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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Krimi um Helgoländer Steinkistengrab geht gut aus

28.08.2014

Helgoland /Berlin Jörg Andres ist von Natur aus ein freundlicher Mensch. Wer ihm dieser Tage allerdings auf seiner geliebten Insel Helgoland begegnet, dem wird auffallen, dass sein Markenzeichen, das Lächeln, noch etwas breiter geworden ist. Und das ausgerechnet wegen eines Grabes! Wer den 57-Jährigen deswegen für einen verschrobenen Insulaner hält, der irrt jedoch gewaltig. Denn Andres freut sich lediglich darüber, dass ein Krimi einen guten Ausgang genommen hat.

An diesem Sonnabend wird auf dem Gelände des Helgoländer Museums offiziell ein Steinkistengrab eingeweiht, das nach mehr als 120 Jahren an den Ort zurückgekehrt ist, von dem es stammt: von Deutschlands einziger Hochseeinsel. Vier Jahre lang hat Jörg Andres, der das Inselmuseum leitet, mit Ausdauer dieses ehrgeizige Projekt verfolgt. Denn immerhin handelt es sich bei dem Steinkistengrab um „das einzig erhalten gebliebene Zeugnis über die frühe Besiedlung der Insel“.

Im Jahr 2010 wurde der Museumsleiter auf das Steinkistengrab aufmerksam, das eine Förderin des Museums im Neuen Museum in Berlin entdeckt hatte. „Ich war überrascht und zugleich elektrisiert“, berichtet Andres. „Und ich dachte sofort: Das wäre doch eigentlich ein Exponat für uns.“

Jörg Andres begann zu recherchieren, auch andere halfen, die Geschichte des Steinkistengrabes zu rekonstruieren. Das Ergebnis all dieser Nachforschungen: Der Wissenschaftler Dr. Otto Olshausen hatte das Steinkistengrab, das aus der früheren Bronzezeit stammt, 1893 ausgegraben. Olshausen war sich mit anderen Experten schnell einig, dass dieses Grab im großen Berlin präsentiert werden muss. So wurde der Fund 1896 der Sammlung des Königlichen Museums für Völkerkunde einverleibt.

Einweihung mit „Amüseum“

Die offizielle Einweihung des nachgebildeten Steinkistengrabes beginnt an diesem Sonnabend um 15 Uhr auf dem Freigelände des Museums auf Helgoland.

Nach einer Begrüßung durch Museumsleiter Jörg Andres spricht Dr. Alix Hänsel, stellvertretende Direktorin des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin.

Im Anschluss an diese Einweihung wird zum „Amüseum“ auf dem Museumsgelände eingeladen. Von 18 bis etwa 22 Uhr können alle Gäste bei Musik und Unterhaltung feiern.

Helgoland ist für Kurzentschlossene am Sonnabend mit dem Schiff von Bremerhaven, Cuxhaven und Wilhelmshaven sowie mit dem Flugzeug von Bremerhaven zu erreichen (Verbindungen sind witterungsabhängig). Informationen gibt es bei der Kurverwaltung unter Telefon  04725/81430 sowie im Internet unter

   

Das Museum auf der Hochseeinsel Helgoland präsentiert die Geschichte der Insel sowie aktuelle Sonderausstellungen. Geöffnet ist es täglich von 10 bis 14.30 Uhr

Mehr Infos unter

   www.helgoland.de

Mehr Infos unterwww.museum-helgoland.de

Über den weiteren Verbleib des Steinkistengrabes ist nichts bekannt. Erst 1921 taucht es im Lichthof des Martin-Gropius-Baus wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde es verschüttet; 1960 wurde es gefunden – wurde aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als das Grab von Helgoland angesehen, weil man glaubte, dass dieses in den Kriegswirren verloren gegangen sei. Stattdessen wurde es als Steinkistengrab aus der Jungsteinzeit im Park des Schlosses Charlottenburg präsentiert.

Im Jahr 2008 wurde für den Umzug auf die Museumsinsel in Berlin die Firma Opus Denkmalpflege mit der Bergung der Fragmente des Steinkistengrabes beauftragt. Die Fachleute erkannten, dass dieses Grab mit einem veränderten Grundriss aufgestellt war – sie fanden nicht verwendete Platten im Fundament. Daraufhin begannen die Restauratoren, die Platten und Passstellen zu untersuchen, sie analysierten das Material und setzten schließlich die „Steinkistengrab“-Puzzleteile wieder richtig zusammen.

Die Fachleute von Opus waren es auch, die nun die Nachbildung des Steinkistengrabes angefertigt haben – aus einem speziellen Beton, der den Originalteilen nachempfunden ist. Bewusst wurde diese Replik ebenso gestaltet wie das – nur in Teilen erhalten gebliebene – 2 mal 2,5 Meter große Original. Trotzdem hat das Projekt rund 80.000 Euro verschlungen. Finanziert wurde es von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein, durch private Spenden und den Museumsförderverein sowie durch über die Jahre zurückgelegte eingenommene Gelder.

„Mir war klar, dass wir das Original nicht wiederbekommen würden. Aber auch die Nachbildung wird für die Insel und seine Besucher eine außerordentliche Bereicherung“, sagt Jörg Andres – und lächelt.

Torsten Wewer
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2322

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