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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Karnevalsflucht an die Küste

27.02.2014

Im Nordwesten Friesennerz statt Narrenkappe heißt es jetzt wieder für viele Karnevalsflüchtlinge aus den närrischen Hochburgen in Köln, Düsseldorf und Mainz. Die niedersächsische Küste hat sich nach dem Winterschlaf auf die erste kleine Saison des Jahres eingestellt. Nach Norderney und Juist etwa werden Sonderfähren eingesetzt, und auch in Küstenorten wie Neuharlingersiel oder Varel-Dangast (Kreis Friesland) wird deutlich stärker nach Unterkünften gefragt. „Auf der Flucht vor dem rheinländischen Ausnahmezustand suchen Gäste vor allem Ruhe und Entspannung“, sagt Katja Benke von der Tourismusgesellschaft „Die Nordsee“, zuständig für die gesamte niedersächsische Nordseeküste inklusive der ostfriesischen Inseln.

Ruhe und Entspannung suchen in diesen Tagen auch Petra und Michael Skörup aus der Nähe von Bremerhaven, die gerade einen Kurzurlaub im Landhotel Friesland in Varel-Obenstrohe machen. Dort stehen schon in diesen Tagen einige Autos mit nordrhein-westfälischen Kennzeichen auf dem Parkplatz. Weitere Gäste aus dem Rheinland, unter ihnen mutmaßlich zahlreiche Karnevalsflüchtlinge, folgen nach Angaben einer Hotelmitarbeiterin am Wochenende.

Das Ehepaar Skörup, sie ist 53, er 54 Jahre alt, hat Verständnis für das Reißaus vor dem närrischen Trubel. „Wenn wir in Köln, Düsseldorf oder Mainz wohnen würden, würden wir auch abhauen“, sagt das Ehepaar und liefert die Begründung prompt nach. „Wir machen uns halt nicht gern zum Clown“, sagt sie und er legt nach: „Das ist Spaß mit Ansage, und ich mag nicht auf Kommando lustig sein. Ich feiere die Feste lieber wie sie fallen, die spontanen Partys sind meist eh die Besten.“

Einige Kilometer weiter im Dangaster Quellbad hockt derweil der technische Leiter Henry Niebling in der Röhrenrutsche und bringt mit einem beißend riechenden Glasfaser-Polyester-Gemisch die Dehnungsfugen in Ordnung. „Die haben beim letzten Sturm fix einen abgekriegt“, murmelt Niebling hinter seiner Atemschutzmaske. Lange von der Arbeit abhalten lassen kann er sich nicht. Erstens muss die teure Paste schnell verarbeitet werden, bevor sie eintrocknet, und zweitens soll das Bad am Sonnabend, 1. März, wenn die Karnevalsmuffel erwartet werden, wieder öffnen.

Und nicht nur das Quellbad Dangast, auch die Geschäfte, die Gastronomiebetriebe, die Hotels und die Reedereien richten sich auf einen Ansturm ein für das kommende Wochenende, an dem in der Region auch in Ganderkesee (Landkreis Oldenburg), in Lastrup und Bühren (beide Landkreis Cloppenburg) und selbst in der Küstenstadt Varel (Landkreis Friesland) bunte Karnevalsumzüge durch die Straßen ziehen.

„Der Katamaran von Emden nach Borkum beendet am Freitag eigens seine Winterpause, und nach Norderney werden zusätzliche Fähren eingesetzt, dort erwarten wir bis zu 5000 Wochenendgäste“, sagt Katja Benke, Sprecherin der Tourismusgesellschaft „Die Nordsee“.

Beziffern lasse sich die Gesamtzahl derjenigen, die vor dem Karneval an die Nordsee flüchten, indes nicht. „Aber es ist merklich spürbar, das belegen uns die Rückmeldungen über Auslastungen, die wir von den Kurverwaltungen bekommen“, betont Benke. Viele machten ihre Entscheidungen über einen Kurztrip an die Küste auch spontan vom Wetter abhängig. „Darauf sind wir eingestellt, die Aussichten sind ja ganz gut“, sagt die Tourismus-Expertin.

Für das Wochenende bereits fast ausgebucht ist das Hotel Upstalsboom am Strand in Horumersiel-Schillig (Landkreis Friesland). „Wir verfügen über 70 Zimmer, mehr als die Hälfte davon ist am Wochenende von Gästen reserviert, die dem närrischen Treiben nichts abgewinnen können und lieber zu uns an die Küste kommen“, schätzt Betriebsassistent Lars Oltmanns. „So profitieren auch wir vom Karneval“, schmunzelt der 46-Jährige.

Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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