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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wer gewinnt den Deutschen Buchpreis?

06.10.2014

Frankfurt /Main Beim Deutschen Buchpreis werden zwar offiziell keine Wetten entgegengenommen. Doch vor der Kür des besten deutschsprachigen Romans des Jahres am Montagabend (6. Oktober) in Frankfurt haben sich zwei klare Favoriten herausgeschält. Lutz Seiler („Kruso“) und Thomas Hettche („Pfaueninsel“) gelten am Vorabend der Buchmesse unter den sechs Finalisten als aussichtsreichste Kandidaten. Dieser Eindruck hat sich seit Bekanntgabe der Shortlist vor drei Wochen durch die vielstimmige Begleitmusik in Branche und Medien verstärkt.

Beide Romane haben etwas gemeinsam: Sie spielen auf einer Insel. Doch während Lutz Seiler einen großen Aussteigerroman über die DDR-Endzeit auf Hiddensee geschrieben hat, ist Hettche historisch viel weiter zurückgegangen. Er entwickelt aus der Perspektive der Zwergin Marie ein märchenhaftes Panorama des 19. Jahrhunderts. Marie ist eine historische Figur: Sie lebte tatsächlich als Schlossfräulein auf der Havel-Insel bei Berlin.

Nimmt man das Votum der Kritiker als Maßstab, dann dürfte Seiler mit dem erst vor wenigen Wochen veröffentlichten „Kruso“ die Nase vorne haben. Die Geschichte eines Studenten, der sich als Abwäscher in einer ziemlich ungewöhnlichen Gaststätte über den Kliffs der DDR-Grenzinsel verdingt, hat fast durchweg euphorische Besprechungen gefunden. Dabei ist es ein Roman-Debüt. Seiler ist bisher vor allem als Lyriker bekannt.

Romane über deutsche (Zeit-)Geschichte aus ungewöhnlichem Blickwinkel: Für den nunmehr seit zehn Jahren bestehenden Deutschen Buchpreis, vom Dachverband der Branche verliehen, sind das stets gute Voraussetzungen. Allerdings mischen ja auch noch Österreich und die Schweiz mit. Die Eidgenossen sind dieses Jahr vertreten durch Gertrud Leutenegger, die in „Panischer Frühling“ in London den Ausbruch eines Lava speienden Vulkans im fernen Island erlebt hat. Auch eine spezielle Eiland-Erfahrung: „England war wieder ein Inselreich“, schreibt sie.

Österreich hat es über Umwege auf die Shortlist geschafft: Durch den in Stuttgart lebenden Wiener Heinrich Steinfest. Der fabulierfreudige Autor hat mit „Der Allesforscher“ ein fantastisches Märchen über einen zynischen Manager geschrieben, der in Fernost gleich zwei todesnahe Erfahrungen übersteht. Die Wende zur Demut und zum Glück erlebt er erst als schwäbischer Bademeister.

In „April“ hat die ebenfalls nominierte Angelika Klüssendorf die autobiografisch angehauchte Geschichte ihrer alten Heldin fortgeschrieben: Eine unsentimentale Geschichte eines Mädchens, das in der DDR aufwächst und nach der Ausweisung in den Westen kommt. Ungeschminkt geht es in „3000 Euro“ bei Thomas Melle zu, der eine als Pornodarstellerin arbeitende Lidl-Kassiererin auf einen hoch verschuldeten Jura-Studenten treffen lässt. Ein ungleiches Paar, das auch nicht zusammenfindet.

Statt 3000 Euro gäbe es für Melle als Sieger beim Buchpreis immerhin 25 000 Euro, als Verlierer erhält er nur 2500 Euro. Es bleibt auf jeden Fall spannend, da die stets wechselnde Jury in der Vergangenheit schon für manche Überraschungen sorgte. Die Kritik in den Feuilletons an der diesjährigen Jury ist vor dem Finale in den Hintergrund getreten. Der Jury sei es zuverlässig gelungen, die besten Kandidaten auszusondern, hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die Longlist gelästert - und war damit nicht allein.

Vermisst wurden dort vor allem die Deutsch-Georgierin Nino Haratischwili mit ihrem hochgelobten 1300-Seiten-Familienroman „Das achte Leben (Für Brilka)“ oder Michael Kleebergs „Vaterjahre“. Der darf sich zumindest freuen, dass er jetzt auf einer anderen Shortlist steht. Für den Anfang November verliehenen Wilhelm-Raabe-Preis - auch dort stehen im Finale wiederum Seiler und Hettche.

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