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Oldtimer Im Nordwesten: Wo der Fiat 500 quasi ein eigenes Zimmer hat

07.06.2017

Bockhorn /Oldenburg /Dötlingen Der Fiat 500, mit dem Leonie Brand (41) über das Timmelsjoch gefahren ist, stammte aus dem Jahr 1966. Mit 23 PS war er auf der Hochalpenstraße auch nicht gerade übermotorisiert. Teilweise musste sie die Steigungen im ersten Gang und bei Vollgas meistern. Doch was tut ein Fiat-500-Besitzer nicht alles, um zum größten Treffen von Kult-Kleinwagen nach Italien zu gelangen? Zum Oldtimermarkt in Bockhorn ist die Sache einfacher, zumal es auch keine Steigungen zu meistern gilt.

Zusammen mit anderen Mitglieder des Fiat-500-Clubs fährt Leonie Brand nach Friesland zum „Markt des Nordens“. Vielleicht sind es in diesem Jahr besonders viele, ist der Fiat 500 doch vor 60 Jahren erstmals vorgestellt worden: Ein Kleinstwagen mit zwei Türen und vier Sitzen, kleinem Motörchen und Faltdach, alles verteilt auf drei Meter Länge.

In der Scheune entdeckt

Nach Bockhorn will auch Frederick Meyer (27) aus Oldenburg mit seinem Fiat 500. Wobei sein Fiat 500 auf dem Timmelsjoch weniger Schwierigkeiten mit der Steigung hätte. Der Student hat seinen Fiat 500 mit Teilen aus den 70ern getunt. Herausgekommen ist ein himmelblauer Kraft-Kleinwagen mit orangefarbenen Felgen. Der Motor leistet 30 PS aus 650 Kubikzentimetern Hubraum. Mit dem Fiat 500 hat er an Rallyes teilgenommen (und 2015 die Graf-Anton-Günther-Rallye gewonnen).

Als 17-Jähriger hatte Frederick Meyer den Wagen in erbärmlichen Zustand erworben und selbst restauriert – ohne Vorkenntnisse. Über das Fiat-500-Forum holte er sich Tipps, Stück für Stück. Eigentlich sollte das Fahrzeug zum 18. Geburtstag fertig sein, es dauerte dann doch ein paar Jahre.

So erging es auch Leonie Brand aus Dötlingen. Mit 19 Jahren „rettete“ sie einen Fiat 500 (Baujahr 1966), der freilich nicht mehr als eine Anzahl von Fahrzeugteilen in unterschiedlichem Qualitäts- und Erhaltungszustand war. „Man kauft so einen Wagen als Bausatz. Der Wagen war rollbar“, beschreibt sie den Urzustand ihres Oldtimers. Schon als Kind hatte Leonie Brand am Fiat 500 ihres Vaters herumgeschraubt, später als gelernter Kraftfahrzeugmechanikerin fiel ihr das Restaurieren nicht schwer. Und auch Ehemann Marco Brand (44), ebenfalls Kfz-Mechaniker, half beim Restaurieren. Herausgekommen ist ein roter Fiat 500 im Originalzustand, der sogar einen kleinen Anhänger zieht: die Heckpartie eines Fiat 500.

Leonie Brand fährt ihren Fiat 500 vornehmlich zu Treffen. Sie war schon mehrmals in Italien mit dem Kleinwagen. So kam es auch zur Überquerung des Timmelsjochs. „Beim Runterfahren fragt man sich: Wie lange halten die Bremsen noch?“, erinnert sie sich an die Fahrt durch das Ötztal nach Südtirol.

90 Kilometer in der Stunde sind eine „schöne Reisegeschwindigkeit“, so Leonie Brand, der kleine Zweizylindermotor dröhnt, das Armaturenbrett ist sparsam: vier Kippschalter, ein Tacho, eine Tankanzeige sucht man vergeblich. „Das muss man leben“, beschreibt sie das spezielle Italiengefühl im Fiat 500, von dem vier Millionen Exemplare gebaut wurden. Wobei Leonie Brand auf die therapeutischen Fähigkeiten ihres kleinen roten Flitzers schwört: „Eine Runde Fiat 500 fahren – dann lachen einen alle Menschen am Straßenrand an.“ So verbessert ein Kleinwagen der 50er die Stimmung von Insassen und Betrachtern.

Ein weiterer Fiat-500-Besitzer ist Erwin Schön (60) aus Sandkrug. Vor zehn Jahren bekam er von seiner Familie einen Fiat 500 geschenkt – zum Restaurieren. Doch der verrostete Fiat war kein Fall mehr für Schweißarbeiten. „Die Karosse war hinüber“, erinnert er sich. In den Niederlanden erstand Schön ein ebenfalls restaurierungsbedürftiges Exemplar.

Preise ziehen an

Und damit klappte die Wiederherstellung. Erwin Schön hatte schon in seiner Jugend einen Fiat gefahren, von daher lag die Marke nahe. Und ein Fiat 500 war vom Aufwand und „von der Größe her überschaubar“. Schön bastelte viel an der Maschine herum, es waren außerdem Schweißarbeiten zu machen. Jetzt nutzt er den Oldtimer für kleine Touren, denn „für den Alltag ist das nichts“, spricht er einen Schönheitsfehler der Fiat-500-Konstruktion an: Der Zweizylindermotor ist luftgekühlt und verbreitet einen ordentlichen Lärm. Schön tröstet sich mit der Wirkung, die auch Leonie Brand bei ihren Fiat 500 entdeckt hat: „Das ist schon spaßig, die Leute werden aufmerksam, obwohl er so klein ist“, sagt der Sandkruger Fiat-Fahrer.

So ist der Kleinwagen eingebettet in die italienische Automobilbaugeschichte: Als Nachfolger des sehr erfolgreichen Modells „Topolino“ (Mäuschen) und Vorgänger des schicken Retro-Modells (ab Baujahr 2007), das zum 50. „Geburtstag“ auf den Markt kam. Seither haben übrigens auch die Preise für den historischen Fiat 500 erheblich angezogen, weiß Leonie Brand.

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