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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Mit dem Röntgenblick in die Geschichte

03.09.2019

Oldenburg Ganz unscheinbar liegt der längliche Metallklumpen da. Der Laie würde es wohl ansehen und beiseite legen – doch unter der rostbraunen Eisenkruste verbirgt sich ein Geheimnis.

Gelüftet wird dieses durch modernste Technik – und zwar mit einem speziellen Röntgengerät. „Hier sieht man sehr gut das Fischgrätenmuster von der Bearbeitung des Stahls“, sagt Dr. Ursula Warnke, Direktorin des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg, und zeigt auf das Röntgenbild. Klar erkennbar sei die Damaszierung der Klinge, die vielen verschiedenen Schichten im Metall. Kein Eisenklumpen also, sondern Jahrtausende alte Schmiedekunst.

Stücke untersucht

Die Klinge ist eines von über 250 archäologischen Fundstücken aus dem Gräberfeld Schortens, welche ein Expertenteam des TÜV Nord kürzlich im Landesmuseum untersuchte. Unter der Leitung von Dr. Frank Meissner, Leiter Reaktortechnik und Strahlenschutz des TÜV Nord, untersuchte das Team gemeinsam mit der Doktorandin Kara Schmidt von der Uni Münster jedes Stück akribisch. Die Ergebnisse werden als Teil von Schmidts Doktorarbeit untersucht.

Durch die jahrhundertelange Lagerung im eisenhaltigen Moorboden sind die Funde von einer dicken Schicht Eisen umhüllt. Diese zu durchbrechen, könnte das wertvolle Objekt im Innern beschädigen.

Die Vorteile der Röntgenanlage liegen für Stefanie Kappelhoff-Beckmann, Restauratorin am Landesmuseum, auf der Hand: „Die Fundstücke müssen nicht bewegt werden und sind auch keinen Temperatur- oder Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt.“ Das Röntgengerät deckt die Form und die Details auf, ohne dass man den Eisenmantel entfernen müsste. Praktisch ist auch, dass das Röntgengerät mobil ist und eingepackt in einen Kofferraum passt.

Auf eine spezielle Platte, die nur für Röntgenstrahlen empfindlich ist, werden die archäologischen Funde zunächst aufgelegt und nummeriert. Dann fertigt das Röntgengerät eine Aufnahme. Außerdem wird zusätzlich ein normales Foto geschossen. Der Zeitfaktor ist gering, denn das Röntgenbild ist digital und landet innerhalb von Sekunden auf dem Laptop.

Entstanden ist die Methodik im Rahmen des Projektes „Archäologie & Kunst“ beim TÜV Nord und wurde speziell für die Bedarfe von archäologischen Untersuchungen angepasst. Gefährlich werden die Strahlen übrigens nicht für die Forscher: „Es ist nur eine Sekunde, außerdem wird das Gerät von einem anderen Raum aus bedient“, so Meissner. Gefunden wurden auf dem Gräberfeld von Schortens etwa Gürtelschnallen, Schwerter, Schilde oder Reit-Sporen.

Manchmal lässt sich der Gegenstand schon anhand der Form erahnen – allerdings gibt es auch so manchen Überraschungsfund, wie Doktorandin Schmidt erzählt: „Ein recht unscheinbares Eisenfragment sah aus wie ein abgebrochener Keks – darunter verbarg sich aber ein wunderschöner Anhänger.“ Auch Dr. Frank Meissner ist begeistert von den Ergebnissen. Was da vorliege, sei „unser aller Vorgeschichte“.

Tausende Einzelfunde

Natürlich werden nicht alle Gegenstände des Gräberfeldes untersucht. Herausgefiltert hat sich Kara Schmidt besonders die wichtigsten und die, bei denen nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, um was es sich handelt. Insgesamt wurden nämlich allein in Schortens über 2500 Einzelfunde ausgegraben.

Mit Röntgenanlagen machen die Mitarbeiter des TÜV übrigens viele Spezialuntersuchungen. Auch Gemälde sind dabei. So kommt Frank Meissner nicht nur archäologischen Funden, sondern auch den großen Meistern ganz nah: „Unser letzter Termin war ein Picasso-Gemälde in Hamburg“, erzählt er.

Tonia Hysky Redakteurin / Newsdesk
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