, einer der drei Veranstalter von Klassik im Park, in der ersten Pause des Freiluft-Konzerts. Tatsächlich blieb es trotz dunkler Wolken und eines Mini-Schauers kurz vor Beginn den ganzen Abend lang trocken.
Allerdings waren die Temperaturen mehr als erfrischend. Doch dagegen schützten sich die annähernd 800 Gäste mit Pullovern, dicken Jacken und Wolldecken. Sie wussten, wofür sie gekommen waren und warum sie blieben: Im Park von Gut Schützfeld erlebten sie eine glänzend aufgelegte Junge Philharmonie Köln, die mit ihrem Dirigenten Volker Hartung unter dem Motto „Italienische Nacht“ auf höchstem Niveau spielte.
Nur die Trauermusik von Giacomo Puccini schien die Wettergeister zu erzürnen: Plötzliche Windstöße fegten einige Notenblätter von den Ständern. Die Zuschauer, ob sie nun mit ohne Picknick-Korb gekommen waren, ließen sich davon genauso wenig irritieren wie die acht Musiker und ihr Dirigent. Die Schirme, die sie mitgebracht hatten, mussten sie nur einmal ganz kurz aufspannen.
Ob Klassik-Fan oder nicht: Die Zuhörer feierten vor allem die Soloauftritte der Violinistin Natalia Sergeeva aus St. Petersburg und des 21-jährigen Teufelsgeigers Roman Kim aus Moskau.
Komponist wird Koch
Volker Hartung führte humorvoll mit ebenso kurzen wie einprägsamen Erklärungen durch das Programm. So erfuhren die Gäste, dass der weltberühmte Opernkomponist Gioacchino Rossini als Zehnjähriger seine ersten Musikstücke schrieb und als 46-Jähriger damit aufhörte, um sich ganz dem Kochen zu widmen. Und der legendäre Geiger und Komponist Niccolo Paganini nannte sein Instrument „Die Kanone“, weil es so laut war, dass er damit ohne Verstärker – den gab es damals noch nicht – vor 10 000 Menschen spielte.
Vor dem Auftritt der Jungen Philharmonie Köln stellte sich die Lemberger Brass-Band vor. Lemberg ist eine Millionen-Stadt in der westlichen Ukraine. 2001 war die Gruppe erstmals unter dem Namen Lemberger Dixieland-Band in Nordenham zu erleben, als sie beim Oldtimer-Treffen in Großensiel auftrat. Dort knüpfte Irina Felko Kontakt zu ihnen. Sie stammt aus der südlichen Ukraine und wohnt jetzt an der Bromberger Straße in Friedrich-August-Hütte.
Profis aus Lemberg
Seit damals hat sich die Zusammensetzung der Band erheblich geändert, aber das Prinzip ist das gleiche geblieben. Die fünf Instrumentalisten arbeiten hauptberuflich im Lemberger Sinfonie-Orchester und treten in der warmen Jahreszeit als Brass-Band auf. Die Sängerin Anna Schumarina ist erst 25 und lehrt schon als Dozentin für Gesang am Lemberger Konservatorium.
Nicht nur der Gymnasiallehrer Stefan Tönjes, der das Freiluft-Konzert wieder gemeinsam mit Peter Klan und Bruno Fröhlich organisiert hatte, war vom Auftritt der Brass-Band genauso hingerissen wie von dem der Jungen Philharmonie.
Dennoch verabschiedete Tönjes das Publikum mit einer ungewöhnlichen Bitte: „Wenn‘s Ihnen gefallen hat: nicht weitersagen. Denn wir können den Park Gut Schützfeld nicht erweitern.“
