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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

„Käfer-Micha“ kennt sie (fast) alle

21.03.2019

Oldenburg Nanu? Was sind denn das für drei gelbe Punkte zwischen den Augen der Gemeinen Wespe? Die dürften wohl noch niemandem aufgefallen sein, wenn er – womöglich im Sommer, draußen bei Kaffee und Kuchen sitzend – Besuch von den in der Regel als lästig empfundenen Insekten bekommt.

War in der vergangenen Sonderausstellung zu sehen: die Gemeine Wespe, fotografiert von Michael Demanowski Bild: Ziegeler

Doch er kennt sie ganz genau, diese sogenannten Ocellen, angeordnet in einem Dreieck zwischen den beiden Facettenaugen, die der Wespe zur Orientierung dienen: Michael Demanowski, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg.

Er ist derjenige, der für die vergangene Sonderausstellung „Unseren Insekten ganz nah“ 19 beeindruckende, großformatige Detailaufnahmen erstellt hat – und zwar in einem sehr aufwendigen Verfahren. Bis zu 100 Einzelbilder hat der 29-Jährige mit Hilfe eines Stereomikroskops von jedem der 19 Insekten angefertigt. Als er dann jedes Detail gestochen scharf eingefangen hatte, fügte er das Ganze zu einem einzigen Bild zusammen. Unter diesen Insekten waren vor allem welche aus dem Weser-Ems-Gebiet; etwa der Schlehen-Bürstenspinner (eine Nachtfalterart), der Buchdrucker (ein Borkenkäfer) oder der Feld-Sandlaufkäfer.

Der grün schillernde Feld-Sandlaufkäfer unter dem Stereomikroskop Bild: Ziegeler

Wer sich so akribisch mit diesen Tieren beschäftigt, der muss schon von ihnen begeistert sein, oder nicht? „Die Faszination war schon immer da“, erzählt der gebürtige Potsdamer. Schon als Kind interessierte er sich für die Tarnung sowie die Entwicklungs- und Schlupftechniken der Käfer. Auch während seines Master-Studiums „Landnutzung und Wasserbewirtschaftung“ in Cottbus führten ihn Projekte zu den Insekten.

Faible für Laufkäfer

Insbesondere die Laufkäfer haben es dem Museumsmitarbeiter angetan. „Das ist eine große Käferfamilie“, erklärt er. In Mitteleuropa gebe es etwa 770 Arten, in Deutschland 520. Woher der Laufkäfer seinen Namen hat? „Weil er sehr schlank ist und ausgeprägte dünne Laufbeine hat. Das sind flinke Jäger“, so Demanowski.

Es freut ihn, dass er die Ausstellungsbesucher mit seinen detailreichen Fotos hat sensibilisieren können. Schließlich sehe man die alltäglichen Insekten eher als Störenfriede, aber wie schade es doch um all die Details wäre, zerträte man das kleine Insekt einfach. Demanowskis Lieblingskäfer aus der Region ist der Feld-Sandlaufkäfer: „Das sind sehr farbenfrohe Tiere, sie schillern schön grün. Sie jagen zu Fuß und die Mundwerkzeuge sind recht ausgeprägt.“

Über 300 000 Insekten umfasst die Sammlung des Museums, zwei Drittel davon sind Käfer. Allein die Kerstens-Sammlung umfasst 70 000 regionale Käfer. Dann wäre da noch die Hautflügler-Sammlung von H. Weiffenbach, die etwa 31 000 Tiere umfasst, hauptsächlich Pflanzenwespen aber auch Wildbienen. Insbesondere Kleinschmetterlinge umfasst die etwa 30 000 Tiere starke Sammlung von Oswald Tiedemann. Nur ein kleiner Teil der Insekten ist immer wieder mal im Rahmen von Sonderausstellungen zu sehen, aktuell zum Beispiel bei „Erzähl mir vom Tier“. Die anderen Insekten werden derzeit inventarisiert, das heißt, sie werden bestimmt, bekommen eine Inventarnummer und werden in die Datenbank übertragen. Sie zu bestimmen, sei manchmal sehr schwer, so Demanowski, der von seinen Freunden auch mal scherzhaft „Käfer-Micha“ genannt wird. „Man muss geduldig sein, es ist viel Frust dabei“, sagt er, „manchmal sitzt man eine Stunde an einem Käfer, die Gattung ist sehr schnell klar, aber die Art herauszufinden – das ist ’ne Hausnummer.“

Unterwegs im Freien

Kay Fuhrmann färbt mit der Airbrushpistole einen Kernbeißer neu ein. Bild: Ziegeler

Ebenfalls für Inventur und Datenbank, aber auch für die Präparation ist Kay Fuhrmann zuständig. Im ganzen Weser-Ems-Gebiet ist er unterwegs, um Flora und Fauna zu kartieren – oder um gezielt Lücken in der Sammlung zu schließen. „Ich bin Naturkundler durch und durch“, sagt er über sich selbst. Sein Schwerpunkt sind Libellen und Heuschrecken. „Das Museum wurde 1836 gegründet“, erklärt Fuhrmann, „diese Tiere wurden damals noch gar nicht gesammelt.“ Doch es geht nicht nur ums Sammeln, sondern auch um den Wissensschatz: Schließlich können die Erkenntnisse über das Vorkommen der Tiere beispielsweise bei Bauprojekten wie Autobahnen herangezogen werden. Rausgehen in die Natur – das liebt Fuhrmann. Und das Ausschau halten nach den Insekten gefällt ihm deshalb so gut, „weil man noch was Tolles finden kann, ohne dass hundert andere es schon entdeckt haben.“

Lesen Sie mehr über das NWZ-Insektenjahr in unserem Online-Spezial.


     www.naturundmensch.de 
Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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