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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Autor liegt im Koma – sein Roman wird zum Bestseller

22.05.2015

Oldenburg Noch vor wenigen Wochen hätte Raja Caetano sich nicht träumen lassen, dass ihr Schicksal eine derart dramatische Wendung nimmt und sie und ihre Familie mittellos dastehen. Ihre Wohnung, mitten in der Oldenburger Innenstadt, wirkt gemütlich: Bunte Zeichnungen zieren die Wand in der lichtdurchfluteten Küche; nur etwas fehlt.

„Am 8. Mai, einen Tag vor Kais Geburtstag, fuhren wir ins Krankenhaus, da er sich seit Tagen immer schlechter fühlte“, erzählt Raja Caetano. Ihr Ehemann plagte sich seit Tagen mit einem grippalen Infekt herum. Daraufhin überredete sie ihn zu einer Untersuchung im Krankenhaus. Was dann folgte, ist für die Oldenburgerin immer noch schwer realisierbar: „Als wir im Krankenhaus ankamen, hatte mein Mann schon einen Puls von 170. Er wurde sofort auf die Intensivstation nach Westerstede gebracht.“

Dann der Schock: Mit nur 45 Jahren erleidet Kai-Eric Fitzner einen Schlaganfall und wird ins künstliche Koma versetzt. „Die Ärzte sagten mir, dass seine komplette linke Gehirnhälfte betroffen sei, und die rechte Körperhälfte gelähmt ist.“

Für die dreifache Mutter sowohl in emotionaler als auch in finanzieller Hinsicht eine Katastrophe. „Kai war gerade dabei, sich selbstständig zu machen. Ich bin mitten in meinem Zweitstudium, wir haben einige Kredite abzuzahlen, das heißt, unsere finanzielle Situation ist katastrophal, wir sind in keiner Weise abgesichert“, so Caetano. „Die Ärzte tun alles, was in ihrer Macht steht und sagen mir, dass ich jetzt unglaublich viel Geduld brauche.“

Jeden Tag besucht Raja Caetano nun ihren Mann im Krankenhaus. Dort gibt es auch ein Tagebuch, in das sich Freunde und Besucher eintragen können. „Die Krankengymnastin schreibt dort beispielsweise hinein, welche Übungen sie mit meinem Mann gemacht hat und auch ich schreibe jeden Tag ein wenig. Was passiert ist, wie er aussieht und was sich verändert hat. Wenn Kai wüsste, was in den letzten Tagen alles geschehen ist, wäre er sicherlich begeistert.“

Vor drei Tagen startete Raja Caetano einen Hilferuf über das Soziale Netzwerk Facebook. Auf dem Profil ihres Mannes wendete sie sich an Freunde und Bekannte. „Soziales Netzwerken war immer eines von Kais großen Themen, ich dachte mir, vielleicht kann uns das jetzt helfen.“

Vor seiner Selbstständigkeit vor knapp einem Jahr war Kai-Eric Fitzner bei einem Softwareunternehmen in Oldenburg tätig.

„Er ist arbeitsbedingt viel im Social Media-Bereich und in der Bloggerwelt unterwegs“, so seine Ehefrau. „Kai hat auch einen eigenen Blog und ist als Autor tätig.“

Vor etwa zehn Jahren entstand das Buch „Willkommen im Meer“. „Das hat er geschrieben, ein paar Jahre, nachdem wir nach Oldenburg gezogen waren – ein echter Oldenburg-Roman.“ Aber auch ein Buch über Humanismus, Kleinkinder, Globalisierung, Utopia und Marihuana. So verspricht es die Inhaltsangabe auf dem Buchdeckel.

Über Nacht auf Platz 1

„Ich will hier nicht auf die Tränendrüse drücken, ich möchte einfach, dass die Arbeit meines Mannes anerkannt und wertgeschätzt wird“, so Raja Caetano, die das Buchcover des Romans selbst gestaltet hat.

Mit einer Reaktion von derartigem Ausmaß hatte sie allerdings in keiner Weise gerechnet. In ihrem Aufruf via Facebook bat sie darum, das Buch „Willkommen im Meer“ auf Amazon zu kaufen und somit die Familie, deren Ernährer einer ungewissen Zukunft entgegenblickt, vor dem finanziellen Ruin zu bewahren.

Innerhalb kürzester Zeit schoss das Buch, das zuvor noch auf Platz 60 755 der Amazon-Bestsellerliste rangierte, auf Platz 1 und wurde somit über Nacht zum meistverkauften Buch im Versandhandel. Amazon selbst verzichtet auf die Erlöse.

„Ich kann das alles noch gar nicht richtig glauben“, sagt Caetano. „Nachdem der Berliner Verlag, der sich für das Buch interessierte, insolvent ging, entschied sich Kai dafür, das Buch im Selbstverlag zu vertreiben. Seither dümpelte der Verkauf so vor sich hin, an Einnahmen war nicht zu denken.“

Das ist jetzt anders: Fast 8000 Mal wurde der Aufruf von Raja Caetano bereits geteilt, 2000 „Gefällt mir“-Angaben und Platz 2 im Sozialen Netzwerk Twitter, eine unglaubliche Bilanz. Unter dem Stichwort #einBuchFuerKai nehmen zahlreiche Menschen Anteil an Kai-Eric Fitzners Schicksal und dem seiner Familie.

„Ich saß jetzt schon einige Male vor dem Computer und habe vor Rührung über die große Anteilnahme geweint“, so Raja Caetano. „Niemand weiß, wie es Kai gehen wird, wenn er aufwacht. Wir haben sehr große Angst um ihn und können nur das Beste hoffen.“

Julia Zube
Volontärin
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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