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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Tränen nach der Rücktrittserklärung

24.11.2017

Rastede Nur ganz wenige waren vollständig eingeweiht. Und doch herrschte eine ganz seltsame Stimmung im Evangelischen Bildungshaus Rastede, als am Donnerstag die Synode der evangelischen Kirche im Oldenburger Land ihre jährliche Herbsttagung ihre Arbeit aufnahm.

Bemühte Unbefangenheit signalisierten die einen, andere wechselten ahnungsvolle Blicke, denn irgendwie hatte sich doch etwas rumgesprochen, nur wusste man nicht so recht, was das Wichtige denn sei, dass da offenbar anstünde. Jan Janssen jedenfalls lächelte und begrüßte die Menschen um ihn herum wie immer und ließ keinen merken, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits kein Bischof mehr war.

Synodenpräsidentin Blütchen verkündet Entscheidung

Dann die erste Abweisung von der Normalität: Synodenpräsidentin Sabine Blütchen verließ ihren Platz und wechselte ans Rednerpult. Spätestens jetzt wussten die 60 Mitglieder des Kirchenparlaments, dass offenbar etwas Wichtiges mitzuteilen war. Sehr korrekt und penibel kündigte die Juristin an, dass sie nun einen „ergänzenden Bericht“ aus dem Gemeinsamen Kirchenausschuss vorlegen werde, der anschließend dann auch schriftlich verteilt würde.

Gleich danach die nüchterne Nachricht, die gleichwohl viele Emotionen freisetzte: „Bischof Janssen hat sich entschieden, nach gut neun Jahren in diesem anspruchsvollen und fordernden Leitungsamt die damit verbundene Verantwortung abzugeben.“ Als Begründung habe er erklärt, dass er „die Verantwortung für die Weiterführung des Amtes nicht mehr tragen zu können glaubt“.

Amtlich war der Rücktritt zu diesem Zeitpunkt schon längst. Am Tag zuvor hatte Jan Janssen der Synodenpräsidentin in seinem Dienstzimmer am Oldenburger Philosophenweg 1 eine entsprechende schriftliche Erklärung überreicht, die mit sofortiger Wirkung und unwiderruflich in Kraft tritt.

Evangelische Kirche im Oldenburger Land

Sie gehört zu den kleinen der 20 Gliedkirchen, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bilden.

Sie hat etwas weniger als eine halbe Million Mitglieder, ist aber vom allgemeinen kirchlichen Schrumpfungsprozess weniger als andere betroffen.

Organisatorisch gehören insgesamt 116 Gemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge im Norden und Dammer Berge im Süden des Oldenburger Landes dazu.

Geleitet wird die Oldenburgische Kirche durch den Bischof und das Oberkirchenratskollegium (OKR) sowie die aus 60 Theologen und Laien bestehende Synode.

Oberstes Organ ist die üblicherweise zweimal im Jahr tagende Synode. Zwischen den Synodentagungen entscheidet an ihrer Stelle der Gemeinsame Kirchenausschuss (GKA) aus OKR-Mitgliedern und Synodenvertretern.

Der Bischof führt den Vorsitz im GKA.

Sabine Blütchen war übrigens im kirchlichen Bereich diejenige, die als erste von Janssen in seine Überlegungen einbezogen wurde. Schon seine Vorüberlegungen, so der zurückgetretene Bischof später vor der Synode, habe er mit ihr geteilt. Gegenüber dieser Zeitung meinte Janssen, dass sich sein Entscheidungsprozess über mehrere Monate hingezogen habe. Dabei habe es parallel zwei Überlegungen gegeben: Zum einen der grundsätzliche Gedanke, eventuell nach knapp zehn Jahren Bischofsamt als 54-Jähriger noch einmal etwas anderes anzufangen. Das andere war die konkrete Herausforderung durch eine neue Aufgabe. Janssen in seiner persönlichen Erklärung: „Inzwischen erfuhr ich, dass in 2018 eine interessante Stelle außerhalb Oldenburgs frei wird.“

Dass er diese herausfordernde Aufgabe jetzt noch nicht benennen konnte, weil die letzte Entscheidung über die Besetzung noch nicht getroffen ist, wurde am Donnerstag von vielen als Schönheitsfehler angesehen.

Rätseln über Anlass

Das Rätselraten über die wirklichen Motive wäre dann vielleicht etwas leichter. Da es ja kein Geheimnis ist, dass veröffentlichte Gründe für Amtsniederlegungen in der Regel von weiteren – oft verschwiegenen – Motiven begleitet werden, gibt es natürlich auch in Kirchenkreisen Überlegungen, ob es denn vielleicht auch dienstliche Gründe geben könne, die Bischofsverantwortung vorzeitig abzugeben. Schließlich war auch sein Vorgänger Peter Krug ähnlich lange im Oldenburger Bischofsamt wie Jan Janssen als er vorzeitig in den Ruhestand wechselte.

Frustrationsähnliche Gefühle angesichts der riesigen Aufgabe, den kirchlichen Schrumpfungsprozess zu gestalten, dürften einem Bischof nicht fremd sein. Und das Schiff Kirche auch durch unruhiges Wasser zu steuern und auch bei ungünstigen Winden den Kurs zu halten, ist eine kräftezehrende Angelegenheit. Wer sich dann noch, wie Jan Janssen, auch im Bischofsamt als Pastor sieht, und außerdem schon als junger Mann an der Nordsee gelernt hat, dass Schreibtischarbeit nicht alles ist, mag beim Blick über das Meer vielleicht den Ruf zu neuen Aufgaben gespürt haben.

Respekt und Lob von Landesbischöfen

Während in der oldenburgischen Kirche jetzt die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Jan Janssen beginnt, hat der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister, Janssen Respekt für seinen Amtsverzicht ausgesprochen. Er bedauere den Rückzug persönlich sehr, sagte Meister in Hannover.

Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns würdigte Janssen als profilierte Stimme der evangelischen Kirche. „Er hat in den zehn Jahren seiner Amtszeit dem Protestantismus in Niedersachsen und darüber hinaus Stimme und Gewicht gegeben“, sagte Meyns.

„Heute mal wieder schwere See...“ So beginnt ein beliebtes Kirchenlied aus der Feder Jan Janssens. Es geht darin um die Widrigkeiten des Lebens und die Zuversicht und das Gottvertrauen als wichtige Lebensstützen. Diese persönliche Zuversicht hat der zurückgetretene Bischof vor der Synode in einem Bibelwort zusammengefasst: „Gott gab uns nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“