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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Geschichte: Nordeuropäische EU vor 500 Jahren

21.05.2011

Bis vor etwa 500 Jahren gab es einmal in Norddeutschland – bzw. Nordeuropa – die Chance für das Entstehen einer Union oder Bundes, das dem von Rom her bestimmten „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ ein Gegengewicht oder besser: eine Alternative hätte bieten können. Und das nicht nur auf politischem, sondern auch auf kulturellem und vor allem sprachlichem Gebiet. Im 14. und 15. Jahrhundert erstreckte sich der wirtschaftliche und auch politische Machtbereich des Hansebundes von Brügge und der Zuidersee über die norddeutsche Tiefebene mit Schwerpunkten am Niederrhein, Köln, Westfalen, Bremen, Braunschweig, Hildesheim, Göttingen, Goslar, Hamburg, Magdeburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Pommern, Danzig, Elbing bis hin zum Finnischen Meerbusen und den aufstrebenden Städten Riga, Dorpat, Reval und Nowgorod.

Nordeuropäischer Bund

Lübeck bildete in dieser Zeit die mächtige Hauptstadt der Hanse, welche schon seit dem 12. Jh. von London aus Handelsverkehr in Nord- und Ostsee – den damaligen Hauptmeeren der Alten Welt – betrieben hatte. Trotz des Schwerpunktes in Norddeutschland war die Hanse eigentlich schon ein nordeuropäischer, über-nationaler Bund, der schon an den nördlichen Teil der heutigen EU erinnert. Und wenn die EU-Kommission heute fordert, dass alle Europäer in Zukunft drei Sprachen beherrschen sollen (Standardsprache, Regionalsprache oder Dialekt und eine beliebige Fremdsprache), dann gehört das klar zum Erbe der vielsprachigen Hanse.

Und

von Lübeck ging auch über 150 Jahre lang der Versuch aus, mit der mittelniederdeutschen Sprache eine nordeuropäische Standardsprache durchzusetzen, welche die vielen mittelniederdeutschen Dialekte vom englischen Kanal bis zum Gebiet de Deutschen Ordens weit im Osten vereinheitlichen sollte. Die Eckpunkte dieser internationalen „Hansesprache“ auf niederdeutscher Grundlage lagen bei den Kontoren in Brügge, Bergen, London und Nowgorod. Sie waren allerdings hauptsächlich auf den geschäftlichen, schriftlichen und mündlichen Verkehr konzentriert. Lei-

der haben die „Pfeffersäcke“ der Hanse es also versäumt, sich in der Literatur, Kunst und Kultur auch einen Namen zu machen. Münzen waren wichtiger als Gedichte, Heringe und Koggen interessanter als Romane und Theaterspiele. In Lübeck erschien ja erst 500 Jahre nach der Hanse ein Welt-Roman: die „Buddenbrooks“.

Damit konnte sich nach dem Ausbleiben der Heringe in der Ostsee und der Verschiebung der Weltwirtschaft von Nord- und Ostsee auf Übersee der von Rom beherrschte religiöse und antike Einfluss wieder fest etablieren. Das geschah im Zuge der Renaissance und der Gegenreformation im 16. Jahrhundert über das tausendjährige Christentum und die zweitausendjährige lateinische Sprache. Die antirömische Reformation war auch in Nordeuropa wesentlich erfolgreicher als im Süden, auch im Süden des mittelalterlichen Deutschen Kaiserreiches, das ja sogar noch bis 1803 auf dem Papier existierte. Auch der Reformator und Romkritiker Martin Luther war kein Nieder- sondern ein Mitteldeutscher, der sich bei seiner epochemachenden Bibelübersetzung auf das Hochdeutsche der Kanzlei von Meißen stützte. Es hat immerhin mehrere niederdeutsche Bibelübersetzungen sogar vor Luther gegeben, auch schon Ende des 15. Jh. Die bedeutendste war die von dem Pommern Bugenhagen. Aber auch Bugenhagen stand persönlich und sprachlich im Schatten von Luther.

Grundlage für Gesetze

Immerhin erschien das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters im Jahre 1220/24 auf Mittelniederdeutsch: Der berühmte Sachsenspiegel von Eike von Repgow „Spegel der Sassen“. In seiner Vorrede berichtet Eike, dass er das Buch zunächst

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