• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

LITERATUR: Kleine Raupe entpuppt sich als genial

14.03.2009

OLDENBURG 1968. Viktor Christen ist Lektor im Oldenburger Verlagshaus Stalling und verfolgt einen ehrgeizigen Plan: Er will Bilderbücher veröffentlichen, die gleichzeitig Spielzeug und Sachbuch sind. Für Kleinkinder eine Bücherwelt schaffen, die voller Spannung ist, die Raum für Fantasie und eigene Erkundungen lässt – so die Idealvorstellung. „Ich wollte etwas anderes machen als schnödes bedrucktes Papier.“

Christen macht sich auf die Suche nach kreativen Talenten. Er klappert verschiedene Kunstakademien ab, spricht mit Professoren. Vergebens. Und dann der entscheidende Tipp: In New York soll ein gewisser Eric Carle gerade an einem neuen Werk arbeiten. Christen schreibt ihm einen Brief – und entdeckt damit den Autor, der unzähligen Jungen und Mädchen in Deutschland und auf der ganzen Welt „Die kleine Raupe Nimmersatt“ beschert hat.

Eric Carle hatte damals gerade gelangweilt seinen Job in der Werbebranche hingeworfen, um freiberuflich als Grafiker und Illustrator zu arbeiten. „Wir passten mit unseren Vorstellungen ideal zusammen“, sagt Viktor Christen, der von Carles Arbeit sofort begeistert war.

Am 19. März 1969 erscheint „Die kleine Raupe Nimmersatt“ bei Stalling in Oldenburg. Gedruckt wurde das Buch in Japan. Die Händler reagierten zunächst zögerlich. „Sie konnten das Besondere nicht nachvollziehen“, erinnert sich Christen. Die ungewöhnliche Gestaltung mit den Stanzungen und verkürzten Seiten verunsicherte den Handel. Erst einmal in den Buchläden angekommen, waren aber schnell die ersten Exemplare vergriffen. Die Kinder wurden magisch angezogen von den bunten Illustrationen, den Löchern in den Seiten, durch die sie hindurch auf die nächste Seite linsen oder den kleinen Finger stecken konnten. Es wurden weitere Exemplare nachgeordert.

Die Raupe wurde ein Star und wie viele weitere Carle-Bücher in ganz Europa von Christen vermarktet: „Ich wollte die kleine Raupe sogar in der DDR verkaufen, aber da war nichts zu machen.“

Einige Jahre später lernt Christen Carle endlich persönlich kennen. Man trifft sich zum „Brainstorming“ auf Spiekeroog. „Carle war ein eigenwilliger Typ. Er wollte immer möglichst wenig Text. Einige Bücher kommen sogar ganz ohne aus“, sagt Christen. Der heute 76-Jährige ist bei den meisten Titeln der Übersetzer der Texte, teils – wie bei „Die kleine Maus sucht einen Freund“ – sogar selbst der Autor.

Die beiden Männer schwimmen immer auf derselben Welle. Aus der reinen Geschäftsbeziehung wird schnell ein vertrauensvolles Verhältnis. Christens Kinder wachsen mit Carles Büchern auf. Carle selbst suchte und fand in seinen Büchern, was ihm in der eigenen Kindheit verwehrt blieb: Unbeschwertheit.

Carle hasste als Kind die Schule, die von Strenge und Verboten bestimmt war. Lernen war für ihn nie mit Freude, sondern nur mit Pflicht und Zwang verbunden. Deshalb die Botschaft: Lernen kann auch Spielen sein. Seine Bücher sollten Kindern den Übergang vom behüteten Elternhaus zum nüchternen Schulalltag erleichtern. Deshalb ist auch Carles „Die kleine Raupe Nimmersatt“ halb Sachbuch, das kindgerecht Informationen vermittelt und so die Wissbegierde weckt, und halb Spielzeug. Aber auch die Gefühlswelt transportiert Carle auf seinen tierischen Hauptdarsteller: Die Bauchschmerzen nach der Fressorgie der Raupe sind nur allzu menschlich.

Nachdem der Stalling-Verlag in Oldenburg 1984 Insolvenz anmelden musste, ging Carle mit seinen Arbeiten zum Gerstenberg Verlag in Hildesheim. Dort arbeitete auch Viktor Christen, der Stalling schon vor einigen Jahren verlassen hatte. Der Erfolg der Raupe blieb ungebrochen. Noch bis Mitte der 90er Jahre betreute Christen den amerikanischen Autor und Illustrator.

40 Jahre nach der Geburt der Raupe. Die Faszination ist ungebrochen: „Die kleine Raupe Nimmersatt“ wird in Kindergärten als Theaterstück aufgeführt, die grüne Raupe mit dem feuerroten Kopf wird aus Pappmache gebastelt, und die Kinder lernen spielerisch, wie aus einer dicken Raupe ein wunderschöner Schmetterling entsteht.

Anja Biewald Redakteurin / Lokalredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2117
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.