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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Ex-Bischof radelt bald in Rotterdam

02.12.2017

Oldenburg Wie konnte das passieren? Nicht nur in der evangelischen Kirche im Oldenburger Land, sondern auch darüber hinaus rätseln die Menschen, was den Bischof Jan Janssen bewogen hat, auf sein Amt zu verzichten und künftig wieder als Pfarrer zu arbeiten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Jan Janssen seine Beweggründe, spricht über seine Gefühle nach dem Rücktritt und seine neuen Aufgaben.

Es geht nach Rotterdam. Dort wird der 54-jährige Theologe Seemannspastor. Das bedeutet Betreuung und Seelsorge für Seeleute, Mitwirkung an internationalen Gottesdiensten und Kontakte zur deutschen Gemeinde vor Ort. Die Erwartungen sind geprägt von Vorfreude und Neugier, aber auch Respekt vor den neuen Herausforderungen.

Wie es zu den Wechselgedanken gekommen ist? – Nach knapp zehn Jahren im Amt eine kritische Bilanz zu ziehen, gehöre einfach zur Verantwortung des Amtes: „Für den Sommer hatte ich mir vorgenommen, mach dir mal ein paar Gedanken dazu.“ Diese „Freiheit zum Gedankenspiel“ empfiehlt er auch anderen als wirksames Mittel gegen das Erstarren in den gewohnten Bahnen.

In diese Phase des Nachdenkens (gern auf dem Fahrrad) tauchte die Möglichkeit der Seemannsseelsorge in Rotterdam auf. Eine Stelle, in der Janssens Vater mal ein Praktikum absolvierte, ehe er später Pastor im friesischen Sengwarden wurde.

Beirut und Kiew waren zwei andere Orte, über die er eine Weile nachdachte. In mehreren vertraulichen Gesprächen mit seiner Frau und guten Freunden wuchs dann die Rotterdam-Idee, die nun auch verwirklicht werden soll.

Finanziell bedeutet der Schritt, dass der ehemalige Bischof für drei Monate weiterhin seine Bezüge (B 5 / 8621,42 Euro Grundgehalt) bekommt und dann seine Ruhestandszahlungen erhält – verrechnet mit dem Gehalt des Rotterdamer Seemannspastors.

Zur Vorbereitung auf die neue Aufgabe gehört auch, die bereits vorhandenen niederländischen und englischen Sprachkenntnisse auszubauen – etwas, auf das sich Janssen, der gerne mit Sprache spielt, schon freut.

Und der Blick zurück? – „Ich schaue auf wunderbare Jahre zurück. Natürlich war nicht alles leicht und es hat schwere Momente gegeben – aber die Balance hat gestimmt.“ Die Art und Weise, wie sein dienstliches Umfeld auf die Rücktrittsnachricht reagiert habe, sei für ihn wie ein kleines Erntedankfest gewesen: „Ich fühle mich gut getragen und freue mich, dass es uns gelungen ist, ein gutes Miteinander zu entwickeln.“

Die Oldenburger Art, auch an komplexen Fragen gemeinsam und nicht im Alleingang zu arbeiten und die „Rufweite zu den Pastoren“, sei etwas gewesen, um das ihn andere beneidet hätten.

Wie groß gelegentlich die Last war? – Nun ja, manchmal habe er schon tüchtig durchatmen müssen, aber wichtig sei doch, „dass wir trotz der komplexen Prozesse gut miteinander unterwegs sind – auch ein Zeichen von Stärke“.

Was ihm besonders wichtig war? – Dass er anlässlich des Reformationsjubiläums die „lutherische Ur-Entdeckung der Freiheit“ erlebt habe – auch bei einem gemeinsamen Besuch mit seinem katholischen Amtsbruder Weihbischof Wilfried Theising in Wittenberg. Eine so intensive Ökumene sei vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen.

Besondere Höhepunkte? – Jan Janssen überlegt und kommt zu dem Ergebnis, dass es bei den etwa 1000 Veranstaltungen, an denen er teilnahm, eine Fülle kleiner Höhepunkte gegeben habe. Das sei eine Art Früchtesammeln gewesen: „Da gibt es keine Höhepunkte, sondern Rhythmen.“

Was er seiner Nachfolgerin oder Nachfolger mit auf den Weg geben will? – Jedenfalls eine herzliche Einladung! Die Aufgabe in Oldenburg könne er „freien Herzens“ empfehlen.

Er selbst werde natürlich einiges vermissen („von den vertrauten Radwegen bis zu den schönen Kirchen, von der Buchhandlung bis zum Bäcker“), halte sich aber mit der Bewertung der eigenen Arbeit zurück: „Das sollen andere machen.“

Seinen Weg in die Zukunft gehe er mit seinem Konfirmationsspruch „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.“ Dies Wort helfe nicht nur, ohne Scheu vorzugehen, sondern es stecke auch die Christus-Botschaft darin: „Fürchte dich nicht.“