Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Werbung „Man kann die Sprache kneten“

Regina Jerichow

FRAGE:

„Natürlich Vrisch“, „Da Vunkt’s“, „Hrzrasn“ – bringen Sie derartige bewusst gesetzte Rechtschreib- oder auch Grammatikfehler auf die Palme?

KRÄMER

: Nein, ich finde das gar nicht so schlecht. Den Anfang machte Verona Pooth mit dem Satz „Da werden Sie geholfen“ (Telefon-Auskunft). So lange die Leute merken, dass das falsch ist, ist Hopfen und Malz nicht verloren. Die Werbetexter unterstellen ja, dass die Mehrheit des Publikums den Fehler bemerkt.

FRAGE:

Menschen werden täglich mit Hunderten von Werbeslogans, -bildern und -texten konfrontiert, auf riesigen Plakaten, im Fernsehen. Haben Sie nicht Angst, dass die deutsche Rechtschreibung mit der Zeit von immer weniger Menschen beherrscht werden könnte?

KRÄMER

: Ich bin da eigentlich guter Hoffnung. Wenn das so wäre, würde die Werbung ja nicht mehr auffallen. Wenn die Leute nicht mehr stutzig werden und solche Schreibweisen als normal empfinden, dann ist es in der Tat ein Problem. Aber genau das findet ja nicht statt.

FRAGE:

Diese Art der Werbung war zunächst eine pfiffige Idee, wird aber in jüngster Zeit geradezu inflationär eingesetzt. Guckt da ein Werbetexter vom anderen ab?

KRÄMER

: Bei Verona Pooth war es noch originell. Und jetzt ist es natürlich Abklatsch und wird sich irgendwann totlaufen. Beim zehnten Gag lacht keiner mehr. Insofern vermute ich, dass diese Mode in einem Jahr vorbei ist.

FRAGE:

Sie haben da also überhaupt keinen Blutdruck?

KRÄMER

: (lacht) Nein.

FRAGE:

Die Leute aus der Duden-Redaktion sehen das anders. Sie befürchten, dass seriöse Unternehmen auch in ihren Geschäftsbriefen solche Fehler bewusst einsetzen könnten, um Aufmerksamkeit zu erregen.

KRÄMER

: Um Gottes willen, da wären die Unternehmen nicht gut beraten. Fehler passieren ja schon mal aus Schlamperei und passieren auch mir ab und zu – hoffentlich nicht allzu oft. Aber eben aus Schlamperei und nicht mit Absicht. Letzteres kann man nur gelten lassen, wenn es selten passiert, quasi als Salz in der Suppe. Wenn das allerdings Standard wird, ist der ganze Reiz weg.

FRAGE:

Ist das für Sie ein gutes Zeichen, dass die deutsche Sprache und Rechtschreibung offenkundig dazu reizt, mit ihr zu spielen?

KRÄMER

: Aber ja. Wir vergeben in jedem Jahr den Kulturpreis Deutsche Sprache und den Jacob-Grimme-Preis, der in diesem Jahr an eine junge Frau geht. Sie ist gerade 20 und die jüngste Preisträgerin aller Zeiten. Das ist die Rapperin und „Poetry-Slammerin“ Nora Gomringer. Bei einem Poetry-Slam müssen aus dem Stegreif möglichst griffige, einprägsame Texte formuliert werden. Was oft sehr schräge Produkte hervorbringt. So etwas begrüßen wir ganz ausdrücklich.

FRAGE:

Dann arbeiten die Werbetexter ja ganz in Ihrem Sinne.

KRÄMER

: Sofern die Slogans zeigen, dass man mit der deutschen Sprache Neues erschaffen kann, dass man sie kneten und neue Formen hervorzaubern kann. Dann ist das ein gutes Zeichen.
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hoffen auf reges Interesse für die Schmetterlingswochen: Landschaftsökologe Felix Närmann (l.) und Thorsten Kuchta von der Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050.

SCHMETTERLINGSWOCHEN IN MOORMERLAND Forschungen förderten eine große Vielfalt an Faltern zutage

Axel Pries
Moormerland
Fordert Verbesserungen für die Opfer des SED-Regimes: Evelyn Zupke (62), frühere Bürgerrechtlerin und SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag

STREIT UM ANGEKÜNDIGTE VERBESSERUNGEN Warum SED-Opfer der Bundesregierung „Wortbruch“ vorwerfen

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Der Klosterpark Oestringfelde ist sozusagen die „grüne Lunge“ von Schortens und beliebtes Ausflugsziel. Dort stehen unter anderem mehrere alte Eiben.

FÖRDERMITTEL FÜR KLOSTERPARK Juwel der Stadt Schortens soll mit 1,387 Millionen Euro weiterentwickelt werden

Jeversches Wochenblatt
Schortens
„Darüber müssen wir nochmal reden“
Pro-palästinensische Proteste vor der US-Botschaft in Jakarta (Indonesien): Im Hintergrund ist das KI-generierte Bild „all eyes on Rafah“ zu sehen. Dieses geht zurzeit in den „sozialen Medien“ viral.

KOLUMNE ZU „ALL EYES ON RAFAH“-KI-BILD Erst recherchieren, dann teilen

Luise Charlotte Bauer
Der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums Wilhelmshaven, Reinhold Keil.

PROZESS GEGEN WILHELMSHAVENS EX-KLINIKUMS-GESCHÄFTSFÜHRER Fehlende Qualifikation bei Bewerbung nicht überprüft

Lutz Rector
Wilhelmshaven