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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Als erste Pastorin in Ostfriesland

21.01.2020

Grimersum Die Theologinnen werden schon weggeheiratet, bekommen Kinder und das Problem erledigt sich von selbst: Darauf hätten einige Kirchen-Verantwortliche spekuliert, als das Gemeindepfarramt vor 50 Jahren auch für Frauen geöffnet wurde, sagt Ingrid Meyer-Runkel. Heute ist sie 80 Jahre alt und erinnert sich an ihren nicht ganz einfachen Anfang im Beruf, als sie am 25. Januar 1970 in einer kleinen ostfriesischen Gemeinde Pastorin wurde – als erste Frau in der evangelisch-reformierten Kirche.

„Erst bin ich baden gegangen“, erzählt sie. Als sie sich nach Studium und Vikariat in einer Gemeinde zur Wahl stellte, bekam sie die benötigte Mehrheit nicht zusammen. Der Grund ist für die Theologin klar: ihr Geschlecht. „Das hat mir arg zugesetzt, weil man kann ja nichts dran machen, dass man eine Frau ist.“ Doch für sie und ihren Ehemann, auch er damals angehender Pastor, kamen andere Angebote.

Im ostfriesischen Grimersum bekam Meyer-Runkel die Zwei-Drittel-Mehrheit zusammen. Nur ein Gemeindemitglied stimmte gegen sie. Der Mann berief sich auf die Bibel: „Da steht, das Weib schweige in der Gemeinde“, zitiert Meyer-Runkel den ersten Korintherbrief. „Früher entsprach das der allgemeinen Ordnung. Es war verpönt, dass Frauen in der Öffentlichkeit reden“, merkt sie dazu an. „Das hat sich irgendwann aber umgedreht. Die Gesellschaft war damals viel weiter als die Kirchen.“

Aufruf zum Wegheiraten

Studenten sollen in den 60er Jahren von Professoren angehalten worden sein, die angehenden Theologinnen wegzuheiraten. Anders als für die männlichen Kollegen galten an vielen Orten für die neu zugelassenen Frauen Zölibatsklauseln und andere Einschränkungen.

Die rechtliche Gleichstellung ließ Jahre auf sich warten. Etwa in der Landeskirche Pfalz, wo das erste Mal in der BRD eine Frau das Gemeindepfarramt übernahm, berichtet Kristina Bedijs vom Studienzentrum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Genderfragen. 1958 wurde Pionierin Irmgard Gauer in Kaiserslautern ordiniert, die komplette Gleichstellung folgte zehn Jahre später.

Schwieriger Start

In der evangelisch-lutherischen Landeskirche Oldenburg ermöglichte das „Pastorinnengesetz“ 1966 die Übernahme des Pfarramtes durch Frauen. Das Pastorinnengesetz der Reformierten, das Ingrid Meyer-Runkel den Weg ins Gemeindepfarramt ebnete, stammt aus dem Jahr 1969. Dafür sind darin keine Extra-Klauseln fürs weibliche Geschlecht geschrieben.

Hürden gab es trotzdem. „Die Landeskirche hat am Anfang das Übelste für mich entschieden“, erzählt sie von ihrem Start in Uelsen in der Grafschaft Bentheim. „Ich sollte in einer anderen Gemeinde 60 Kilometer entfernt meinen Dienst tun. Mein Mann kam nach Wilsum, die Perle der Grafschaft, neues Pfarrhaus, sechs Kilometer von Uelsen entfernt.“ Als Meyer-Runkel beim Landessuperintendenten einwendet, dort keine Perspektive zu haben, habe der gesagt: „Kriegen Sie erstmal ihr Kind“, erzählt sie. „Dann hat er sicher gedacht, dann ist das Problem erledigt, dann wird sie das Amt gar nicht mehr wollen.“

Doch Meyer-Runkel arbeitete weiter, eine Haushaltsgehilfin unterstützte die Familie. Als das dritte Kind kam, wurde es zu viel. „Wir haben versucht, ob ich reduzieren kann.“ Doch es habe geheißen: „Das geht nicht, halbe Pfarrstellen gibt es nicht. Wenn, müssen Sie ganz aufhören.“ Zwei Jahre blieb sie zu Hause – die Arbeit fehlte ihr sehr. Als sie zurückkam, blieb ihr der Titel Pastorin zunächst verwehrt – und damit auch der Beamtenstatus.

Probleme bleiben

Das Problem sieht Meyer-Runkel auch heute nicht gelöst: Mit Kindern liege die Hauptlast meist auf den Frauen. Von knapp 21 000 Theologen im aktiven Dienst in den Landeskirchen war laut EKD 2014 ein gutes Drittel weiblich – rund 7600.

„Wenn mein Mann nicht konsequent zu mir gestanden hätte, dann hätten wir das auch nicht durchgekriegt“, sagt sie. Nachdem seine Frau die erste Wahl verloren hatte, verzichtete Reinhard Runkel in einer Nachbargemeinde auf die Pfarrstelle, um mit ihr umzuziehen – von der Landeskirche habe es dafür eine Rüge gegeben.

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