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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Neuauflage: Rassisch verfolgt, vertrieben und vernichtet

24.02.2020

Oldenburg Sie durften nicht mehr am Kulturleben teilnehmen, wurden aus Vereinen ausgeschlossen, verloren ihre wirtschaftliche Existenz: Die etwa 370 Juden, die 1933, zum Zeitpunkt der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten, in Oldenburg lebten. 200 wanderten aus, 15 überlebten im KZ oder in „privilegierter“ Ehe (wenn ein Ehepartner Christ war), rund 140 wurden ermordet, wurden Opfer des Völkermords an den Juden.

Die Geschichte der jüdischen Bürger im Oldenburger Land ist vor allem seit den 80er Jahren Thema von Buchveröffentlichungen gewesen. So erschienen eine Reihe von Chroniken über die Juden in Wildeshausen, Delmenhorst, Jever oder Oldenburg sowie eine Dokumentation über die jüdischen Friedhöfe des Oldenburger Landes. Über die „Oldenburger Judenschaft“ hatte der ehemalige Landesrabbiner Leo Trepp ein Buch veröffentlicht (1973). Und 1988 erschien in diesem Kontext „Juden in Oldenburg 1930-1938“ von Dieter Goertz. Der Pädagoge, Jahrgang 1941, hatte eine wissenschaftliche Arbeit über diesen Abschnitt der Geschichte vorgelegt, die im Heinz-Holzberg-Verlag erschienen war. Goertz schilderte die soziografischen Hintergründe, den Antisemitismus im Oldenburger Land und die Verfolgung der Juden ab 1933 – von den Boykotten jüdischer Geschäfte über die Rassengesetze bis zur Pogromnacht vom 9. November 1938. Seine Arbeit ergänzte er um zahlreiche Familienfotos und Dokumente der Verfolgung. Dadurch erhielten die Verfolgten Gesichter. Goertz’ Buch war bald vergriffen, es gab eine zweite Auflage im Isensee Verlag (der Holzbergs Verlagsprogramm übernommen hatte), die ebenfalls bald vergriffen war. Jetzt ist das Buch mit Unterstützung der Oldenburgischen Landschaft in dritter Auflage erschienen.

Die Oldenburgische Landschaft sehe sich in besonderer Verantwortung, Flagge zu zeigen und dieses Buchprojekt zu unterstützen, sagte Dr. Uwe Meiners, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, bei der Buchvorstellung. Es gehe erneut darum, Toleranz für Menschen zu zeigen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Weitere Förderer der Neuauflage sind die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Stadt Oldenburg. „Es war uns und den anderen Förderern ein wichtiges Anliegen, dass dieses Standardwerk, Dokumentation und Warnung in einem, wieder erhältlich ist“, sagte Meiners.

Autor Goertz ist in Ofenerdiek aufgewachsen. Nach dem Studium und Referendariat unterrichtete er von 1971 bis 1979 in Buenos Aires an einer deutschen Schule. Die hatte zu einem sehr großen Teil Schüler jüdischer Abstammung. So entstand Goertz’ Interesse an der jüdischen Geschichte, die er in den Folgejahren am Beispiel Oldenburgs erarbeitete. Goertz ist auch Mitorganisator der Erinnerungsgänge gewesen, mit denen seit 1982 an die Verfolgung und Entrechtung der Oldenburger Juden erinnert wird. Am 10. November 1938 wurden die männlichen Juden Oldenburgs verhaftet und von der Polizeikaserne am Pferdemarkt zum Gerichtsgefängnis durch die Stadt gerieben. Besonders ergreifend sei die Teilnahme des ehemaligen Landesrabbiners Leo Trepp (1913 bis 2010) am Erinnerungsgang im Jahr 1988 gewesen, sagte Elke Heger, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Die Jüdische Gemeinde Oldenburg hält es für „wichtig, die Gedenkkultur aufrecht zu halten, auch in Bezug auf den Erhalt der Demokratie und angesichts des besorgniserregenden Zustands der bürgerlichen Parteien“, sagte die Vorsitzende, Dr. Elisabeth Schlesinger. Sie rief dazu auf, das Projekt 1700 Jahre Judentum in Deutschland zu fördern, das im kommenden Jahr gefeiert wird. Geplant sei von der Jüdischen Gemeinde ein Buch über den alten jüdischen Friedhof in Oldenburg (Dedestraße), „wir wollen aber auch auf die jüngere Geschichte fokussieren“ und das jüdische Leben in der Jetztzeit darstellen.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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