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Aktualisiert vor 4 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Noch eine Geschichte bitte! – Warum die Erzählkunst boomt

16.03.2019

Im Nordwesten Wer erzählt denn heute noch Geschichten? Auf den ersten Blick scheint es so, als würde diese Kunst längst der Vergangenheit angehören. Klar, jeder erzählt was, manchmal den ganzen lieben langen Tag lang. Aber so richtig Geschichten oder gar Märchen erzählen – das kann kaum jemand, oder?

Europäische Märchengesellschaft

Die Europäische Märchengesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Rheine. Er wurde 1956 gegründet. Vor allem bietet die Märchengesellschaft im deutschsprachigen Raum Veranstaltungen an. Einmal im Jahr gibt es einen Jahreskongress.

Die Märchengesellschaft hat rund 2000 Mitglieder. Darunter sind Akademiker, die sich mit Märchen auseinandersetzen, Theologen, Psychologen, Märchenerzähler und Märchenliebhaber.

„Die Kunst des Erzählens erlebt einen großen Boom – und das bereits seit den 80er-Jahren“, sagt die Oldenburgerin Sabine Lutkat. „Märchen, aber auch das mündliche Erzählen haben seitdem einen großen Aufschwung erlebt.“ Die 48-Jährige ist Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft mit Sitz in Rheine und wird in deren öffentlicher Liste als eine der wenigen Märchenerzählerinnen im Nordwesten geführt. Das Erzählen habe einen neuen Boom erlebt, weil das Miteinander verloren gehe. „Mündliches Erzählen hat eine große Kraft. Es ist etwas Zwischenmenschliches. Und es ist nicht einseitig“, sagt Sabine Lutkat. „Die Reaktionen meiner Zuhörer bekomme ich sofort mit. Man begibt sich zusammen auf ein Abenteuer, bei dem man viel erleben kann.“

Liste der Europäischen Märchengesellschaft: Hier finden Sie Märchenerzähler in Ihrer Region

Weltgeschichtentag am 20. März 2019: Hier finden Sie die Aktionen

Märchen sind ihre Leidenschaft

Sabine Lutkat hat Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert. Seit 20 Jahren ist sie in der Erwachsenenbildung und als Märchenerzählerin tätig. Sie gibt Erzählkurse, unterrichtet Kreistänze, arbeitet als Autorin und Reiseleiterin in Irland. Seit 2012 ist die Oldenburgerin Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft.

Sabine Lutkat liebt vor allem Märchen mit starken Frauenfiguren, zum Beispiel das keltische Märchen „Tamlin“, in dem eine Frau ihren Mann aus dem Feenreich erlöst. „Märchen sind keine rosaroten Geschichten mit Zuckerguss. Märchen haben auch ihre dunklen Seiten“, sagt die 48-Jährige. „Aber sie leben von dem Glauben, dass es gut ausgehen kann.“ Sie können spielerisch mit Ängsten umgehen und den Lebensmut ihrer Leser – oder Zuhörer – stärken. Auch können sie zum Nachdenken anregen. „Ein tolles Märchen fragt mich ganz viel über die wichtigsten Lebensthemen“, sagt Sabine Lutkat – über Liebe, Freundschaft, Hass, Neid, Tod.

VIDEO mit Sabine Lutkat: Märchen aus unserer Region

Aber wie wird man zu einem guten Geschichtenerzähler? Zum Weltgeschichtentag (auch World Storytelling Day) verrät Sabine Lutkat einige Tricks.

Voraussetzung ist, dass der Erzähler die ausgewählte Geschichte mag und sie gut kennt. „Schließlich bürge ich für das, was ich erzähle“, sagt die Expertin. Hier ihre weiteren Tipps:

1. Geborgene Atmosphäre: Märchen und Geschichten können spannend, aufregend und bisweilen grausam sein. Wer eine geborgene Erzählsituation schafft, kann gerne ein bisschen „Lustgruseln“ aufkommen lassen, rät Sabine Lutkat. Wenn Kinder sich aufgefangen fühlten, hätten sie oft Spaß an gruseligen Geschichten.

2. Bildhaft erzählen: Man sollte Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen lassen. Dazu könne man verschiedene Gefühle und Stimmungen wie zum Beispiel Glück oder Gefahr in der Stimme widerspiegeln. Oder den Charakteren verschiedene Stimmen geben. „Man sollte aber nicht in die Klischees gehen“, rät Sabine Lutkat. „Sonst wird es albern.“

3. Für jemanden erzählen: Man sollte immer seine Zuhörer im Blick haben: Erzähle ich für Kinder oder Erwachsene? „Man erzählt keine Geschichte, um jemanden ruhig zu stellen“, unterstreicht Sabine Lutkat. „Eine Erzählung ist kein Lückenbüßer, sondern hat viel mit Zuwendung zu tun.“

4. Wiedererkennungseffekt: Wer öfter Märchen erzählt, verändert vielleicht beim Erzählen Handlungsstränge. „Das würde ich nicht machen“, sagt Sabine Lutkat. „Dann stimmt die Geschichte nachher nicht mehr.“ Kinder liebten es, wenn die Geschichten gleich blieben. „Das stimmt nicht!“, komme sonst schon mal als Protest oder: „Du lügst! Das hast du beim letzten Mal anders erzählt!“

5. Erzählen für Anfänger: „Im privaten Rahmen kann jeder zum Geschichtenerzähler werden“, sagt Sabine Lutkat. Am besten starte man mit einem kurzen Märchen oder einer Geschichte, die man schon oft vorgelesen hat. Wer den Schritt in die Öffentlichkeit starten will, testet sein Erzähltalent am besten vorher im etwas größeren Rahmen, zum Beispiel vor dem Freundeskreis.

Jeden Tag erzählen wir, was wir erlebt haben, in der Schule, bei der Arbeit, beim Abendessen, bei Youtube. „Beim biografischen Erzählen ist nie relevant, dass ein Erlebnis genau so passiert ist“, sagt Sabine Lutkat. „Viel wichtiger ist, dass es etwas über unsere Identität aussagt. Menschen werden für andere durch ihre Geschichten sichtbar.“ Im Umkehrschluss: Wer nie etwas von sich erzählt, bleibt ein Mysterium.

VIDEO: Rafik Schami, einer der bekanntesten Geschichtenerzähler, erzählt

Inga Wolter stv. Ltg. / Online-Redaktion
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