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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Das Buch „Blüthen aus Trümmern“

17.07.2010

Gerhard Anton von Halem wurde 1752 in Oldenburg geboren, als zweites von acht Kindern des Stadtsyndikus Anton Wilhelm von Halem. Nach Privatunterricht und dem Besuch der Lateinschule studierte er in Frankfurt an der Oder und in Straßburg Jura. Es folgten ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und die Promotion in Kopenhagen. Als Anwalt ließ er sich in Oldenburg nieder und begann 1775 seine Karriere im oldenburgischen Staatsdienst. Daneben pflegte von Halem seine Interessen: Er war als Dichter, Historiker und im journalistischen Bereich tätig. Sein umfangreiches literarisches Werk und die wechselvolle Lebensgeschichte bis zu seinem Tod im Jahr 1819 können hier nicht verfolgt werden – es soll vielmehr um ein Erlebnis gehen, das von Halem auf einer seiner Reisen hatte. Diese Reise hat er ausführlich beschrieben: „Blicke auf einen Theil Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs bey einer Reise vom Jahre 1790“, erstmals erschienen 1791.

Als 1789 in Frankreich die Revolution ausbrach und in kurzer Zeit zu tief greifenden Umwälzungen führte, verfolgten auch in Deutschland viele fasziniert die Ereignisse im Nachbarland. Mit zwei Freunden, dem Landgerichtsassessor Johann Friedrich Cordes und dem Landgerichtsadvokaten Johann Wigand Christian Erdmann, brach von Halem am 1. Juli 1790 aus Oldenburg auf; das revolutionäre Paris zog sie an und wurde besucht. Doch auch darum soll es hier nicht gehen. Denn

auf dem Weg durch „einen Theil Deutschlands“ hat von Halem wohl von einem jungen Mann gehört und ihn gesehen, dessen Ruhm sich erst nach sehr langer Zeit verbreiten sollte: Friedrich Hölderlin.

Kirchliche Laufbahn

Im Jahr 1770 wurde Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren. Der Weg führte ihn über die Lateinschule in Nürtingen und durch die sogenannten Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn bis in das Tübinger Stift. Ziel war die kirchliche Laufbahn, die Hölderlin allerdings nie beginnen sollte. Am 21. Oktober 1788 trat er in das Stift ein.

     Hölderlin studierte in einer hochinteressanten Zeit. Angesichts des Rationalismus und des Empirismus galt es für die württembergische Kirche, entweder die dogmatische Tradition zu wahren, was schließlich kaum mehr

gelingen konnte, oder dem Zeitgeist nachzugeben. Einen eigenen Weg ging die vom Pietismus geprägte Theologie. In Tübingen strebte man einen Kompromiss an: Hier herrschte eine vernunftbestimmte Orthodoxie, die nie zu einer radikalen Aufklärungstheologie führte.

Hölderlin wollte sich allerdings mit den theologischen Kompromissen Tübingens nicht abfinden. Im Aufklärungszeitalter hatte das kirchlich orientierte Christentum aufgehört, eine Selbstverständlichkeit zu sein, denn Offenbarung und Dogma hatten sich vor der Vernunft aus-

zuweisen. Bestimmend wurde die individuelle Glaubensüberzeugung. Der Mensch, vorher definiert als Kind Gottes und Glied der Kirche, verstand sich zunehmend als Einzelner, der seinen eigenen Weg in der Welt zu finden habe. Das gilt auch für Hölderlin. Zwischen dem Zwang, im Stift zu bleiben, und tiefer Abneigung gegen diese Laufbahn bildete er sich in Tübingen zur Persönlichkeit. Er akzeptierte bald nicht mehr die in seinen Augen lediglich von der Konvention gestützten kirchlichen Institutionen, ihre Lehrmeinungen und den damit verbundenen Lebensentwurf. Im Januar 1799 sollte er der Mutter, bilanzierend, die folgenden Worte schreiben: „Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer unserer Zeit, die aus der heiligen lieben Bibel ein kaltes, geist- und herztödtendes Geschwäz machen, die mag ich freilich nicht zu Zeugen meines innigen, lebendigen Glaubens haben.“

Moderne Ausbildung

Gerhard Anton von Halem erlebte Hölderlins Württemberg auf seiner erwähnten Reise.   Herzog    Carl  Eugen   regierte damals schon seit über 45 Jahren; nach Jahrzehnten einer tyrannischen Herrschaft hatte er sich – in Grenzen – gewandelt   und     versuchte   sein

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