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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Preis für die perfekte Welle

10.11.2015

Schillig /Oldenburg Ob die Auszeichnung gerechtfertigt ist? „Zu 100 Prozent“, sagt Pfarrer Lars Bratke. Der Bau inspiriere ihn auch nach drei Jahren jeden Tag aufs Neue. „Das Gebäude hat soviel eigene Sprache, dass ich immer noch damit arbeite“, sagt Pfarrer Bratke über „seine“ Kirche, die „Kirche am Meer“ in Schillig (Gemeinde Wangerland/Kreis Friesland). Für seine besondere Architektur wurde das Objekt am Montagabend mit dem OLB-Preis für Architektur und Ingenieurbau ausgezeichnet. Die Kölner Architekten Ilse und Ulrich Königs setzten sich unter mehr als 100 Bewerbern durch.

„Die katholische Gemeinde in Schillig und Umgebung ist zahlenmäßig viel zu klein für diese Kirche. Auf 170 Quadratkilometern leben nur rund 800 Katholiken. Trotzdem ist die Kirche Sonntag für Sonntag vor allem von April bis Oktober gut besucht. Denn Schillig ist eine touristische Attraktion. Dementsprechend nutzen die katholischen Touristen während ihres Aufenthalts die Kirche“, heißt es in der Begründung der Jury über den „stolzen, souveränen Kirchenneubau“.

Die Dorfbewohner fanden schnell Spitznamen für ihre neue Kirche: „Seelen-Abschussrampe“ sagen sie dazu, „Jesus’ Badelatschen“, „God’s Halfpipe“ oder „Die perfekte Welle“. Pfarrer Lars Bratke erinnert sie eher an „ein Schiff im Hinterland“.

Einig sind sich alle darin, dass diese Kirche am Wasser etwas ganz Besonderes ist. Das liegt nicht nur an ihrem jetzt preisgekrönten Aussehen, das nach dem Wunsch der Kölner Architekten Ilse und Ulrich Königs eine „metaphorische Interpretation von Wellen, Dünen und Meer“ zulassen soll. (Aus der Luft sieht die Königs-Kirche übrigens aus wie ein Kreuz.)

Das Besondere liegt vor allem darin, dass diese Kirche überhaupt gebaut worden ist: In einer Zeit, in der die Zahl der Katholiken alle zehn Jahre um rund zwei Millionen sinkt, hat man es zumeist mit Kirchenschließungen zu tun. Was übrigens gar nicht so einfach ist: Eine Kirche kann nicht einfach abgerissen werden; sie muss zuerst „profaniert“ werden, sie muss „der weltlichen Nutzung zugeführt werden“.

Profaniert hat Weihbischof Heinrich Timmerevers 2010 auch die 43 Jahre alte Marienkirche in Schillig. Sie war marode geworden, eine Sanierung lohnte nicht. Ein letzter Gottesdienst, Sicherstellung der Reliquien, das bischöfliche Siegel auf einem Dekret. Dann konnte die alte Marienkirche abgerissen werden, und der erste Kirchenneubau im Offizialatsbezirk Oldenburg seit 40 Jahren begann. Kosten: 4,7 Millionen Euro.

Der Bau gestaltete sich schwierig, nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Wellenformen. Größere Probleme bereiteten den Handwerkern die extremen Witterungsverhältnisse am Deich: Die Bauleiter vom Oldenburger Architekturbüro Göken + Henckel berichteten von umherfliegenden Dixi-Toiletten und Maurerkübeln, von meterhohen Eiszapfen. Rund 50 Handwerksfirmen wirkten mit, zum Teil unter größtem persönlichen Einsatz. Aber, sagt Bauleiter Wolfgang Göken: „So was baut man nur einmal im Leben.“

Alle 40 Jahre vielleicht? Wenn überhaupt: „Wir haben zu viel Raum für die Kirchenbesucher“, weiß man beim Bischöflichen Offizialat in Vechta, „das Thema Kirchenschließung wird uns beschäftigen.“

In Schillig brauchte man neuen Raum – für 100 Einwohner und bis zu einer halben Million Urlauber, die jährlich Ferien machen auf dem größten Campingplatz Deutschlands. Er liegt gleich hinter der Kirche, auf der anderen Seite des Deiches: Man kann sie sehen von dort, die perfekte Welle des Ehepaar Königs.

Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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