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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

„Maria 2.0“ hat bundesweit Wellen geschlagen

18.05.2019

Münster /Vechta Sie bereiten die Kinder auf die Erstkommunion vor, schmücken die Kirchen und planen das Gemeindefest. In vielen Gemeinden in der katholischen Kirche geht angesichts schwindender Mitgliederzahl ohne Frauen oft kaum mehr etwas. Viel zu sagen aber haben sie in der männerdominierten Kirche neben Priestern und Bischöfen nicht. Bei einer Gruppe in Münster war jetzt das Fass übergelaufen. Nach dem Missbrauchsskandal und der seit Jahrzehnten erfolglosen Forderung, die Weiheämter auch für Frauen zu öffnen, hatte die 15-köpfige Gruppe die Idee, in den Streik zu treten: eine Woche (11. bis 18. Mai) nicht im Ehrenamt helfen und draußen eigene Gottesdienste feiern. Die Alternative? Der Austritt aus der Kirche, das wollten die Frauen nicht – vorerst. Dem vorausgegangen war die bundesweite Aktion „MachtLicht­ An“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Ende 2018.

Auszug aus der Kirche?

Die Idee zu „Maria 2.0“ aus Münster schlug Wellen. Bundesweit – und auch in Österreich, der Schweiz und in den USA – schlossen sich Gruppen an. Unumstritten ist der Streik nicht. Nicht nur von den deutschen Bischöfen kam Kritik, es gab auch Austrittsankündigungen von Mitgliedern von kfd und KDFB, dem Katholischen Deutschen Frauenbund. Insgesamt fiel die Beteiligung an der Aktion – zumindest nach Einschätzung einiger Bistümer – in Bayern bislang geringer aus als im Norden, Westen und Südwesten der Republik. Auf NWZ-Nachfrage beim Offizialat Vechta bzw. dem Bischöflich Münsterschen Offizialat hieß es, dass es hier keine Streitaktivitäten gegeben habe. Die Benediktinerinnen in der Abtei Dinklage hatten hingegen zu einem Gebet für die Initiative „Maria 2.0“ eingeladen.

Agnes Wuckelt ist stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd. In der „Frankfurter Rundschau“ bezeichnete die Theologin den Kirchenstreik zu „Maria 2.0“ als letzten Weckruf von Frauen, die sagen: „Ich kann in dieser Kirche nur bleiben unter der Bedingung von Gleichberechtigung.“ Frauen nehmen es nach ihrer Meinung nicht mehr hin, dass die Kirche der einzige Raum sein soll, in dem sie mit ihrem Einsatz und ihren Kompetenzen am Ende immer in der Rolle der Nachrangigen und Nachgeordneten bleiben, abhängig von geweihten Männern. Sollte dieser Weckruf ungehört verhallen, sagt Wuckelt einen lautlosen Auszug aus der Kirche voraus. Und zwar „in Scharen.“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kritisierte den Streik. „Ich kann die Ungeduld vieler Frauen verstehen. Ich sage aber offen, dass ich diese Streikaufrufe, diese Streikaktionen nicht für hilfreich halte“, sagte Ackermann der dpa. Die deutschen Bischöfe hätten sich zu einem „synodalen Weg“ – also zu einem Dialog mit Laien und Experten auch über „Frauen und Amt“ – bereiterklärt. „Das hat eine neue Qualität, dass wir in einer offenen Form so miteinander direkt sprechen.“ Dazu brauche man jedoch „auch vertrauensbildende Maßnahmen“. Da sei dieser Streik „eher kontraproduktiv“.

Ackermann zeigte sich offen für Frauen als Diakoninnen, sofern sich zeige, dass es in der frühen Geschichte der Kirche schon das Diakonat der Frau gegeben habe. Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche gesagt, eine Expertenkommission sei in der Frage, ob Diakoninnen in der Urkirche auch sakramentale Ämter hatten, „ohne klares Ergebnis“ geblieben. Deswegen müsse diese Frage von der Kommission weiter untersucht werden.

Kopfschütteln

Andrea Voß-Frick, Mitinitiatorin der Gruppe aus Münster, kann die Sprüche der Bischöfe nicht mehr hören. „Wenn die Menschen diese Zitate hören, können sie nur noch mit dem Kopf schütteln“, sagt Voß-Frick. „Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, und wir müssen gesprächsbereit sein? Wir reden seit Jahrzehnten, und wann soll denn dieser richtige Zeitpunkt sein?“, fragt die Münsteranerin.

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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