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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Viel Rummel im Nordwesten

03.08.2017

Oldenburger Land Wenn eine Mischung aus Bratwurst- und Zuckerwatten-Geruch in der Innenstadt hängt, Menschenmassen sich durch die Gassen schieben und auch bei einsetzender Dämmerung noch überall bunte Lichter blinken, dann ist Kirmes.

Eine Studie im Auftrag des Deutschen Schaustellerverbundes (DSB) kam 2012 zu der Erkenntnis, dass große Volksfeste an Besucherzahlen zulegen, kleinere es hingegen immer schwerer haben. Seit der Jahrtausendwende sei jedes vierte Volksfest verschwunden, vermutet der Präsident des DSB, Albert Ritter.

Die größten deutschen Volksfeste, darunter zum Beispiel die Cranger Kirmes in Herne (Nordrhein-Westfalen) und die Rheinkirmes in Düsseldorf, bekommen stetig mehr Zulauf. 2017 konnte die Großveranstaltung in Düsseldorf das Vorjahresniveau von 3,5 Millionen Besuchern sogar noch toppen.

Kleine Volksfeste werden hingegen für Schausteller immer weniger lukrativ. Dafür seien auch steigende Sicherheitsanforderungen verantwortlich. Kosten für Sicherheitsdienste, Absperrungen und andere Maßnahmen liegen für die Cranger Kirmes im sechsstelligen Bereich. „Wir arbeiten besonders eng mit der Polizei zusammen, damit sich jeder Besucher sicher fühlen kann“, sagt die Sicherheitsbeauftrage der Cranger Kirmes, Sabine Marek. Ist ein Fest kleiner, kostet das Standbetreiber mehr Geld, das sie nicht unbedingt wieder einnehmen.

Der Norden ist anders

Doch wie sieht es im Nordwesten aus?

„Im Oldenburger Land gibt es sehr viele, gut organisierte und gut etablierte Volksfeste. Hier wird viel und gerne gefeiert“, weiß Michael Hempen, 1. Vorsitzender des Oldenburger Schaustellerverbandes. Volksfeste funktionierten immer dann am besten, wenn sich die Bürger mit diesem identifizierten: „Für die Vechtaer gibt es zum Beispiel nur eine Zeit vor und nach dem Stoppelmarkt. Das ist in Fleisch und Blut übergegangen“, ergänzt Michael Hempen. Der Stoppelmarkt ist eine der größten Veranstaltungen im Norden und öffnet im August zum 719. Mal seine Tore. Auf dem 160 000 Quadratmeter großen Marktgelände bauen auch in diesem Jahr über 500 Schausteller ihre Geschäfte auf, mehr als 800 000 kommen jedes Jahr zur Vechtaer Attraktion.

Sogar Firmenchefs lassen am traditionellen Stoppelmarktmontag ihren Betrieb geschlossen. Überall in Vechta ist an diesem Tag schulfrei, wie man der Internetseite entnehmen kann. Hier hat es also eindeutig geklappt mit der Identifizierung.

Ebenso seit mehreren hundert Jahren ein Besuchermagnet ist der Rodenkircher Markt. Heutzutage ist er das größte und älteste Volksfest im Landkreis Wesermarsch. Das Oldenburger Pendant heißt Kramermarkt und lockt jährlich über eine Million Besucher auf das Areal neben der Weser-Ems-Halle. „Wenn Betreiber solcher Feste sich informieren und stetig weiter professionalisieren, werden sie auch weiterhin volle Märkte haben“, ist sich Michael Hempen sicher. Er muss jedoch zugeben, dass die ganz kleinen Stadtteil- oder Schützenfeste in Oldenburg teilweise aufgegeben haben. Früher habe zum Beispiel Eversten ein eigenes Stadtteilfest gehabt, ebenso Hundsmühlen. Die gebe es nicht mehr.

Identifikation ist wichtig

In Esens im Landkreis Wittmund aber werde das Fest der Schützencompagnie Esens eher größer statt kleiner. „In kleinen Orten wachsen Kinder mit diesen Feierlichkeiten auf, identifizieren sich mit ihnen und tragen sie wiederum fort an ihre Kinder. Selbst wenn Leute nach dem Schulabschluss eventuell eine Stadt verlassen, kommen sie häufig fürs alljährliche Fest zurück in die alte Heimat“, sagt Michael Hempen.

Die Bürger im Nordwesten halten wohl nichts von dem Abwärtstrend der Volksfeste. Hier haben sie Zukunft. Die Leute sind stolz auf ihre Wohnorte und lieben ihren Markt, ihre Kirmes und ihr Stadtfest. Albert Ritter ist zuversichtlich: „Solange die Leute auf menschliches Zusammensein Wert legen, wird die Kirmes nicht aussterben.“

Imke Harms
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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