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Premiere Im Staatstheater Oldenburg Risiko für Kleists „Die Marquise von O. . . .“

Reinhard Tschapke

Oldenburg - Muss man Erzählungen in Dramen verwandeln? Prosa in Theaterstücke?

Wenn man es macht, sollte man es gut machen. „Die Buddenbrooks“ (in Oldenburg seit letzter Spielzeit zu sehen) sind ein positives Exempel. Und jetzt auch Heinrich von Kleists „Die Marquise von O. . . .“, eine mehrmals verfilmte Erzählung von 1808, in der es um Liebe und Krieg, Gewalt und Verdrängung geht – und inzwischen in Doktorarbeiten auch darum, warum vier Punkte und nicht drei am Ende des Novellentitels stehen.

Verschachtelte Sätze

Die Pünktchen spielen an diesem Abend keine Rolle im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Das Regiekollektiv Polasek&Grau hat mit Daphne Ebner zusammen eine Bühnenfassung erarbeitet. In 90 pausenlosen Minuten wird Kleists Erzählung nicht wie beim Leseabend vorgetragen, sondern leicht dramatisiert.

Die naturgemäß nicht vor Aktionismus überbordenden Spielszenen wirken dabei gut eingebettet in eine Textwiedergabe, die wie eine lange Regieanweisung daherkommt. So liefert der verteilte Vortrag genug Stichworte für die Akteure, die dann wie auf Kommando eine sparsame Gestik und Mimik zur Darstellung nutzen. In dieser Weise entsteht ein feiner Rhythmus.

Die Geschichte ist an sich ziemlich unwahrscheinlich, aber sehr besonders – die Geschichte jener Schwangerschaft wider Willen, jene Seltsamkeit, nach der die gut zugeknöpfte Marquise Julietta in anderen Umständen ist, aber dies garantiert unwissentlich, so dass sie verzweifelt eine Zeitungsanzeige aufgibt (was nie schlecht ist). Sie will den Erzeuger ihres Kindes finden und ehelichen.

So vertrackt wie Kleists verschachtelte Sätze wirkt die Inszenierung nicht – obwohl sie sich werkgetreu verhält und sich jede sprachliche Aktualisierung versagt. Das ist ja heute schon der Erwähnung wert. Die fünf Schauspieler reden keinen der schwierigen Sätze unverstanden dahin. Sicher, das Ensemble wirkt oft wie festgerammt in den blanken Bühnenboden, und es bleibt nicht aus, dass mehr aufgesagt als vorgespielt wird.

Aber man befördert die Klassikersprache mit erstaunlicher Leichtigkeit, ja fast klinischer Reinheit über die Rampe. Die Regie lässt das Drama atmen, und sei es im gutgeschnittenen Kleid der Titelheldin.

Schwebendes Haus

Alle tragen zum Erfolg bei: Franziska Werner als verzweifelte Julietta, als von ihrer Familie geächtete, werdende Mama ohne Mann; Matthias Kleinert als ihr stocksteifer, auch mal ironischer Vater, Caroline Nagel als dessen emotionale Frau, der nette Bruder der Marquise, gespielt von Pirmin Sedlmeier, und der in schwarze Kleidung getauchte Graf F, fein zurückgenommen von Yassin Trabelsi.

Die Bühne? Dunkel und funktional. In der Mitte ein bewegliches, schwebendes, traumartiges Haus aus durchsichtigem Stoff, mehr Andeutung als Ausführung. Vorn links eine Schaukel, die kaum ablenkt. Auch die sanfte Lichtregie überzeugt an diesem Abend, der mächtig beklatscht wurde.

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