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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Bischof musste durch hohe Wogen

28.11.2017

Oldenburger Land Ganz bedächtig und behutsam sollte der Start in die neue Aufgabe sein. Wenige Tage nachdem Jan Janssen, damals noch Kirchentagspfarrer, im Mai 2008 von der Synode der evangelischen Kirche im Oldenburger Land als 45-Jähriger zum jüngsten Bischof Deutschlands gewählt worden war, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung, wie er sein Amt angehen wolle: Im Zentrum seines Plans standen Zuhören und Wahrnehmen, Hinschauen und Kennenlernen.

Doch dann kam plötzlich alles ganz anders. Wenige Tage vor seiner Amtseinführung im September 2008 sah sich der Nachfolger von Bischof Peter Krug mit der Tatsache konfrontiert, dass die Kirche Millionen verloren hatte – und alle Pläne waren blitzartig Makulatur. Der junge Bischof musste sofort im Krisenmodus agieren, nachdem bekannt geworden war, dass im Rahmen der Pleite der amerikanischen Lehman-Bank angelegte Zinserträge aus Rücklagen in Höhe von 4,3 Millionen Euro verloren waren.

Raues Küstenwetter mit heftigem Gegenwind machte den Start – behutsam ausgedrückt – ungemütlich. Und auch nachdem der erste Sturm halbwegs abgewettert war, gingen die Wogen weiterhin hoch. Die Affäre um die fristlose Kündigung der damaligen Pressesprecherin endete nach heftigem juristischen Schlagabtausch und wechselseitigen öffentlichen Vorwürfen mit einer offiziellen Entschuldigung bei der ehemaligen Mitarbeiterin.

In diese Zeit fielen auch öffentlich geäußerte Verdächtigungen der sexuellen Übergriffigkeit gegen einen Dezernenten aus der Kirchenleitung. Der junge Bischof erlebte also so ziemlich das Gegenteil von dem, dass er sich für seinen Start im Oldenburger Land erhofft hatte – zusätzlich ergänzt durch einen heftigen Streit mit der Mitarbeitervertretung.

Für Jan Janssen bedeuteten die zu überwindenden Hürden, dass er sich zunächst nicht so stark wie gewünscht um seine eigentlichen Vorhaben kümmern konnte. Er verlor sie aber nicht aus dem Auge und blieb beharrlich dran.

So suchte er das persönliche Gespräch mit allen Pfarrerrinnen und Pfarrern der oldenburgischen Kirche – und hat sie in kurzer Zeit alle besucht.

Neue Kommunikation

Besonders am Herzen hat ihm sein Verkündigungsauftrag gelegen. Das Predigen im gesamten Oldenburger Land war ihm sehr wichtig, zuletzt in einer großen Predigtreihe zum Reformationsjubiläum. Dabei stand bei ihm nicht das große bischöfliche Wort an die Gesellschaft im Zentrum, sondern eher das scheinbar schlichte Weitererzählen der guten Botschaft von der Liebe Gottes.

Auch politisch suchte er nicht die großen Schlagzeilen, sondern hielt es mit den ruhigeren Tönen. Bei der großen gesellschaftlichen Herausforderung der Flüchtlingskrise war er allerdings in besonderer Weise präsent. Nahezu jedes kirchliche Projekt zur Integration von Schutzsuchenden hat er aufgesucht und mit Zuspruch versehen.

Eng mit Jan Janssen verbunden war eine gravierende Umstellung innerhalb der Kirche, nämlich die Entwicklung eines neuen Kommunikationskonzepts. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurde personell und inhaltlich neu aufgestellt, durch Internet- und Fundraisingbeauftragte ausgebaut und wirkt inzwischen nicht mehr nur nach außen, sondern ist auch ein wichtiges Werkzeug der internen Kommunikation – und ist eingebunden in eine Strategie zur Krisenreaktion, um schnell auf plötzliche Herausforderungen reagieren zu können.

Ein Höhepunkt der vergangenen Bischofsjahre war der große Zukunftskongress, mit dem die oldenburgische Kirche im Jahr 2012 bundesweite Schlagzeilen machte. Hier wurden viele Wege und Möglichkeiten zur kirchlichen Entwicklung diskutiert – ein Steinbruch an Ideen, der heute noch zur Verfügung steht.

Erneuerungsprozess

Aus dem Zukunftskongress ist ein komplexer Erneuerungsprozess entstanden, an dem unterschiedliche Entscheidungsebenen beteiligt sind. Sowohl in der Synode, also dem 60-köpfigen Kirchenparlament, als auch im Oberkirchenrat werden derzeit Fragen der künftigen Prioritäten und Kompetenzen diskutiert. An diesem Prozess wird Jan Janssen nicht mehr mitwirken. Die bestehenden Baustellen müssen von anderen bearbeitet werden – möglicherweise auch durch einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin, der oder die möglichst noch im kommenden Jahr gefunden werden soll.

Es bleibt ihm das gute Gefühl, dass er beteiligt war, eine gute Form des Miteinanders zu entwickeln, so dass sich das Fahrwasser für das Schiff Kirche inzwischen etwas beruhigt hat.

Gerne zurück blickt Jan Janssen auf die Aufgaben, die er außerhalb wahrgenommen hat. So war er von 2011 bis 2015 Beauftragter der EKD für Freiwilligendienste, hatte von 2011 bis 2017 den Vorsitz im Ev. Literaturportal/Ev. Buchpreis e.V. inne, war seit 2010 Vorstandsvorsitzender des Ev. Missionswerks in Deutschland e.V. und seit 2016 Mitglied im Zentralausschuss des Weltkirchenrates (ÖRK).

Bei alledem gehörte das enge ökumenische Miteinander zu seinem Bischofsalltag, geprägt durch beste Beziehungen zum früheren katholischen Weihbischof Heinrich Timmerevers und seinem Nachfolger Wilfried Theising aus Vechta.

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