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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Religion: Skatende Pastoren mischen Kirche auf

25.08.2020

Bremerhaven Maximilian Bode (29) hat lila Haare, Christopher Schlicht (31) ein auffälliges Tattoo am linken Arm, beide tragen gern Basecap, fahren Skateboard und hören auch mal Techno und Metal. Kurz gesagt: Sie sind ganz normale junge Menschen – oder doch nicht? Die beiden Freunde sind Pfarrer einer evangelischen Kirchengemeinde in Bremerhaven, im Sommer übernahmen sie nach Theologiestudium und Vikariat die Leitung der Emmausgemeinde in Grünhöfe – das Quartier gilt als sozialer Brennpunkt mit hoher Kinderarmut. Die Stelle war seit über einem Jahr unbesetzt, nun teilen sich die beiden die Arbeit.

Jeans statt Talar

„Wir passen in den Stadtteil“, sagt Christopher Schlicht. In den Gottesdiensten tragen die beiden Jeans statt Talar. Nur das Kollarhemd mit dem weißen Kragen weist darauf hin, dass sie Geistliche sind. Nach dem Gottesdienst lässt Christopher Schlicht sich gern die neuesten Tattoos der Besucher zeigen, Maximilian Bode tauscht schon mal Tipps für Haarfärbemittel aus.

Beide predigen vor dem Altar, die Kanzel haben sie noch nie betreten. „Wir wollen nicht von oben herabkommen“, sagt Max Bode. Im Gottesdienst ist selten eine Bachkantate von der Orgel, häufig aber christliche Live-Popmusik von der „Social Soulband“ zu hören. Planungen für Gottesdienste mit Techno- und Metalmusik laufen bereits. „Wir wollen mit Kirchengewohnheiten brechen“, sagt Maximilian Bode, der sich Pastor Max nennt und nicht: Pastor Bode.

Auch im Internet sind die beiden aktiv, übertragen ihre Gottesdienste live, chatten, laden Filmchen mit dem Titel „Frag die Captains“ hoch. Darin erklären sie auf witzige Art zum Beispiel, wie man einen Schoko-Erdnuss-Brotaufstrich selbst macht (Spoiler: Schokoerdnussriegel in der Sonne liegen lassen). Gerade in Coronazeiten sei es wichtig, die Kirche zu den Menschen zu bringen, dafür haben die beiden den Slogan #Zuhausekirche kreiert.

Volle Gottesdienste

Ihre Art kommt in der 2700 Mitglieder zählenden Gemeinde gut an. Die Pastoren werden beim Einkaufen angesprochen oder im Dönerladen. Ihr Dienstfahrzeug ist das Skateboard. „Das Skateboard öffnet die Herzen und die Neugier“, sagt Christopher Schlicht. In die Gottesdienste dürfen coronabedingt zurzeit nicht mehr als 40 Besucher. Weil die inzwischen locker erreicht werden, müssen Stühle in den Flur gestellt werden. Die Besucher kommen mit Jogginghose und Kappe auf dem Kopf, Kinder laufen herum. „Wenn man ein Wort nicht hören wird bei uns, dann ist es ,psst‘“, sagt Pastor Chris. „Gottesdienste sollen gefühlvoll und lustig sein.“

Ihr buntes Auftreten ändere aber nichts daran, dass sie ihren Job sehr ernst nähmen. „Ich liebe es, von Gott zu erzählen“, sagt Schlicht. „Die Botschaft bleibt dieselbe, nur die Form ist anders.“

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