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Trio Aus Großenkneten: Der Clown, die Strategen und ihr Ruhm

14.08.2014

Großenkneten Als TRIO hoben drei Musiker aus Deutschlands Nordwesten die Welt des Pop aus den Angeln. Sie verkauften Millionen von Platten, bis ihre Band 1986 erlosch. Doch auch wenn Stephan Remmler sich heute auf Lanzarote von der kanarischen Sonne bräunen lässt, Gert „Kralle“ Krawinkel am 16. Februar 2014 gestorben ist und Peter Behrens’ Formkurve ihre nächste Wendung kaum erahnen lässt: TRIO bleibt für immer die Band aus Großenkneten. „Da Da Da“ ist ihr Gruß aus dem Oldenburger Land in die Welt.

„Es waren herrliche Jahre“

Eckart Paradies, TRIO-Wegbegleiter aus Großenkneten

Der Clown

„Aha aha Aha“

Die Botschaft ist klar. 20 TRIO-Fans in T-Shirts, Bierchen vor den Bäuchen und selig vor Erinnerungen, sind auf der Stelle still. Was macht es schon, dass der Bühnenhelfer das Signal zu früh durch die Lautsprecher gejagt hat und Peter Behrens noch im Mantel am Bühnenrand herumhantiert?

Wie das 1,2,3,4 einer Rockband zählt der Auftakt zu TRIOs „Da da da“ den Abend an. Es ist das Gronauer Rock ‘n’ Popmuseum, Frühjahr 2014, draußen tanzen Elvis’ Schatten an der Wand, drinnen im Foyer soll der TRIO-Schlagzeuger vom Starruhm und den verpfuschten Jahren danach erzählen.

Aha aha aha.

Der Helfer bedient ein zweites Mal den Knopf. Nur eine Handvoll Buchstaben fasst diese Losung deutscher Popmusik im Jahr 1982, als Sinneinheit fraglich, dennoch unmissverständlich: „Aha aha aha“ im Auftakt, „da da da“ im Refrain, Casio-Pingpong-Sound auf der Zeile „Ich lieb’ dich nicht, du liebst mich nicht. Aha“. Falls die Zeit einen Zahn hat, gibt es daran nicht viel zu nagen.

„Das ist die Musik meiner Jugend“, sagen die Fans, bevor sie in die Stuhlreihen sacken. „Schön blöd, aber gut“, meint einer. „Das war eigentlich ‘ne richtige Punkband“, doziert ein anderer.

Peter Behrens hat sich aufgestellt: Arme hinter dem Rücken, die Körperspannung des Bühnenprofis. Den Apfel, den er bei Auftritten mit TRIO verspeiste, spart er sich. Ein Clown bleibt er, das hat er vor den Jahren mit TRIO in einer Mailänder Artistenschule gelernt: neckisches Schulterzucken, fragende Augenbraue.

Zugleich fusselt schütteres Haar vom Kopf, schmale Arme fallen aus dem roten Shirt. Falls die Zeit einen Zahn hat, war sie bei Peter Behrens gnadenlos.

Der Clown des TRIOs erzählt aus seiner Biografie. Geboren in Wilhelmshaven als Sohn eines US-Soldaten, der bald das Weite sucht. Aufgewachsen bei einer Pflegefamilie in Varel, der Vater Bahnhofsvorsteher unter anderem in Oldenburg. Anerkannte Bürger, biedere Leute. Lehre bei Foto Wöltje in Oldenburg und erste Meriten als Schlagzeuger. Später bei der Vareler Krautrockgröße Silberbart.

Und die Jahre mit TRIO. Peter Behrens erzählt Geschichten von Bommerlunder und glotzt wie Bandmaskottchen Carmen plastikpuppenblöd an die Decke. „Fanden wir auch zum Lachen“, sagt er, als die Fans wie auf Knopfdruck kichern. Beim schlagerseligen „Turaluraluralu“ vergeht ihm das Lachen: „Ich kann dieses Wort gar nicht aussprechen!“

Peter Behrens nach seinem Auftritt im Rock ‘n’ Pop-Museum in Gronau. Bild: Timo Ebbers

Nach mehr als einer Stunde steht Peter Behrens immer noch und pariert die Fragen der Fans wie ein Boxer die Attacken seines unterlegenen Sparringspartners. Wie war das mit Gefängnis? „5 Monate 20 Tage im Knast, wegen dreimal Alkohol im Straßenverkehr. Wer hat noch Fragen? Los, mehr!“

Endlich, Peter Behrens schlägt die Beine übereinander. „Ich hätte mich vorhin gern mal hingesetzt. Aber das wäre nicht meine Rolle gewesen“, sagt er und zieht an seiner Zigarette. Die Fans sind auf dem Weg nach Hause. Es ist still vor dem Rock ‘n’ Popmuseum in Gronau, Elvis’ Schatten tanzen in der Dunkelheit.

