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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Klaviere entpuppen sich als Raubgut

20.05.2019

Cloppenburg „Verkauf von gebrauchtem Haushaltsgut“, inserierte der Oberbürgermeister der Stadt Delmenhorst am 13. April 1943 im „Delmenhorster Kreisblatt“. „In den nächsten Tagen kommen in der Markthalle ca. 30 Klaviere zum Verkauf. Kaufliebhaber wollen begründete Anträge bis zum 14. April, 18 Uhr, in der Geschäftsstelle der Treuhandverwaltung, Delmenhorst, Langestraße 12, schriftlich einreichen.“

Die gebrauchten Klaviere und ihre Verwertung in Norddeutschland waren das Ergebnis einer gewaltigen Plünderungsaktion der Nationalsozialisten. Die Klaviere waren jüdischen Bürgern aus Belgien, Frankreich oder den Niederlanden geraubt worden, die man in Vernichtungslager deportiert und umgebracht hatte. Die Historikerin Christina Hemken hat die Raubzüge der Nazis in einem Beitrag für den Sammelband „Im Schatten des totalen Krieges: Raubgut, Kriegsgefangene und Zwangsarbeit“ aufgearbeitet, der jetzt in der Reihe „Kataloge und Schriften des Museumsdorfs Cloppenburg“ herausgekommen ist.

Im Hinblick auf das Museumsdorf wirft der Umgang mit dem in den 30er und 40er Jahren erworbenen Kulturschätzen die Frage auf, wie die Erwerbungen finanziert wurden. Der Oldenburger Medizinhistoriker Ingo Harms hat Antworten darauf schon vor Jahren in seinen Büchern über den Krankenmord in Wehnen gegeben. Träger der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen war der Landesfürsorgeverband, in der Zeit des Nationalsozialismus auch Träger der Nazi-Stiftung „Stedingsehre“ (Bookholzberg) und von 1944 bis 1961 eben des Museumsdorfs Cloppenburg. Die Verringerung der Ausgaben für Ernährung der Patienten habe, so Harms, die Stiftung „Stedingsehre“ (eine völkische Kultstätte) und auch das Museumsdorf erst möglich gemacht.

Dagegen argumentiert der frühere Cloppenburger Museumsleiter Uwe Meiners, der einen Aufsatz zu dem Sammelband beigesteuert hat. Der Landesfürsorgeverband sei „kein Rettungsanker für das Museumsdorf“ gewesen. Dafür seien die eingesetzten Mittel einfach zu gering gewesen. Die Gesamtqualität der Aufsätze in dem Band überzeugt: über den Verkauf der „Judenmöbel“ in Weser-Ems (Margarete Rosenbohm-Plate), die Raubgut-Recherchen der Briten (Karl-Heinz Ziessow), oder die gründlichen Beiträge über den Einsatz von Kriegsgefangenen (Holger Frerichs, Heinz Ripke, Karl-Heinz Ziessow).

Rosenbohm-Plate hat in ihrer verdienstvollen Auflistung für einzelne Kreise und Städte notiert, wie der Verkauf von „Judenmöbeln“ im Gau Weser-Ems vonstatten ging und wer profitierte.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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