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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Fotograf von Streetart-Künstler Banksy kommt in die Region

20.06.2019

Oldenburg Begegnet ist er ihm etliche Male. Diesem allgewärtigen Phantom, dem gefeierten Meister der Parodie und großartigen Gesellschaftskritiker.

Barry Cawston trinkt Cappuccino, blickt auf das glitzernde Huntewasser und schwärmt von einem, mit dem er nie persönlich gesprochen hat. Nah gekommen ist der britische Fotograf dem Street­artkünstler Banksy dennoch wie die wenigsten. Über Wochen dokumentierte er das von dem im Verborgenem lebenden Banksy im englischen Ferienort Weston-super-Mare erschaffene Dismaland – ein trister Anti-Vergnügungspark voller Hoffnungslosigkeit entlang der Promenade: Im Kinderkarussell ist ein Pferd an den Beinen aufgehängt, darunter ein Metzger mit gezückten Messern auf Kisten mit der Aufschrift „Lasagne“ sitzend. Schneewittchen ist tot. Die Welt ein Desaster.

Ein Teil dieser Bilder, 32 Aufnahmen, ist ab Oktober in Oldenburg zu sehen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Begegnungen 2019 – United Kingdom“ richtet die Stadt eine Outdoor-Ausstellung entlang des Stauufers aus. Vom Café Schwan aus betrachtet Barry Cawston am Mittwochmorgen seinen zukünftigen Schauraum. Noch tragen die Bäume Blätter und der Himmel ist wolkenlos. Keine passende Kulisse.

Dismaland war während der Aufbauarbeiten als Filmset getarnt und der Öffentlichkeit bis zur Eröffnung ebenso unbekannt wie Barry Caws­ton. Eigentlich habe er damals britische Küstenorte in all ihrer Verlorenheit fotografieren wollen. Auf einmal fand er sich in diesem von zeitgenössischen Künstlern konstruiertem Horror-Disney-Land wieder.

Kontakt durch Vermittler

Natürlich konnte Barry Cawston nicht anders, als Bilder von dem Banksy-Projekt zu machen. Seit er 1995 das erste Mal in East London ein Graffiti des sagenumwobenen Briten sah, verfolgt er Banksys Arbeiten. „Der Kontakt kam durch Vermittler zustande“, sagt Barry Cawston und leert seinen Cappuccino. Mitarbeiter Banksys hatten seine auf Instagram veröffentlichen Dismaland-Fotos gesehen.

Barry Cawstons Fähigkeit, das künstlerische Schreckensszenario – ferngesteuerte Flüchtlingsboote, gruselige Disney-Schlösser, ein Mini-Golfplatz mitten im Golfkrieg – nicht einfach nur zu knipsen, sondern ihnen eine eigene Bildsprache zu verleihen, machte ihn zu Banksys Verbündetem. Und offiziellem Fotografen.

Banksy in Oldenburg


Die Identität des britischen Banksy kennen nur Eingeweihte. Sein Werk ist seit Anfang der 1990er bekannt.


 Zu sehen ist Barry Caws­tons Ausstellung „Banksy’s Dismaland“ vom 27. Oktober bis 2. Dezember am Stau. Eröffnet wird die Schau um 12.30 Uhr im Beisein des Fotografen.

    www.instagram.com/banksy/?hl=de

Mehr zu den UK-Begegnungen: www.begegnungen2019.de

In der 2015 im Rahmen der fünfwöchigen Mixedmedia-Ausstellung entstandenen Serie stellt Barry Cawston fiktive Motive Dismalands realen Aufnahmen Weston-super-Mars gegenüber. Parodie und Realsatire prallen aufeinander, sind manchmal schwer zu unterscheiden. Da ist die Fotografie Banksys trauriger Unterwasserwelt auf der einen Seite – auf der anderen ein Bild aus einem echten Aquarium. „Ohne Fische.“ Barry Cawston lacht. Zum 50. Thronjubiläum der Queen fotografiert er ein Bild der Königin im Schaufenster, er spiegelt sich so in der Scheibe, dass sein Finger am Auslöser wie eine ausgestreckte Zunge der Monarchin aussieht. Der gebürtige Londoner schätzt den schwarzen Humor Banksys. Und er respektiert seinen Wunsch nach Anonymität. Je länger er sich mit ihm beschäftigt habe, desto mysteriöser sei er geworden. Die Frage, ob es sich bei diesem Meister, dessen Werke auf Auktionen sechsstellige Summen einbringen, um Mann, Frau oder mehrere Menschen handelt, langweilt ihn. „Ich schätze ein Typ“, sagt er schulterzuckend.

Geplant und durchdacht

Seine Augen fangen an zu leuchten, als er von Banksys Projekt, mit 30 illegalen Werken in 30 Tagen zum meistgesuchten Kriminellen New York Citys zu werden, erzählt. Vor vier Jahren hat Banksy ein Video aus dem Gazastreifen veröffentlicht: „In diesem Jahr können Sie ein neues Reiseziel entdecken.“ Einmal hat der Streetart-Künstler riesige, rote Ballons mit den Anfangsbuchstaben seines Namens aufsteigen lassen. Der Versuch der Polizei, die Störenfriede in den Kofferraum des Streifenwagens zu pferchen, hat er gefilmt und veröffentlicht. Alles ist geplant und durchdacht.

Banksy legt den Finger in die Wunde. Aber er heilt auch. „Er hat ein Werk geschaffen und nachts vor einem Obdachlosenheim abgestellt. Dort hat er dann angerufen und gesagt, sie sollen das Stück versteigern“, sagt Barry Cawston. Er ordert noch einen Cappuccino. Eine halbe Millionen Dollar hat diese Spende eingebracht. Auch der Fotograf hat mit dem Künstler über versteckte Botschaften kommuniziert. Ohne diese geheimnisvolle Aura, wären Banksys Schöpfungen nicht möglich, ist der Fotograf überzeugt. Mit Dismaland habe Banksy mitten im Brexit-Referendum eine Albtraumversion Großbritanniens erschaffen. Als hätte er geahnt, was passiert. Barry Cawston spricht von einer beängstigenden Zeit, die auf sein Heimatland zukommt. „Vielleicht verwandeln wir uns wirklich in einen dunklen Freizeitpark.“ Immer wieder zeigt Banksys Werk: Es gibt nichts, was es nicht gibt.

„Das wird keine bequeme Ausstellung“, sagt Bernd Hubel, der als Projektleiter der städtischen UK-Begegnungen am Vortag mit Barry Cawston am Stauufer Probebilder aufgehängt hat. Besonders hat es ihm die Gegenüberstellung einer Reklamesatire Banksys zum Zuckerkonsum des Nachwuchses und der Cawston-Fotografie zweier einsamer Teenager in einem Autoscooter angetan: „Die holprige Fahrt ins Leben.“

Zufällig sind die Parallelen nicht: Banksy, soviel ist bekannt, hat als Kind oft in Weston-super-Mare Urlaub gemacht. Vielleicht sind er und Barry Cawston sich damals über den Weg gelaufen. Oder beim Abschlussabend in Dismaland. Da gab es eine Party, auf der alle maskiert erschienen sind. Wie auch immer. Sein wahres Gesicht zeigt Banksy in seinen Arbeiten.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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