Warst du aufgeregt heute? „Nein. Da steckt viel Routine drin.“ Zehn Jahre lang stand Peter Behrens nicht auf der Bühne, trotzdem pariert er meine Fragen mit der gleichen Lässigkeit wie die seiner Fans. Machst du das für dich oder für das Publikum? Kurzes Überlegen: „Beides.“

Trinkergeschichten über ihn gibt es im Dutzend. Er hat sie uns Journalisten gern verkauft. „Klar, warum auch nicht?“, sagt er. Vielleicht hattest du das Klischee des gefallenen Rockstars ja einfach mal satt? Das lässt Peter Behrens nicht gelten. „Was hätte ich denn erzählen sollen? Dass ich um 8 Uhr aufstehe, frühstücke und Zeitung lese? Das war nicht die Wahrheit!“

„Das lange Solo da da danach“, Reportage über Peter Behrens, taz, 5. Januar 2004

„Befreit in roten Hosenträgern“, Peter Behrens mit neuer Single, Nordwest-Zeitung, 21.August 2014

„Die Jahre mit TRIO waren die schönsten Jahre meines Lebens. Und dann kam diese Scheiße.“ Peter Behrens schüttelt den Kopf und zieht an einer Zigarette. Während die Tantiemen bei den anderen immer wieder Geld aufs Konto spülten, herrschte beim Trommler Ebbe. Zuflucht fand er in einer Wohnung in Wilhelmshaven über der Kneipe Kling Klang. Und am Tresen.

Nach einem Zusammenbruch reißt er sich zusammen und hört besser auf seine Ärztin. „Wenn ich meine fünf Kilometer am Tag nicht gelaufen bin, geht’s mir nicht gut“, sagt er. Über dem Kling Klang in Wilhelmshaven wohnt er immer noch. Ob das die richtige Umgebung ist? „Ich glaube, es zieht einen dahin zurück, wo man geboren ist“, sagt er über seine Geburtsstadt.

Hat Peter Behrens sich arrangiert? Einen griffigen Satz dazu hat er jedenfalls parat: „Ich bin zufrieden mit meiner Unzufriedenheit.“ Aha

Coole Dozenten: Stephan Remmler, Niels Knolle und Kralle Krawinkel verkörpern am 24. Juli 1979 die Popmusik an der Oldenburger Universität. Quelle: dpa/Archiv Niels Knolle

Die Strategen

„TRIO – das ist ein völlig bescheuerter Name.“

Dr. Niels Knolle, Wegbegleiter Stephan Remmlers an der Universität Oldenburg

Nötig hatte er das Risiko nicht. Der Mick Jagger von der Unterweser hielt Ende der 1970er Jahre ein bescheidenes Glück bei Holzminden fest in Händen. Die Schüler liebten Stephan Remmler, ihren charismatischen Musiklehrer. „Ich habe ihm gesagt: Du bist doch verrückt! Du kannst doch nicht eine Beamtenstelle aufgeben“, erinnert sich Dr. Niels Knolle aus Oldenburg. „Aber Stephan war auf dem Sprung und wollte Rockmusiker werden.“

Dr. Niels Knolle hatte 1975 Stephan Remmlers Abschlussarbeit über „Popmusik als Gegenstand des Musikunterrichts“ an der Uni Oldenburg beurteilt und seinem Schützling die Tore zu einem bürgerlichen Dasein geöffnet. Als Remmler sie wieder hinter sich zustieß, und auch Gert Krawinkel in Jever seine Stelle als Lehrer aufgab, kamen sie mit einer Bitte auf ihren Oldenburger Dozenten zurück: „Können wir nicht mal Demobänder aufnehmen?“

Wie Mainstream geht, das wussten Remmler und Krawinkel längst. Schon seit den 1960er Jahren hatten sie in der Band Just Us um die Zentren Bremerhaven, Nordenham und Cuxhaven Hits der Rolling Stones nachgespielt. Remmler mochte damit als Mick Jagger von der Unterweser durchgehen. Doch was war der schon wert, solange der echte Mick Jagger seinen gewaltigen Schatten von den großen Bühnen dieser Welt warf?

