Neuenburg - „Wer bist du, Wald? Mensch, ich bin der Sauerstoffspender Deiner Lunge und gleich die Stätte der Erholung.“ So beginnt das Gedicht mit dem Titel „Das Leben“ eines unbekannten Verfassers. Mit diesem Gedicht über die Bedeutung von Bäumen beginnt das Buch über Bäume der Friesischen Wehde, das am Mittwoch im Harms-Hus in Neuenburg vorgestellt wurde.
Basis ist die Serie „Bäume des Monats“, die in den vergangenen zwei Jahren in der NWZ zu lesen war. Darin hatten Gert Müller, Rolf Rochau, Klaus Böttcher und Berndt Kriebitzsch 23 herausragende Bäume in Neuenburg, Zetel und Bockhorn vorgestellt. „Das Buch ist das Ergebnis langer Bemühungen, den Bürgern nicht nur das Neuenburger Holz, sondern auch einzelne Bäume näherzubringen“, sagte Gert Müller, der Vorsitzende des Vereins „Freunde des Neuenburger Holzes“. Neben dem Hauptanliegen – nämlich dem Schutz des Neuenburger Holzes, habe sich der Verein zur Aufgabe gemacht, den für die hiesige Landschaft typischen und prägenden Baumbestand entlang der Allee, Straße und auf privaten Grundstücken für die Zukunft zu sichern. Dafür müssten aber Bürgern und Kommunen die Bedeutung und Besonderheiten einzelner Bäume bewusst gemacht werden.
„Nach der Serie in der Zeitung hatten wir überlegt, daraus einen Kalender zu gestalten“, erklärte Müller. „Doch der ist vergänglich. Deshalb haben wir uns für ein Buch entschieden und sind froh, es mit Hilfe von Sponsoren realisiert zu haben.“ Das Buch kostet 9,80 Euro und wird erstmals auf dem Weihnachtsmarkt in Bockhorn am kommenden Wochenende verkauft. Ebenso wird es eine Woche später auf dem Neeborger Wiehnachtsmarkt angeboten. Darüber hinaus nimmt Rolf Rochau, Telefon 04452/94 89 51, Bestellungen entgegen.
Die Auswahl der vorgestellten Bäume ist vielfältig. Darunter sind die Hexeneiche in Zetel, einem Naturdenkmal, die Gemeine Eibe, die als großer Baum in der Friesischen Wehde eher selten anzutreffen ist, oder auch die Rosskastanie, deren vorgestelltes Exemplar in der Burgstraße in Neuenburg steht. Das Titelbild zeigt einen Baum, der nicht vorgestellt wird, aber sehenswert ist. Bei dem Baum handelt es sich um eine Eiche in der Sielmeisterstraße in Steinhausen.
Die Gemeinden Bockhorn und Zetel unterstützen die Freunde des Neuenburger Holzes. „Wir leben in einer einmaligen Landschaft mit Marsch, Geest, Wald und Moor“, sagte Bockhorns Bürgermeister Andreas Meinen. „Unsere Wälder sind ein prägender Teil davon.“ Das Buch sei ein wichtiger Beitrag, dass die herausragenden Bäume nicht in Vergessenheit geraten.
Bei aller Freude über das Neuenburger Holz und diverse Einzelbäume gibt es aber auch Kritik. „Es ist für uns völlig unverständlich, dass die Straßenbaubehörde an der Westersteder Straße in Neuenburg 200 Jahre alt Eichen fällt“, meinte Gert Müller. Es gebe zwar einen Initiative für Alleebäume, dennoch würden weiterhin alte Bäume ohne Not abgeholzt. Wie berichtet, hatte die Straßenbaubehörde die Eichen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt.
Auch nach Ansicht von Zetels Erstem Gemeinderat Bernd Hoinke sollte alles getan werden, um diese Alleebäume zu erhalten. Obwohl vereinbart, sei die Gemeinde von der Straßenbaubehörde im Vorfeld nicht von den Baumfällungen informiert worden. Die Gemeinde Zetel habe in diesem Jahr 40 000 Euro für Garten- und Parkanlagen im Haushalt. An wichtigen Stellen wie dem Schloss oder dem Markthamm würden Bäume, sofern welche entfernt werden müssten, nachgepflanzt. Auch Bockhorns Bürgermeister Meinen betonte auf Nachfrage der NWZ die Bedeutung der Kulturlandschaft für die Region. Die Gemeinde habe bis Oktober rund 10 000 Euro für Erstanpflanzungen von Bäumen, Sträuchern und in Beeten investiert.
