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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Eine Oktoberfestsause mit Bananensaft

13.12.2013

Hannover Es ist ein bisschen wie früher, zumindest für ein paar Meter. Sie biegt um die Ecke, und die Reporter rennen los. Kreisen sie ein. Stellen ihr hektische Fragen, fotografieren sie, filmen, schreiben krakelig in ihre Stenoblöcke: Grauer Mantel! Helle Bluse! Enger schwarzer Rock! Und sie dirigiert diese Traube, treibt sie mit forschen Schritten zum Gerichtseingang, wie früher pochen ihre Pfennigabsätze dabei energisch aufs Pflaster. Bettina Wulff gibt noch einmal: die First Lady.

„Frau Wulff, bitte“, ruft der Wachtmeister, und in Saal 127 tritt ein die Zeugin Wulff, Vorname Bettina, Alter 40, wohnhaft in Großburgwedel, verheiratet, aber getrennt lebend. First Lady a.D. ist kein Beruf, „PR-Beraterin“ sagt die deshalb, und beide sprechen hier heute: ernsthaft die ehemalige First Lady („Ich werde natürlich die Wahrheit sagen“), humorig unterstützt durch die PR-Expertin, die Reporter sollen sich ja nicht langweilen.

Kostprobe? „Ich hab’ mal gesagt, wenn Christian es richtig krachen lassen will, dann bestellt er sich einen Bananensaft.“ Kurze Kunstpause. „Seitdem stand immer und überall Bananensaft für ihn.“ Gelächter im Saal.

Doch jetzt zuerst einmal die Klatschspalten. Bettina und Christian Wulff sehen sich auch nach ihrem Liebes-Aus regelmäßig, sie telefonieren oft, es ist ein „sehr freundschaftliches Verhältnis“, erklärt sie dem Gericht, „weit über die Vater- und Mutter-Rolle hinaus“. Auf dem Gerichtsflur begrüßte Bettina Wulff ihren Noch-Ehemann mit Wangenküsschen.

Aber Richter Frank Rosenow will natürlich mehr wissen. Er soll ja herausfinden, was 2008 auf dem Oktoberfest in München geschah: Hatte sich der damalige Ministerpräsident Wulff vom Filmproduzenten David Groenewold einladen lassen und im Gegenzug Reklame für dessen Film „John Rabe“ gemacht?

Also noch einmal die Autofahrt nach Bayern. Ein „schreiendes und krakeelendes“ (Bettina Wulff) Ministerpräsidentenbaby auf dem Rücksitz. Zahlreiche Raststätten-Stopps. Eine erschöpfte Ministerpräsidentenfamilie im Luxushotel („ich war überrascht von den tollen Zimmern“). Schließlich der Oktoberfestsamstag, die Wulffs nebeneinander am Promi-Tisch in der Wiesn-Schänke.

„Hat Ihr Mann sich dort auch mit anderen Menschen unterhalten?“, fragt Richter Rosenow. „Nein“, antwortet die PR-Fachfrau. Der Richter stutzt, dann die Auflösung der First Lady a.D.: „Das war ein Scherz!“ Auf der Wiesn gebe es doch ein Kommen und Gehen, jeder spreche mit jedem! Und ihr Mann wollte unbedingt mit Maria Furtwängler reden, der TV-Kommissarin: ob man Niedersachsen im „Tatort“ nicht „ein bisschen freundlicher“ darstellen könne. „Das waren bislang immer so düstere Themen, das hat uns ein bisschen geärgert.“

Soll heißen: Wulff war dienstlich in München, „private Termine waren immer sekundär“. Es folgen weitere Bestätigungen von Wulff-Aussagen: Ihr Christian war ein Barzahler. Ein Nichttrinker. Ein enger Freund von Groenewold. Eine Stunde lang wirbt Bettina Wulff für den Ex.

Fragen bleiben trotzdem, zum Beispiel diese hier: Was geschah am Freitag, 26. September 2008? Es gibt eine Rechnung aus dem Restaurant „Trader Vic’s“, bezahlt hat sie Groenewold – aber es gibt niemanden, der sich an das Essen dort erinnert. Christian Wulff nicht, Groenewold nicht, Bettina Wulff auch nicht. Sie geht davon aus, dass die Familie auf dem Zimmer geblieben sei. Auch den Babysitter habe man nur für den Oktoberfestsamstag gebucht – bezahlt wurde laut Hotelrechnung aber für zwei Abende. „Ja“, sagt Bettina Wulff, „mein Mann war erstaunt über den teuren Babysitter.“

So wird die Zeugin Wulff entlassen. Noch einmal umringen sie die Reporter, gekonnt leitet sie die Traube zu ihrem Taxi, ein letztes Mal ist sie First Lady. Aber auf Fragen antwortet sie jetzt nicht mehr.

Am 19. Dezember will das Gericht ein Zwischenfazit ziehen im Wulff-Prozess.


Ein Spezial finden Sie unter   www.nwzonline.de/wulff-affaere 
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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