Etliche so genannter Top-40-Bands konkurrierten zu dieser Zeit um die Bühnen in den Gasthäusern und Kneipen der Region. Mit ihrem neuen Projekt wollten Stephan Remmler und Gert Krawinkel die Grenzen dieses Kosmos‘ sprengen. Und Geld verdienen. Die Geschichte des TRIOs aus Großenkneten ist kein Jux, den Zufall und Glück aufflammen und um die Welt leuchten ließen. Zwei ehemalige Studenten der Universität Oldenburg wollten den Erfolg. Dafür lohnte das Risiko.

„Und dann kam diese blöde Idee, Musik zu machen ohne Bass.“ Eckart Paradies sagt das, als halte er die Aufstellung des TRIOs noch immer für eine blöde Idee. Die Meinung des Sängers aus Großenkneten war gefragt, als Stephan Remmler, Gert „Kralle“ Krawinkel und Peter Behrens im legendären Konzert am 20. Dezember 1980 im Gasthaus Kempermann ihr TRIO vorstellten. Musikerkollegen aus ganz Norddeutschland waren eingeladen, erinnert sich Paradies. „Die wollten von uns wissen: Kann man sowas machen oder ist das ‘ne Scheißidee? Ich dachte: Das wird nix.“

Kein Bass? Im reduzierten Klang des TRIOs fehlten auch diverse Teile des Schlagzeugs und zwei Tonabnehmer an Kralles Gitarre. Und das war nur der halbe Weg zur Irritation. „Remmler stand da im Jackett, das konnte man damals eigentlich nicht bringen“, sagt Niels Knolle, der die Geburtsstunde des TRIOs im Gasthaus Kempermann fotografierte. Remmler trat als Dandy auf, Kralle als Naturbursche, Peter Behrens fiel mit roten Hosenträgern in die Rolle des traurigen Clowns.

Mehr als ein Jahr Arbeit steckte im ersten Auftritt des TRIOs, von den Grundlagen, die sich die Musiker über viele weitere Jahre auf lokalen Bühnen erspielt hatten, ganz zu schweigen. Im Labor ihrer Ideen an der Regenter Straße in Großenkneten hatten sie all ihre Erfahrungen ausgewertet und radikal geschliffen. Sie hätten alle „Klischeedinger ausgemerzt“, hat Stephan Remmler einmal erklärt.

Als „Wind“ nahmen die frisch verabschiedeten Lehrer Remmler und Krawinkel im Jahr 1979 Demobänder an der Oldenburger Uni auf. Den späteren TRIO-Hit „Sabine“ gab es da schon, wenn auch in Englisch. Niels Knolle hatte als akademischer Rat der Universität ein semiprofessionelles Studio aufgebaut und Popmusik als Fach etabliert. Remmler und Krawinkel bekamen sogar Lehraufträge, Remmler etwa gab Unterricht in Rockgesang. „Wie er das gemacht hat, weiß ich nicht. Aber es war durchaus erfolgreich“, sagt Niels Knolle.

„Welthits aus der Dorf-WG“, Reportage von Karsten Krogmann, Nordwest-Zeitung, 10. Februar 2012

Als Peter Behrens Anfang 1980 in die Künstlerbude an der Regenter Straße einzog, gewann auch die Rollenverteilung Kontur. Schließlich hatte Behrens nicht nur für die Vareler Krautrockband „Silberbart“ Schlagzeug gespielt, sondern auch in Italien das Handwerk des Clowns gelernt. „Das war ein hochsensibler Künstler. Und dann musste er da stehen und gucken wie Karl Arsch“, sagt Eckart Paradies. „Das war schon eine Hierarchie auf Peter Behrens‘ Kosten“, sagt auch Niels Knolle. Vor allem aber war es eine Masche für den Erfolg, auf die sich die drei Musiker bewusst eingelassen hatten.

Radikale Reduktion, klar verteilte Rollen – und Großenkneten. Die Gemeinde hat ihren Anteil am Besonderen des TRIOs. Während die Top-40-Bands Hits herunterbrachen und ein bisschen Glanz von Welt in der Provinz glimmen ließen, drehte TRIO den Spieß um: „Los, Paul! Du musst ihm voll in die Eier hauen! Das ist die Art von Gewalt, die wir sehen wollen“, hatte Remmler auf dem Sofa notiert, beim Fußballgucken mit den Bandkollegen. Alltag in Großenkneten. Das sollte einige Monate später in New York gefeiert werden.

