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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Die Kunst, innerhalb des Lichtkegels zu sterben

04.03.2017

Oldenburg „Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und (...) teilzuhaben.“

So ist es in Artikel 27 der UN-Menschenrechtscharta verankert. Aber – wie soll das gelingen, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, am kulturellen Leben teilzuhaben, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht, welchem Kulturkreis er auch stammen mag, egal wie alt er ist, welches Geschlecht er hat?

Töten und Sterben innerhalb des Lichts           Bild: J. Ziegeler

Später Donnerstagabend, Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters: „Also wenn ich ihn von hier erschieße, fällt er aus dem Licht raus…“ Hm. Kurzes Beratschlagen auf der Bühne. Der junge Mann kann ja schließlich nicht einfach in die Dunkelheit fallen. Er sollte schon im Lichtkegel bleiben, Tod hin oder her.

Wir befinden uns mitten in den Theater-Endproben zu „Diktatoren“. 14 Frauen und Männer haben seit September gemeinsam unter Leitung von Hanna Puka ein Stück entwickelt, das sie in Kürze zur Aufführung bringen werden. Das Besondere: Die Darsteller sind keine Schauspieler, sondern Laien. Und Hanna Puka ist nicht als Regisseurin am Theater engagiert, sondern als Theaterpädagogin.

„Mittlerweile sind auf allen Spielplänen der deutschen Theaterlandschaft z. B. Theaterprojekte mit nicht-professionellen Spielerinnen und Spielern zu finden, und Partizipation und künstlerische Mitbestimmung wird als ein wichtiges Kriterium für innovatives, zeitgemäßes und demokratisches Theater verstanden.“
(Quelle: http://staatstheater.de/theaterpaedagogik.html)

Termine

„Diktatoren“ feiert am Samstag, 4. März, Premiere (bereits ausverkauft). Karten gibt es noch für die Aufführungen am Sonntag und Montag, 5. und 6. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr in der Exerzierhalle. Karten unter Tel. 0441/2 22 51 11 oder unter tickets.staatstheater.de.

Hunderte von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben in den vergangenen zehn Jahren in unzähligen Projekten des Staatstheaters mitgewirkt. „Jedes Alter erfordert eine andere Arbeitsweise“, sagt Hanna Puka. Bis zu dieser Spielzeit hatte sie überwiegend mit Projekten für Kinder und Jugendliche zu tun; jetzt leitet sie zum ersten Mal den Erwachsenenclub, den es bereits im fünften Jahr gibt. „Hier hast du fertige Persönlichkeiten vor dir stehen“, erklärt die Vermittlerin den Unterschied zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, „die Gruppe ist auch viel heterogener: Wir haben zum Beispiel Mathe- oder Pädagogikstudenten, eine Gymnasiallehrerin, die kurz vor der Pension steht – oder auch Geflüchtete aus Syrien mit dabei.“ Die Altersspanne liegt somit bei 20 bis 63 Jahren.

„Frauen, seid auch mal arrogant!“, ruft die Theaterpädagogin den „Frauen der Diktatoren“ vom Bühnenrand aus zu. Die Gruppe hat sich im Laufe der Probenzeit unter anderem mit Adolf Hitler, Erich Honecker oder Idi Amin beschäftigt – und deren Frauen. Doch auch aktuelle Ereignisse rund um Trump und Erdogan flossen in die Entwicklung mit ein. Die syrischen Teilnehmer bringen zudem eigene Erfahrungen mit dem Assad-Regime mit ein, andere wiederum Erfahrungen mit der DDR. „Wie Macht einen Menschen verändert, ist für mich eine der wichtigsten Fragen der Zeit“, erzählt Hanna Puka.

Probe des Erwachsenenclubs zu „Diktatoren“         Bild: J. Ziegeler

Der Reiz des Theaterspielens als Hobby? Hanna Puka: „Hier können die Teilnehmer sie selbst sein, sind beispielsweise nicht Mutter oder Vater, sondern werden zurückgeworfen in die Zeit der Identitätsbildung.“

14 Teilnehmer – mehr sollten es im Erwachsenenclub nicht sein pro Saison. Obwohl die Nachfrage, der Wunsch, selbst auf der Bühne mitzuwirken, steigt. Bei einem Kennenlerntag nach den Sommerferien geht es los: Anders als beim professionellen Theater wird dann aber nicht nach Rollen gecastet. Schließlich soll die Gruppe, die an diesem Tag entsteht, gemeinsam erst ein Stück entwickeln. „Uns interessieren die Persönlichkeiten“, sagt Hanna Puka.

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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