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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Wie das neue „Boot“ in See sticht

24.11.2018

Oldenburg /München Gleich zu Anfang schwimmen altes und neues „Boot“ im selben Fahrwasser. Da ist es wieder, das U-Boot auf hoher See, die kernigen Gesichter im Ausguck, friedliche Delfine daneben, so schön, so friedlich kann U-Boot-Fahren sein.

Wissenswertes zur neuen „Boot“-Serie

Lothar-Günther Buchheim, Autor des Bestsellers „Das Boot“, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. „Das Boot“ war Buchheims größter literarischer Erfolg (1973), die Verfilmung war der bisher größte filmische Erfolg der Bavaria (1981).

Der neue TV-Achtteil er „Das Boot“ wurde erneut von der Bavaria produziert. Die Serie mit Produktionskosten von 26,5 Millionen Euro ist seit Freitag auf dem Bezahlsender Sky 1 HD und auf Abruf komplett über Sky Ticket und Sky Go zu sehen. Parallel dazu strahlt Sky am Montag, 26. November, ab 20.15 Uhr eine Spiegel-TV-Doku zum U-Boot-Krieg im Atlantik aus.

Und dann der Einbruch des Schrecklichen, Krieg, ein Flieger, dann Zerstörer, Alarm und wiederum die aus Wolfgang Petersens „Das Boot“ bekannten Bilder: Starre Angstblicke nach oben, der heisere Funker aus seinem Schapp, Wasserbomben, der Kommandant mit Flüsterbefehlen. Im Abtauchen des U-Bootes der neuen Staffel taucht der alte Filmmythos wieder auf. Doch nur für einen Moment, denn das Boot wird versenkt, aus und vorbei. Es ist die eindeutige Botschaft an den Zuschauer: Das alte „Boot“ ist Filmgeschichte, es beginnt ein neuer Stoff: In anderer Zeit ( Herbst 1942), mit anderen Handlungssträngen und Gesichtern.

Kommandant gegen Wachoffizier

Und tatsächlich nimmt einen die neue TV-Serie sofort mit. Da ist der Kommandant von U 612 – mitfühlsam, nachdenklich, ruhig, skeptisch und gebildet gezeichnet. Sein Kontrapart ist der 1. Wachoffizier (1. WO), strammer Soldat, ohne Empathie, kompromisslos und voller Endsiegpathos. Von der ersten Sekunde an ist klar, dass hier eine giftige Konkurrenz besteht, die kein gutes Ende nehmen kann.

Parallel ist da die Gestapo-Übersetzerin, die mehr und mehr in den Dunstkreis des französischen Widerstandes, der Resistance, gerät. Das Verbindungsglied von ihr zum Boot ist ihr Bruder, der als Funker an Bord von U 612 kommandiert ist und der im Stützpunkt für den französischen Widerstand arbeitet.

Diese zwei Haupt-Handlungsstränge, verbunden mit vielen kleinen Nebensträngen auf See und zu Land, entreißen den neuen „Boot“-Stoff vollständig dem Fokus der engen Bootsröhre, die Wolfgang Petersens Film „Das Boot“ dominierte. Dennoch werden Kenner des Klassikers ihre Freude an den kleinen Erinnerungen an das alte „Boot“ haben, mit denen sich Regisseur Andreas Prochaska vor Wolfgang Petersen verbeugt. Zum Beispiel, indem die klassische „Boot“-Melodie Klaus Doldingers jede Staffelepisode dezent einleitet. Oder indem ein französischer Chanson, mit dem sich einst Jürgen Prochnow als der „Alte“ in sein Kommandanten-Schapp zurückzog, nun eine wilde Etablissement-Szene untermalt. Als U 612 einen Geleitzug sichtet, scheint der Dialog auf der Brücke dem alten „Boot“ förmlich heraus geschnitten: „Sehen Sie Sicherungsfahrzeuge? Verdammt hell!“

Buchheims Geschichte nährt den Mythos

Seinen Anfang nahm der „Boot“-Stoff vor genau 77 Jahren im Spätherbst 1941. Der Kriegsberichter Lothar-Günther Buchheim begleitete U 96 auf dessen 7. Feindfahrt. Die wahre Geschichte dieser Feindfahrt hat die NWZ mit dem Abdruck der Tagebücher des damaligen Leitenden Ingenieurs Friedrich Grade exklusiv dokumentiert und kommentiert.

Die wahre Geschichte von U 96 im Sonderdruck

Letzter Augenzeuge der 7. Feindfahrt von U 96 im Herbst 1941 ist der damalige Leitende Ingenieur (LI) Friedrich Grade mit Wurzeln in Oldenburg. Sein Tagebuch hat die NWZ in einer Serie veröffentlich. Alle Beiträge dieser Serie finden Sie in dem NWZ-Sonderdruck „Die wahre Geschichte von U 96“. Er kostet für NWZ-Abonnenten 7,50 Euro (alle anderen zahlen 9,60 Euro) und ist erhältlich in den NWZ-Geschäftsstellen sowie im Internet unter:

    www.nwzshop.de

Was von Buchheim dazu veröffentlicht wurde, diente indes der Propaganda. Die sechs Wochen an Bord von U 96 wurden zur Grundlage seines Ende 1943 veröffentlichten Propaganda-Buches „Jäger im Weltmeer“. In seinem Welterfolg „Das Boot“ bezog Buchheim wiederum die im Wandel befindliche gesellschaftliche Sichtweise der frühen 1970er-Jahre ein, die sich vor allem in der Kriminalisierung des Befehlshabers der U-Boote (BdU), Karl Dönitz, manifestierte. Buchheim verdiente an dieser neuen Richtung ebenso, wie ihn im Krieg die alte Propaganda zum wohlhabenden Mann gemacht hatte.

Wolfgang Petersens Kultfilm „Das Boot“ umklammerte dann sowohl den Kriegs- als auch Nachkriegsaspekt. Als „Action“-Film bediente er das Hurra des Krieges und wurde in den Kritiken auch durchweg als Kriegsfilm interpretiert. Mit der Zerstörung des Bootes bei Rückkehr wiederum bediente er den gewandelten Nachkriegs-Blick auf die Sinnlosigkeit des Krieges.

„Das Boot“ als politischer Stoff

Die neue Staffel „Das Boot“ tritt in dieses traditionelle Wesensmerkmal des „Boot“- Stoffes, mehr politischer als historisch faktischer Stoff zu sein. Das wird spätestens in der vierten Folge deutlich. U 612 ist darin zu einem Spezialauftrag befohlen, bei dem ein gefangener Engländer in geheimer Mission gegen einen deutschen U-Boots-Kapitän ausgetauscht werden soll. „Krieg ist der größte Wirtschaftsfaktor schlechthin“, sagt der Engländer, „mit Krieg macht man Geld und Geld macht den Krieg!“

Mit dieser für eine Unterhaltungs-Serie überraschend politischen Note führt das neue „Boot“ in die Gegenwart, emanzipiert sich endgültig von seinem Vorgänger. Indem der Wandel in der Ansicht des Krieges der Wesenskern des „Das Boot“-Stoffes Lothar-Günther Buchheims war, kann die gleichnamige neue, sehenswerte Staffel mit Fug und Recht als seine letzte Ausfahrt bezeichnet werden.

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