HIer wurde Popgeschichte geschrieben: Das TRIO-Haus an der Regenter Straße in Großenkneten BILD: Havelbaude/Wikimedia

Neben diesem Konzept hatte das TRIO etwas, das sich nicht am Reißbrett planen ließ: die Entschlossenheit und das Charisma ihres Sängers. „Stephan hatte eine gewisse Aura“, sagt Niels Knolle. „Wenn er in einen Raum kam, dann gehörte er ihm.“ Diese Wirkung bestätigt auch Eckart Paradies: „Stephan war etwas Besonderes. Das sah man sofort. Wenn die anderen noch Wodka tranken, dann hatte der schon die nächste Idee.“

Drogen? Nicht Remmler. „Stephans Einstellung war: Ich ziehe hier ein Ding durch, und dafür muss ich absolut fit sein“, erzählt Niels Knolle. Frauen? „Er war sicher ein Idol für die Mädchen. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass er in dieser Zeit überhaupt eine Freundin gehabt hätte.“ Stattdessen soll der Bandchef seinen Fokus über das Reale hinaus gesetzt haben. „Er hat geglaubt, er kann einen Tisch an einem Bein hochheben, wenn er sich darauf konzentriert. Oder war es ein Stuhl, auf dem jemand sitzt? Ich fand das lächerlich. Aber Stephan war für okkulte Dinge zu haben.“

Doch wie sollte die Band nun heißen? „TRIO - das ist ein völlig unsinniger Name, dachte ich damals. Wenn es wenigstens Stephan-Remmler-Trio heißen würde. Aber er war davon nicht abzubringen“, sagt Niels Knolle. Nee, wir heißen jetzt TRIO, soll Remmler gesagt haben. „Und er hat Recht gehabt. TRIO war nach ganz kurzer Zeit ein Label in den Köpfen“, räumt Niels Knolle ein und lächelt. „Wenn man immer auf schlaue Meinungen anderer hört, kommt man zu nichts.“

Das TRIO bestand aus erfahrenen Musikern, die nie aus den vereinbarten Rollen fielen. Sie hatten einen Frontmann, dessen Charisma das Publikum faszinierte. Und sie hatten einen Namen, der trotz aller Zweifel zu einer Marke werden sollte. Gewonnen war damit noch nicht viel. Über 20 Labels lehnten das Konzept ab, bevor Louis Spillmann vom Hamburger Label Phonogram Feuer fing und ein Konzert in Ostfriesland besuchte.

Stephan Remmler, Gert Krawinkel und Peter Behrens waren den großen Bühnen dieser Welt jetzt näher, als es der Mick Jagger von der Unterweser je hätte sein können.

Der Ruhm

„Ihr seid besser als die Beatles“

Klaus Voormann, zitiert aus Peter Behrens’ Biografie „Der Clown mit der Trommel“

Das ist nicht der Satz eines Wahnsinnigen. Wer das TRIO aus Großenkneten der einflussreichsten Popband aller Zeiten gleichstellt, wenn nicht sogar vorzieht, ist kein geringerer als ein sogenannter fünfter Beatle. Klaus Voormann hatte sich seit frühen Hamburger Tagen mit John Lennon und Paul McCartney herumgetrieben und das berühmte Cover des „Revolver“-Albums gestaltet. Von Louis Spillmann auf die Fährte gesetzt, kümmerte er sich um das TRIO aus Großenkneten. Nötig hatte er diese Rolle zwischen dem Label und der Band aus der Provinz nicht. Er wollte es. Das TRIO schien ihm die Mühe wert.

„Da Da Da - Die Geschichte eines Hits“, Arte-Dokumentation von 2009, Ausschnitt

Klaus Voormann war nicht der einzige Künstler von Rang, der etwas Besonderes im Konzept der deutschen Band gesehen hat. Der große amerikanische Songwriter Randy Newman soll beim Auftritt des TRIOs in den USA „That’s amazing!“ ausgerufen haben. Die New York Times rezensierte das Konzert der drei Norddeutschen im Big Apple wohlwollend.

New York Times: Kritik vom 14. November 1983 zum Auftritt im New Yorker Ritz

Und dennoch: Der Ruhm, das war zunächst der Ruhm in Großenkneten. Straßenschilder wurden plötzlich zu begehrten Trophäen. Einen ganzen Stapel davon, Aufschrift „Regenter Straße“, hielt die Gemeinde Großenkneten auf Vorrat. Kolonnen von Autos schlängelten sich bis zum Domizil des TRIOs, Kinder drückten sich die Nasen an den Fenstern platt, um einen Blick auf die Stars zu erhaschen. „Es war eine herrliche Zeit. TRIO war ja nur kurz hier. Aber von der Intensität her waren es Jahre“, erinnert sich Eckart Paradies.

