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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Uni Oldenburg: Die Geschichte hinter Garn und Faden

15.03.2017

Oldenburg Auf den ersten Blick sieht es aus wie in einem wüst sortierten Second-Hand-Laden: Mäntel und Acrylblusen hängen neben einem grünen Cordanzug, mittendrin ein schwarz-gelbes Fantrikot. Daneben stapeln sich Hüte diverser Stile. Doch der erste Eindruck täuscht – die getragenen Klamotten sind Teil einer wissenschaftlich sortierten Sammlung der Universität Oldenburg. Im Institut für Materielle Kultur finden sich mehr als 4000 textile Alltagsgegenstände, von Taufkleidern und Kannenwärmern bis zu Fahrradwimpeln und einer Seidentapete aus dem 19. Jahrhundert. Und es werden immer mehr.

Eingang in die Sammlung findet, was mit einer schlüssigen Geschichte verknüpft ist. Kustodin Carolin Krämer will vor allem wissen: „Was haben die Textilien den Menschen bedeutet?“

So erinnert der grüne Anzug an eine Jugend in Berlin, ein Wissenschaftler hatte ihn in der Tanzschule getragen. Das Fußballtrikot wurde aufgenommen, weil ein Giftstoff darin vor knapp zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsdebatte entfachte. „Nicht nur die Fans waren konsterniert, das Trikot sorgte für einen ziemlichen Aufruhr in der Textilbranche“, sagt Norbert Henzel, der Chemiker des Instituts. Er befasst sich mit Schadstoffen in der Kleidung, mit Öko-Siegeln und Naturtextilien.

Im Labor lässt Henzel die Studierenden mit pflanzlichen Färbemitteln wie Krapp, Eichenrinde oder Faulbaum experimentieren. Die Sammlung der Uni wird von angehenden Lehrern für textiles Gestalten, aber auch von Kulturwissenschaftlern genutzt.

Künftige Museums- und Ausstellungsmacher lernen hier, wie man Objekte systematisch erfasst und konserviert. Zum Beispiel anhand des Klepper-Mantels aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts – hergestellt von der für Faltboote bekannten Firma aus einem wasserdichten, gummibeschichteten Baumwollmaterial.

Die Rarität zu erhalten, ist nicht ganz einfach, erklärt die Kunsthistorikerin Krämer: „Textilien sind aus konservatorischer Sicht besonders anspruchsvoll.“ Probleme bereiten vor allem die Kunststoffe: Beim Cocktail-Kleid bröseln die Schulterpolster weg, Stoffe verkleben oder schrumpfen kaputt.

Mit ihrer kulturwissenschaftlichen Ausrichtung ist die Sammlung aus Sicht von Kustodin Krämer deutschlandweit einzigartig. Der zeitliche Schwerpunkt beginnt mit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. „Man staunt immer wieder, wie vielfältig die Sammlung ist“, sagt Marcus Kenzler vom Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Für den Provenienzforscher sind Textilien charakteristisch für ihre Epoche. „Man kann über die Objekte viel über die jeweilige Zeit erfahren.“

In der Sammlung sind auch 4800 Schriften archiviert, der Quelle-Katalog ebenso wie die „Brigitte“ von 1984 oder das Magazin „Strumpf und Socke“ von 1957. Damit lässt sich manche Wendung der Alltagskultur illustrieren oder der Wandel der Geschlechterrollen nachvollziehen.

Wegen einer Forschungsarbeit zu dem Thema gibt es außerdem besonders viele Hausschuhe in der Sammlung. Besondere textile Objekte können der Uni gespendet werden, Designerkleider genauso wie Selbstgeschneidertes. Was ins Konzept passt, kommt zunächst in eine Quarantäne-Box und wird bei 100 Grad Celsius erhitzt, damit keine Motten oder andere Schadinsekten in die Sammlung kommen. Um mehr Herausragendes in den begrenzten Räumen aufnehmen zu können, macht sich Kustodin Krämer aber auch Gedanken über das „Entsammeln“: Was aussortiert wird, soll bei Tauschpartys im Institut neue Träger finden.

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