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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Nordenhamer Paar feiert Kronjuwelenhochzeit

18.04.2012

NORDENHAM Ihre wasserblauen Augen glänzen wie ihr Satin-Oberteil. Der blaue Samtrock berührt den Boden nicht, weil die Braut hohe Schuhe trägt. Die Braut, das ist Luise Kobs. Sie ist 96 Jahre alt und steht vor der Blexer Kirche im Sonnenschein. Neben ihr steht Kurt Kobs, er ist 99 Jahre alt und ihr Ehemann seit 75 Jahren. Er hat sich auch herausgeputzt – Anzug, Fliege, Ansteckblume. Vor einem dreiviertel Jahrhundert stand das Paar schon einmal hier, vor der St. Hippolyt-Kirche in Blexen. Das war am Tag seiner Trauung, dem 17. April 1937. Luise war damals 21 Jahre alt.

Wer sieht, wie Luise Kobs mit einem riesigen Lachen im Gesicht vor der Blexer Kirche steht und Sätze sagt wie: „Das muss uns erst mal einer nachmachen“, kann sich kaum vorstellen, dass sie am Tage ihrer Hochzeit vor 75 Jahren glücklicher gewesen sein könnte als am Dienstag dieser Woche, dem Tag ihrer Kronjuwelenhochzeit.

Blumenmädchen dabei

Am Eingang der Kirche gibt Kurt Kobs seinen Gehstock ab. Sie wollen es aus eigener Kraft schaffen, den Einmarsch in die Kirche, den Weg über den orangeroten Teppich bis nach vorn zum Altar. Rund 90 Gäste, Familienmitglieder und Freunde der Kobs sind gekommen. Im Alter von 96 und 99 Jahren einen so großen Bekannten-, Familien- und Freundeskreis zu haben, das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber sie sind alle da, um zu sehen, wie die Eheleute Kobs noch einmal in die Kirche einziehen. Wie vor 75 Jahren.

Daran erinnert sich auch Renate Klint. Sie sitzt zusammen mit ihrem Mann in der ersten Reihe. Bei der Hochzeit war Renate Klint eines der Blumenmädchen. Damals war sie sechs Jahre alt. „Ich trug ein blaues Kleid, das sehr aufwendig mit Smoke-Effekten gearbeitet war“, erinnert sie sich. „Das hat mich wirklich hochgehoben, dieses Kleid. Es war ein tolles Erlebnis.“ Nach der Trauung in der St. Hippolyt-Kirche 1937 war die Hochzeitsgesellschaft in den Garten der Kobs umgezogen, um dort zu feiern. „Die Sonne schien und wir Kinder haben im Garten gespielt und herumgetobt“, sagt Klint.

Auf den Tag genau 75 Jahre später scheint wieder die Sonne und Renate Klint ist wieder in der Kirche. Aber diesmal streut sie keine Blumen. „Wäre ich besser zu Fuß, würde ich das heute auch wieder machen“, versichert sie und sagt kurz darauf: „Man sieht auf diesen Feiern immer dieselben Gesichter.“ Ihr Mann bestätigt das. „Das ist genau wie bei der Diamantenen Hochzeit der beiden. Da waren wir auch.“

Die meisten Gäste kennen sich untereinander. „Nordenham ist ein Dorf“, meint auch Hille Martens. Sie ist mit dem Ehepaar befreundet und eines der vier Blumenmädchen bei der Zeremonie der Kronjuwelenhochzeit. Die Gäste kommen aber nicht allein aus der Wesermarsch. Denn Luise und Kurt Kobs sind seit mehr als 40 Jahren Schlaraffen – das bedeutet, Kurt Kobs ist Mitglied im Männerbund Schlaraffia. Mit vielen Freunden hatte Kobs 1971 in Nordenham die Sippung Castelum Butjentum gegründet. „Schlaraffen gibt es auf der ganzen Welt“, erklärt Peter Schmorl. Er selbst ist ein Schlaraffenfreund des Bräutigams.

Schmorl ist aus Stade zur Kronjuwelenhochzeit angereist. „Es sind viele Ritter heute hier“, sagt er, ein Mann mit weißem Bart und weißen Haaren, einem weißen Schal und einer beeindruckenden Baritonstimme. „Deswegen ist das hier auch nicht die Feier von Kurt Kobs, sondern die von Ritter Kerbholz“, sagt Schmorl. Später wird er noch singen, auf der Empore.

Als Luise und Kurt Kobs am Altar ankommen, erwarten sie dort zwei Stühle, auf denen das Brautpaar Platz nimmt. „Wir können uns heute nur verwundert die Augen reiben“, sagte Pastor Hartwig Dede. „Man kann sich so etwas nicht vornehmen.“ Nein, das kann man nicht.

Pastor spricht den Segen

Natürlich hatten die beiden es nicht immer leicht. 1946 war ihr schwerstes Jahr. Luise Kobs brachte eine Tochter zur Welt, Brigitte, die wenig später an Diphtherie starb. Im selben Jahr erkrankte Kurt Kobs schwer. Bis 1952 blieb er arbeitslos. Bis dahin war Kobs erst beim damaligen Weserflug-Werk tätig und später beim Flugzeugwerk in Lemwerder. Er hatte einen lebensgefährlichen Beruf: Kobs flog mit bei der Erprobung fertiggestellter Sturzkampfbomber. Von 1952 an war er dann erst bei den Norddeutschen Seekabelwerken, später wieder beim Flugzeugbau.

Seine Frau Luise eröffnete 1950 ein elegantes Modegeschäft, den „Moderaum Kobs“, in Nordenham. Das Geschäft führte sie erfolgreich bis 1986. Dann ging sie in den Ruhestand. Luise Kobs war 70 Jahre alt. Und 26 Jahre später genießt sie immer noch das Leben Seite an Seite mit ihrem Mann.

So sitzt sie nun neben ihrem Kurt vor dem Altar und Pastor Dede trägt den Spruch vor, zu dem sie vor 75 Jahren geheiratet haben. Schließlich will er noch den Segen für das Paar sprechen und bittet die beiden zum Altar. Etwas Hilfe brauchen sie schon, um aufzustehen.

Es ist ihre letzte Jubelhochzeit. Nach der Kronjuwelenhochzeit gibt es kein weiteres Datum, das gefeiert wird. Das ist Luise und Kurt Kobs aber egal. Sie freuen sich, dass so viele Gäste nicht nur zur Zeremonie, sondern auch zur Feier mit in den Burgsaal der Friedeburg gekommen sind. Während es mit Glückwünschen überhäuft wird, sieht das Paar so fröhlich aus, als hätte es seine ganze Ehe noch vor sich.

Und die gute Stimmung ist nicht bloß gespielt. „Wir haben uns nie etwas vorgemacht“, versichert die Braut. „Wir haben einfach zufrieden gelebt. Ich glaube, das ist das Geheimnis“, sagt sie.

NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.nwzonline.de/nwztv

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Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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Schlaraffia | Weserflug

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