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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

In Bremerhaven den Großeltern auf der Spur

04.08.2015

Bremerhaven Edward Mazurkiewicz’ Biografie ist von Migration geprägt: Seine Großeltern väterlicherseits sind Ende des 19. Jahrhunderts von Polen in die USA ausgewandert. Die Vorfahren seiner Mutter stammen aus Rheinland-Pfalz. Er selbst, in Reading (Pennsylvania) geboren, wanderte 1966 nach Bremerhaven aus - wegen seiner heutigen Ehefrau. Beide zogen später für Jahre in die USA, nach Neapel und Rotterdam. Heute leben sie im Landkreis Cuxhaven. Kein Wunder also, dass der 75-Jährige sich im Freundeskreis des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven engagiert, das am 8. August seinen zehnten Geburtstag feiert.

Das Erlebnismuseum, das 2007 als „Europäisches Museum des Jahres“ ausgezeichnet wurde, entwickelte sich seit seiner Eröffnung 2005 vom Auswanderungs- zu einem Migrationsmuseum. Migration sei ein fester Bestandteil deutscher Geschichte, begründet Direktorin Simone Eick diesen Schritt. Dies wolle das Museum vermitteln und dabei Ängste in Neugierde umwandeln.

„Anders als in klassischen Einwanderungsländern wie den USA, Kanada und Australien wird Migration in Deutschland noch nicht als Teil der Identität wahrgenommen“, so Eick. Im Durchschnitt kommen 200.000 Besucher pro Jahr, fünf Prozent aus dem Ausland. Viele von ihnen begeben sich auf Spurensuche nach der eigenen Familiengeschichte.

So wie Edward Mazurkiewicz. Einer seiner Lieblingsräume im Museum ist der Nachbau einer Dritte-Klasse-Unterkunft des Schnelldampfers „Lahn“, der Ende des 19. Jahrhunderts europäische Auswanderer nach New York brachte. In der echt wirkenden Szene steht ein Mädchen mit seiner Mutter neben einfachen Stockbetten. „Das Mädchen erinnert mich an meine Großmutter“, sagt Edward Mazurkiewicz mit amerikanischem Akzent. Sie war zehn Jahre alt, als sie 1892 mit ihrer Familie von Polen nach Amerika auswanderte. Ob ihr Weg sie über Bremerhaven nach New York führte, weiß er nicht.

Das möchte er aber herausfinden. Lange hat er deshalb nach dem Mädchennamen seiner Großmutter Helen geforscht: Marchlewisz. Er hat den Namen auf einem Zettel notiert. Im Raum für Familienrecherche gibt er ihn in einen Computer ein, der Zugriff auf spezielle Datenbanken hat. Gespannt sitzt er vor dem Bildschirm. Doch auf keiner Schiffspassagierliste ist der Namen vermerkt. „Schade“, sagt der Enkel, der selbst inzwischen Großvater ist. Nur bei einer amerikanischen Volkszählung im Jahr 1920 ist seine Grandma gelistet.

Die Familienrecherche im Auswandererhaus

Der Raum für Familienrecherche befindet sich im 2012 eröffneten Erweiterungsbau des Auswandererhauses, in dem es um die deutsche Einwanderungsgeschichte geht. Nachgebaut ist eine Ladenpassage aus den 1960er und 1970er Jahren, darunter ein Damen- und Herrenfriseur aus dem Jahre 1966. „So ähnlich sah es auch in Bremerhaven aus“, sagt Mazurkiewicz. 1966 ist das Jahr, in dem er seinen Job bei der Marine quittierte und nach Bremerhaven zog - ohne ein Wort deutsch zu können. „Außer Bratwurst, Bier und „Ich liebe dich““, sagt Mazurkiewicz schmunzelnd.

Die letzten drei Worte brauchte er für seine Waltraud. Sie hatte er ein Jahr zuvor in Bremerhaven kennengelernt. Dort hatte sein Truppentransporter, auf dem er als Offizier eingesetzt war, einen Zwischenstopp eingelegt. Er fühlte sich von Anfang an wohl in Bremerhaven. „Mich erinnerte alles an das polnische Viertel von Reading, in dem ich aufgewachsen bin“, erzählt der 75-Jährige.

Das Paar heiratete, in Bremerhaven kamen die drei Kinder zur Welt. Wegen Mazurkiewicz’ Job musste die Familie noch oft die Länder und Kontinente wechseln. Heute wohnt das Ehepaar wieder in der Nähe von Bremerhaven. Der Sohn blieb in den USA, die beiden Töchter leben in Deutschland. „Unsere jüngste Tochter lebt in Rheinland-Pfalz, also dort, woher die Vorfahren meiner Mutter stammen“, sagt Mazurkiewicz. „So schließt sich der Kreis.“

Infos zum Deutschen Auswandererhaus

Deutsches Auswandererhaus, Columbusstraße 65, 27568 Bremerhaven

Öffnungszeiten:
März bis Oktober täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr
November bis Februar 10 bis 17 Uhr

Der Eintritt kostet 12,80 Euro, für Kinder 7,50 Euro.

Die Familienrecherche ist täglich ab 12 Uhr geöffnet.

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