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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Blick Hinter Die Kulissen: „Eine Operation am offenen Herzen“

18.04.2015

Oldenburg Im Büro von Gerriet Schwarting klebt eine alte Handwerkerweisheit an der Wand: „Blot nich an fummeln, wenn wat löppt“ – bloß nicht dran rühren, wenn es läuft. Doch zurzeit muss Schwarting, Produktionsleiter bei WE-Druck, eine Ausnahme von der Regel hinnehmen. Im Druckhaus wird schwer gefummelt, und zwar im laufenden Betrieb. „Hier passiert gerade eine Operation am offenen Herzen“, sagt er.

Bis zu 130 000 Exemplare der NWZ werden in Oldenburg-Etzhorn Nacht für Nacht gedruckt, sechsmal die Woche, ebenso 50 000 Ausgaben für die Zeitungsgruppe Ostfriesland; hinzu kommen Sonntagszeitungen, Sonderbeilagen, Prospekte. Das hat Spuren bei der knapp 14 Jahre alten Versandanlage hinterlassen. „Wartung und Reparatur nehmen zu“, weiß Schwarting, vor allem aber: „Die Technik hat sich inzwischen weiterentwickelt.“

In der Versandanlage werden die Zeitungen, die druckfrisch aus der Rotation kommen, passgenau für den Zusteller fertiggestellt: Die Maschine fügt den entsprechenden Lokalteil ein, Wochenendjournal, Sonderbeilagen wie „Inside“ oder „Gartenwochen“, Werbeprospekte. Jetzt investieren die Gesellschafter der NWZ zwölf Millionen Euro in die Modernisierung dieser Anlage; die bisherigen Maschinen der Firma Müller Martini werden gegen neue der Firma Ferag ausgetauscht.

Das klingt einfacher, als es ist: Denn Nacht für Nacht läuft ja die Produktion weiter, hundertausendfach schießen Zeitungen aus der Rotation.

Zunächst mussten die Techniker also eine alte Maschine abbauen, um Platz für eine neue zu schaffen. Das passierte am Osterwochenende. Das Problem ist: Bislang konnte aus Raumgründen nur eine „Rumpfmaschine“ aufgebaut werden, wie Schwarting es nennt. Statt der geplanten 18 Anlegeplätze zum Einfügen von Beilagen wie Lokalteile und Prospekte gibt es vorerst nur fünf. Das bedeutet: Immer wieder muss die Produktion angehalten werden, um neue Paletten mit Beilagen bereitzustellen, „aus Sicherheitsgründen haben wir in den ersten Tagen deshalb etwas früher begonnen als sonst“, so Schwarting.

Nun muss man wissen, dass sich die Drucker in einem äußerst engen Zeitfenster bewegen. Denn da ist auf der einen Seite die Redaktion der NWZ , die ihre Texte so spät wie möglich im Druckhaus abliefern möchte – damit der Leser auch späte Ereignisse am nächsten Morgen in seiner Zeitung finden kann. Auf der anderen Seite ist da die Zustellgesellschaft der NWZ, die so früh wie möglich mit der Auslieferung der fertigen Zeitung beginnen möchte – damit jeder Leser sein Exemplar bis 6 Uhr im Postkasten hat. Weil im Druckhaus früher angefangen wurde als sonst, musste die Redaktion ihre Seiten teilweise ein wenig früher anliefern als üblich. In einigen Lokalausgaben konnten deshalb in Einzelfällen aktuelle Sportergebnisse fehlen. „In der kommenden Woche läuft das wieder normal“, erläutert die zuständige Abteilungsleiterin Margit Schweizer.

17.30 Uhr am Freitag, im Druckhaus donnern die Maschinen. Noch läuft die Produktion der Sonntagsblätter, der Druck der NWZ  vom Sonnabend hat noch gar nicht begonnen. Die neue Ferag-Maschine schweigt, sie wird erst in der Nacht gebraucht. Sie steht direkt neben einer alten Müller-Martini-Anlage; erst wenn die abgebaut ist, können die restlichen Ferag-Anlegeplätze angebaut werden. So wird es hier nun täglich weiter gehen: Stück für Stück wird Altes abgebaut und Neues aufgebaut, während die Produktion läuft. Buchstäblich unter Hoch-Druck.

Aber was verändert sich überhaupt durch die neue Versandablage?

„Die neue Anlage ist deutlich unkomplizierter und schneller“, sagt Schwarting. Das heißt für den Leser: Die NWZ kann künftig noch aktueller sein. „Gleichzeitig wird die Produktion sicherer“, so Schwarting weiter.

NWZ -Geschäftsführer Herbert Siedenbiedel lobt: „Ich bin stolz, dass unser Verlag solche Gesellschafter hat, die eine solche Investition in die Zukunft tätigen.“ In einer Zeit, in der viel über die künftige Entwicklung der gedruckten Zeitung diskutiert werde, sieht er darin „ein ganz bewusstes Signal, dass wir an das Medium Print glauben“. Und Ulrich Gathmann, Vorsitzender der NWZ-Geschäftsführer, sagt: „Ich freue mich, dass wir für unsere Leser künftig noch aktueller sein können durch den späteren Andrucktermin.“ Die Geschäftsführung dankt dem Versandteam um Abteilungsleiterin Margit Schweizer für ihr Engagement.

Auch Peter Rosdorff, der Geschäftsführer von WE-Druck, lobt Abteilungsleiterin Schweizer und ihr Projektteam aus Dragan Tocic, Frank Imboden und Harald Rippen für ihren erfolgreichen Einsatz bei der Umstellung. Bis Oktober soll der Umbau komplett abgeschlossen sein, „dann muss die neue Technik stabil laufen“, so Rosdorff.

Bis dahin wird in Oldenburg-Etzhorn weiter unter erschwerten Bedingungen gearbeitet werden: Ausbau, Einbau, die tägliche Produktion, dazwischen die Schulungen der Mitarbeiter in der neuen Technik – ein ungewöhnliches Gefummel. Produktionsleiter Gerriet Schwarting steht im Druckhaus, über seinem Kopf fliegen auf Kettenbändern die Zeitungen vorbei.

Er lächelt zufrieden: Hauptsache, es löppt.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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