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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Herr der Urkunden verabschiedet sich

25.10.2018
Frage: Herr Steinwascher, Sie treten als Direktor des Landesarchivs bald in den Ruhestand. Wahrscheinlich haben Sie sich schon ein paar historische Themen vorgenommen, über die Sie schon immer schreiben wollten?
Steinwascher: Ich habe eigentlich keine konkreten Pläne für weitere Veröffentlichungen. Ich werde aber die Leitungsfunktionen bei der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen und im Arbeitskreis Geschichte der Oldenburgischen Landschaft noch beibehalten. Die Historische Kommission plant augenblicklich ein Schwerpunktthema: Erinnerungsorte, d.h. es geht um geschichtspolitische Fragen, die mich sehr interessieren. Der Arbeitskreis Geschichte der Oldenburgischen Landschaft wird sich im kommenden Jahr mit der Weimarer Republik beschäftigen, auch für Oldenburg ein überaus wichtiges Thema. Fortsetzen werde ich auch meine Tätigkeit an der Universität, insbesondere im Projekt Prize Papers von Frau Prof. Dr. Dagmar Freist.
Frage: Unter der Arbeit im Archiv stellen sich viele eine staubtrockene Tätigkeit in fensterlosen Räumen vor. Was war Ihr spannendster Fund?
Steinwascher: Archivische Arbeit ist alles andere als staubtrocken. Immerhin schaffen die Archivare und Archivarinnen die historische Überlieferung über die jetzige Zeit, damit man auch in ferner Zukunft nachvollziehen kann, warum sich unsere Gesellschaft so und nicht anders entwickelt hat. Spannende Funde macht man immer wieder, insbesondere bei der Neuerschließung von Archivbeständen. So habe ich in einem Gerichtsbestand die Originalzeichnung einer Schnitger-Orgel entdeckt oder gerade erst vor Kurzem in den unerschlossenen Restbeständen der Entnazifizierungsausschüsse eine vollständige Liste der Mitglieder der NSDAP in der Stadt Oldenburg.
Frage: Wie kam es dazu?
Steinwascher: Ich fand tatsächlich auf dem letzten noch zu erschließenden Aktenwagen mit Entnazifizierungsakten komplette Listen der Oldenburger NSDAP-Mitglieder, Abschriften, die sich der Entnazifizierungsausschuss hat fein säuberlich anfertigen lassen. Das lag nun seit Jahrzehnten unerschlossen im Magazin. Der Bestand unterliegt zwar noch teilweise dem Datenschutz, aber er eignet sich auf jeden Fall für eine wissenschaftliche Aufarbeitung: Wie schlug sich die Sozialstruktur Oldenburgs in der Parteiorganisation nieder?
Frage: Was hat sich in der Archivarbeit geändert? Die Digitalisierung bringt sicherlich große Vorteile für Nutzer, zumal man auch unabhängig von den Öffnungszeiten Archivalien anschauen kann. Fehlt aber nicht etwas? Immerhin tragen Dokumente aus Papier, gar Pergament, auch die Spuren ihrer damaligen Verfasser, lassen sich anfühlen.
Steinwascher: Der digitale Benutzersaal ist zwar noch Zukunft, wird aber im nächsten Jahrzehnt konkrete Formen annehmen. Allerdings werden nicht alle Archivalien digital zur Verfügung gestellt, dies wäre auch eine unsinnige und teure Maßnahme. Die Bestände, die durch häufige Benutzung in ihrem Erhaltungszustand gefährdet sind, werden dann aber bald digital zur Verfügung stehen. Zukünftig wird das öffentliche Schriftgut dann nur noch digital entstehen und in dieser Form archiviert. Zur Beruhigung: Man wird auf absehbare Zeit auch weiterhin noch mit analogen Dokumenten in den Benutzersälen des Landesarchivs arbeiten können. Vielleicht wird der Wunsch, einmal eine mittelalterliche Urkunde des Klosters Hude oder ein Schriftstück, an dem Graf Anton Günther von Oldenburg selbst Hand anlegte, im Original zu sehen, sogar wieder größer werden.
Frage: Ihr Buch über das Haus Oldenburg gilt als Standardwerk, unerlässlich für Historiker und Interessierte an politischen Zusammenhängen. Wird es eine Fortsetzung geben?
Steinwascher: Das Buch über das Haus Oldenburger hat mir selbst den Blick in die europäischen Zusammenhänge oldenburgischer und niedersächsischer Geschichte geöffnet. Im Rahmen u.a. des Prize-Paper-Projekts wird mich diese Verknüpfung von regionaler Geschichte mit den großen Zusammenhängen europäischer, ja außereuropäischer Geschichte besonders interessieren. Gerade in Zeiten, in denen unsere Region wieder einmal von Migration geprägt wird und viele sich nach einer angeblich früher vorhandenen regionalen „Kuschelecke“ sehnen, ist der Blick über den Kirchturm hinaus mehr als sinnvoll. In diesem Themenkomplex zu forschen und vor allem die Forschungsergebnisse zu vermitteln, ist für mich auch zukünftig ein sinnvolles Anliegen. So können sich Historiker auch geschichtspolitisch vernünftig einbringen.
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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