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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Sie stand schon mit Justin Bieber auf der Bühne

24.01.2018

Bremerhaven „Nein, nein, du musst da wirklich richtig explodieren“, sagt Feriz Sula und lässt die ausgestreckte Hand blitzschnell nach vorne zischen. Die Schultern des 27-Jährigen zucken. Sula schaut zufrieden in den großen Spiegel im Trainingsraum der Tanzschule Beer in Bremerhaven. Sein Gesichtsausdruck scheint sagen zu wollen: Mach das erstmal nach. Der Tanzlehrer wird beobachtet. Von einem blonden, schlanken Mädchen im Trainingsanzug. Es lächelt, Herausforderung angenommen.

Dann dreht Sula die Musik auf. Und die Bewegungen des blonden Mädchens beginnen zu explodieren. „Sehr gut, du hast es“, sagt Tanzlehrer Sula zufrieden. Seine Schülerin ist die 14-jährige Leonie Brouwer-Pohlenz. Sie ist eine der besten Hip-Hop-Tänzerinnen der Welt, hat bereits dreimal so viele Titel gesammelt wie Lebensjahre. Angefangen hatte alles bei den Eisbären, Bremerhavens Erstliga-Basketballern. Genauer gesagt in den Pausen der Spiele, denn da hatte Leonie ihre ersten Auftritte. Da war Leonie gerade fünf Jahre alt. „Ich war Cheerleaderin bei den Minis“, sagt sie. 20 Sekunden Auftritt. Die haben Feriz Sula gereicht. „Ich habe sie gesehen und gedacht, dass aus diesem kleinen Mädchen mal etwas wird. Ich wollte sie unbedingt trainieren.“ So kam es. Und mit dem Training der Erfolg.

Aktuell ist sie Vize-Weltmeisterin der Junioren im Solo-Tanz – und das bereits zum dritten Mal in Folge. Im vergangenen Jahr gewann sie gemeinsam mit ihrer Bremerhavener Tanzpartnerin Denise Meyer den Weltmeisterinnen-Titel im Duo. Beim gemeinsamen Training mit Tanz-Coach Feriz Sula will sich Leonie den letzten Schliff holen. „Immer nur Vize-Weltmeisterin im Solo zu werden, gefällt mir nicht“, sagt sie und lächelt.

14 Stunden Training

14 Stunden in der Woche verbringt Leonie damit, ihre Schritte zu verbessern, an Choreografien zu feilen. „Meistens trainiere ich zweimal am Tag“, sagt die Achtklässlerin, die in Langen bei Bremerhaven das Gymnasium besucht. Zwei Minuten Vollgas reichen. Dann schnauft die Schülerin ganz schön kräftig. „Anstrengend“, sagt sie und fächert sich Luft zu. Ab und zu gibt es in der Schule mal eine blöde Bemerkung. Ist ja nur tanzen, sagen sie dann. Kann ja nicht so anstrengend sein. „Ist es aber. Der ganze Körper ist angespannt“, sagt Leonie.

Oft stecke hinter den Bemerkungen auch nur Neid, ist sie sich sicher. Etwa, wenn sie mit dem US-Mega-Star Justin Bieber auf der Bühne steht und in seiner Show tanzt.

Für den gemeinsamen Auftritt bei einem Konzert im November 2016 in Frankfurt hatte sich Leonie mit ihrer Duo-Partnerin beworben – und ist genommen worden. „Da war ich ganz schön aufgeregt“, sagt sie. „Vorne stehen die kreischenden und weinenden Mädchen und ich stehe neben ihm auf der Bühne.“ Ob Bieber jedoch etwas mit Bremerhaven anfangen konnte, weiß Leonie nicht. „Ich habe ihm gesagt, woher ich komme. Er wollte es vor der Show wissen.“

Wenn wieder Wettkämpfe anstehen, dann fehlt Leonie auch mal in der Schule. Geschenkt bekommt sie aber nichts, darauf legt sie Wert. „Ich muss alle Sachen nacharbeiten.“ Und dabei helfen ihr das Tanzen und das Einstudieren von langen Choreografien sogar. „Ich kann mir deswegen zum Beispiel total gut Vokabeln merken.“ Ihren letzten großen Auftritt hatte Leonie nicht auf der Tanzbühne, sondern auf der Kinoleinwand. In Helene Hegemanns Film „Axolotl Overkill“ hat Leonie eine Nebenrolle gespielt. Und sie durfte das tun, was sie am besten kann: tanzen nämlich.

„Das war total cool“, erinnert sie sich. Die Regisseurin hat Leonie beim Zappen im Fernsehen entdeckt. Bei der Pro 7-SAT1-Tanzshow „Got to dance“ kam Leonie bis ins Finale. „Das hat sie wohl gesehen. Wir haben uns dann in Berlin getroffen, und ich habe die Rolle angeboten bekommen.“

Rolle in Nudel-Werbung

Ohnehin hat die 14-Jährige bereits eine Menge Medienerfahrung. In einem Werbespot für einen italienischen Nudelhersteller spielt sie die Hauptrolle. „Als Nachfolgerin von Steffi Graf. Die hat davor den Spot gemacht“, sagt Leonie. Das sei im Übrigen noch ein Grund mehr, auch im Einzeltanz endlich die Nummer 1 der Welt zu werden.

Den Preis des Bekanntseins zahlt die junge Bremerhavenerin gerne. In der Stadt wisse man ohnehin, wer sie ist. „Und neulich bin ich in Berlin mal in einem Supermarkt angesprochen worden. Ob ich nicht die aus dem Kino sei. Dann musste ich ein Autogramm geben. Das war schon irgendwie lustig“, sagt sie. Star-Allüren hat die Bremerhavenerin trotz aller Titel und Auftritte nicht. „Ich bin einfach ich, Leonie. Und am liebsten treffe ich mich mit meinen Freundinnen und gehe mit ihnen in die Stadt.“

Ob sie aus ihrem Talent auch später mal ihren Beruf machen möchte, das weiß Leonie noch gar nicht. „Mein Vater sagt, ich könnte auch gut singen.“ Statt Showbühne und großem Auftritt kann sich Leonie aber auch ein ganz anderes Leben vorstellen. „Ich interessiere mich total für Medizin.“

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Vermutlich gesäumt von vielen Titeln. Und zwei hat sie besonders im Blick: Europameisterin und Weltmeisterin. Die Umstände sind zumindest prima. Die Meisterschaften finden nämlich dieses beziehungsweise nächstes Jahr jeweils in Bremerhaven statt. Vom 28. Juni bis zum 1. Juli 2018 kann Leonie in ihrer Heimatstadt um den EM-Titel tanzen.

Erwartet werden mehr als 2500 Tänzer aus den Bereichen Hip-Hop, Breakdance und ElectricBoogie. Im Oktober 2019 wird sie dann bei den Weltmeisterschaften den nächsten Angriff auf die Weltspitze starten. Mit Erfolg? „Wenn sie einen guten Tag hat, dann kann sie alles schaffen“, ist sich Tanz-Trainer Feriz Sula sicher.


Sehen Sie Leonie tanzen unter   bit.ly/hip-hop-leonie 
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Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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