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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Interview mit Markus Wonka zur Katholischen Kirche im Oldenburger Land: Löcher lassen sich nicht länger mit Geld stopfen

15.01.2022
Oldenburg Wenn sich nicht ehrenamtliche Mitglieder darum kümmern, wird es bestimmte Angebote in vielen Gemeinden nicht mehr geben. „Wir brechen mit vielen Gewohnheiten“, sagt Markus Wonka. „Das wird nicht leicht.“

Frage: Der Katholischen Kirche laufen die Mitglieder weg. Ist da eine Strukturreform die richtige Antwort?

Markus Wonka: Wenn wir nur die Strukturen verändern würden, wäre das sicher zu wenig. Aber der Prozess, den Bischof Felix angestoßen hat, ist mehr. Es geht darum, Kirche und pastorale Arbeit neu zu denken. Der Rückgang der Mitgliederzahlen und Einnahmen und der noch gravierendere Rückgang der Zahl hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändert nicht nur den äußeren Rahmen. Wenn es in einer oder zwei Generationen noch lebendige Verkündigung des Evangeliums in der katholischen Kirche geben soll, brauchen wir eine Transformation.

Frage: Was heißt das genau?

Wonka: Bisher prägen vielfach Hauptamtliche, die Angebote für verschiedene Gruppen in der Gemeinde machen, das Leben einer Pfarrei. Das wird es so immer weniger geben. Wir kommen zu einem Gemeindebild, das dem ähnelt, was der Apostel Paulus im ersten Jahrhundert nach Christus kannte: In verschiedenen Orten hatten sich christliche Gemeinden gebildet, die zwar im Kontakt mit Paulus und anderen Aposteln standen, aber die sich im Grunde selbst organisiert haben. So wird es auch bei uns verstärkt sein: Wenn sich Mitglieder finden, die einen Familienkreis gründen, soziale Projekte anschieben oder sich zu einem geistlichen Austausch treffen, wird es das vor Ort geben. Durch Hauptamtliche wird zunehmend weniger abgedeckt werden können. Der Weg, der von uns liegt, birgt aus meiner Sicht nicht nur Verlust, sondern auch Gestaltungsmöglichkeiten. Aber mir ist klar: Wir brechen mit vielen Gewohnheiten und eingeübten Abläufen. Das wird nicht leicht.

Frage: Wo sehen Sie die größten Hürden?

Wonka: Wir begreifen erst langsam, wie tief die Veränderungen reichen, vor denen wir stehen. Dazu zählen nicht nur die innerkirchlichen Umwälzungen, sondern auch die Auswirkungen des sozialen und gesellschaftlichen Umbruchs, die Entkirchlichung. In den vergangenen 20,30 Jahren konnten wir vieles von den Abbrüchen im kirchlichen Leben mit Geld und Personal kompensieren. Das wird künftig nicht mehr gehen. Ich erlebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sehr offen auf diese Veränderungen zugehen. Mir begegnen aber auch Mitglieder, die an den gewohnten Erwartungen festhalten. Neulich sagte mir einer: ,Es ist doch klar, wenn ich ein Kind taufen lassen will, muss ein Priester vor Ort sein.’ Deswegen reicht es nicht, Strukturen zu verändern. Wir müssen darüber reden, wie wir Kirche verstehen. Es gibt Abbrüche, die sicher auch Trauerprozesse auslösen.

Markus Wonka BILD: BMO

Zur Person

Dr. Markus Wonka, 49, stammt aus Augsburg und hat nach dem Studium der Theologie und Psychologie in der Ehe- und Familienberatung gearbeitet.

2018 wechselte der verheiratete Vater zweier Töchter als Leiter des Amtes Seelsorge zum Bischöflich Münsterschen Offizialat.

2021 übernahm Wonka,  der in Münster lebt, zusätzlich die Leitung der Abteilung Seelsorge-Personal und ist damit für alle Priester, Diakone und pastoralen Beschäftigten zuständig.

Frage: Was ist ein Pastoraler Raum? Welche Aufgaben soll diese Ebene übernehmen?

Wonka: Diese Fragen werden Teil des Diskussionsprozesses sein. Ich gehe davon aus, dass in 20 Jahren in einem Pastoralen Raum maximal drei oder vier Priester arbeiten werden, die sich als Team verstehen. Die Orte, an denen das Pastoralteam seinen Sitz findet, werden vielleicht einen besonderen pastoralen, liturgischen und sozialen Schwerpunkt haben. In den anderen Gemeinden wird es vor allem darauf ankommen, was die Gemeinde selbst in die Hand nehmen will und kann. Hierbei sollen sie das Pastoralteam und das Offizialat unterstützen. Der Pastorale Raum könnte Anstellungsträger für Personal werden, um die Gemeinden zu entlasten. Die Entwicklung hin zu Pastoralen Räumen soll gewährleisten, dass wir als Kirche vor Ort präsent bleiben und unsere gesellschaftliche Relevanz erhalten, auch wenn wir kleiner werden.

Frage: In Südoldenburg gibt es zum Teil noch volkskirchliche Strukturen, anders als im nördlichen Teil des Oldenburger Landes. Was bedeutet das für die Reform?

Wonka: Eine große Herausforderung stellt in der Tat die Ungleichzeitigkeit dar. Dort wo die Gestaltungsspielräume erkannt und genutzt werden, wird es leichter gehen. Das kann – muss aber nicht – mit der Diaspora-Situation zusammenhängen. Im Übrigen ist der Prozess so flexibel angelegt, dass lokale Begebenheiten berücksichtigt werden. Ich bin in einem ländlich geprägten Gebiet in Süddeutschland aufgewachsen mit festlichen Prozessionen und Weihrauchduft zu jeder möglichen Gelegenheit. Ich kann mich gut in jemanden hineinversetzen, der die Entwicklung vor allem als Verlust begreift.

Frage: Was ist mit dem Wallfahrtsort Bethen oder der Urlauberseelsorge an der Küste?

Wonka: Das sind ganz wichtige Orte, die auf jeden Fall erhalten und gestärkt werden sollen. Mit der Kirche St. Marien in Schillig und der Urlauberseelsorge auf Wangerooge haben wir Orte, an denen wir Menschen außerhalb der Gemeinde auf eine besondere Weise mit unserer Botschaft erreichen. Zu diesen besonderen Orten zähle ich auch unsere beiden Bildungshäuser und den BDKJ-Jugendhof, der vielleicht noch stärker ein Ort mit überregionaler Strahlkraft für junge Menschen werden kann. Wichtig ist mir, dass wir bei allen Herausforderungen unsere Haupt- und Ehrenamtlichen mitnehmen und auf die künftigen Aufgaben vorbereiten. Unsere Akademie in Stapelfeld und das Antoniushaus in Vechta haben den Auftrag, ihre Arbeit daraufhin neu auszurichten.

Frage: Werden die Kirchen wieder voller durch diesen Umbau der pastoralen Arbeit?

Wonka: Das wäre schön. Aber ich glaube nicht, dass der allgemeine Prozess der Entkirchlichung umkehrbar ist. Vielleicht ist das gar nicht die richtige Messgröße. Ich wünsche mir, dass der Umbau Rahmenbedingungen schafft, unter denen auch in Zukunft vor Ort lebendige christliche Gemeinschaften zusammenfinden und das Evangelium dadurch lebendig gelebt und verkündet wird. Wenn das dazu führt, dass zu bestimmten Anlässen und an bestimmten Orten die Kirchen voll sind, dann wäre das für mich ein Zeichen, dass die christliche Botschaft weiterhin prägend ist.

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Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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