Mochten die Fans von außerhalb auch in Hundertschaften herbeipilgern, die Kneter genossen den Trubel offenbar eher still. „Wir haben sie ignoriert, aber es war eine positive Ignoranz. Wir haben sie ernst genommen“, erklärt Eckart Paradies. Stephan Remmler, Kralle Krawinkel und Peter Behrens gehörten dazu. „Das waren Kneter“, bestätigt Eckart Paradies.

Stephan Remmler kultivierte sein markantes Haupt und ließ sich die Haare beim örtlichen Friseur auf sechs Millimeter Länge stutzen. Kralle spielte unter Eckart Paradies beim TSV Großenkneten Fußball. „Er war nicht ohne Talent“, sagt Paradies, der Gert Krawinkel als ehrlichen, streitbaren Kerl in Erinnerung hat. Neben den Strapazen des Musikerdaseins sei für ehrgeiziges Training auf dem Rasen aber kein Platz gewesen.

Und die Ansprüche stiegen. Die Neue Deutsche Welle spülte das TRIO in eine ganz anderen Liga. Niels Knolle, Wegbegleiter an der Oldenburger Universität, bekam das zu spüren. Zur Einweihung der Universitätsbibliothek 1982 hatte er Remmler um einen Auftritt gebeten. „Ich dachte, das geht klar. Aber er wollte nicht. Ich denke, es war ihm zu popelig, als weltbekannte Band zu bekennen: Das waren unsere Wurzeln. Ich war darüber verärgert“, sagt Niels Knolle. Viele Jahre hatten sie sich danach nicht gesehen. Spätestens ein lieber Gruß zu Knolles 60. Geburtstag im Jahr 2004 brachte alles wieder ins Lot.

Interview: Stephan Remmler und NWZ-Reporter Karsten Krogmann plaudern über TRIO

TRIOs Platz, das war in den frühen 1980er Jahren die Hitparade bei Dieter Thomas Heck im ZETT DEE EFF, das waren Bühnen in den USA. Der halbe Erdball amüsierte sich über Da Da Da, das rund 12 Millionen Mal verkaufte. In Brasilien war man verrückt danach. Minimalistische Subversion? Fröhlicher Dadaismus? „Als sie in dieser Größenordnung angekommen waren, war es vorbei“, meint Niels Knolle. Die große Bühne verschlang die Anarchie. Mit „Turaluraluralu“ steuerte Remmler den Schlager an, und im Kinofilm „Drei gegen Drei“ dehnte sich das Konzept 1985 zum Klamauk. Schon 1986 erlosch das TRIO.

Und in Großenkneten? Souvenirjäger sind heute selten geworden, Schilder von der Regenter Straße sind kaum noch gefährdet. Die Anwohner können auf neugierige Besucher ohnehin verzichten. Das Haus dieser einzigartigen Musiker-Wohngemeinschaft ist nicht mehr dasselbe. Nur die Adresse gibt es noch - jene Adresse, die Großenkneten für ewig auf die Karte der Popkultur zeichnet.

Seit dem 16. Februar 2014 gibt es kein TRIO mehr. Auch keine Spekulationen über eine Rückkehr, und sei es nur für ein Konzert. An diesem Tag hörte das Herz des TRIOs auf zu schlagen. Gert Krawinkel starb im Alter von 66 Jahren an Krebs. „Kralle war der Inbegriff vom Rock ‘n’ Roll“, hat Klaus Voormann gesagt. Bis zuletzt hatte er vor allem zu Peter Behrens Kontakt gepflegt.

„Der Dadaist aus Großenkneten“, Frankfurter Allgemeine zum Tod Gert Krawinkels, 18. Februar 2014

TRIO hat eine Spur in der Kulturlandschaft hinterlassen, die auch von den vielen neuen Trends und Stilen nicht auszulöschen ist. Schon gar nicht für die Fans, die auf Börsen nach den Platten graben, ins Detail verliebte Webseiten zum TRIO in Netz stellen, Filme auf Youtube hochladen und mit Treffen in Großenkneten der Erinnerung an die Feuertaufe der Band im Jahr 1980 huldigen. Am 15. November finden die so genannten Triologen in Großenkneten wieder zusammen.

Stephan Remmler wird das Triologentreffen 2014 wohl von Lanzarote aus beobachten. Peter Behrens will unbedingt dabei sein. Und Kralle Krawinkel wird als Ehrengast in den Herzen der Fans ein langes Kapuzenbluessolo auf „Broken Hearts for You and Me“ spielen.

Sie hält die Erinnerung an TRIO lebendig: Melanie Otten, Triologin aus Cloppenburg

Timo Ebbers Ltg. / Online-Redaktion
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