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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

15-jähriger dreht Kurzfilm in nur 99 Stunden

29.01.2019

Sandkrug /Ganderkesee Montagmittag, 10.25 Uhr. Ein Einfamilienhaus in Sandkrug. Es ist geschafft. Der Satz „Dein Film wurde erfolgreich hochgeladen“ erscheint auf dem Laptop von Lars Reinhardt. „Ich habe es erst einmal gar nicht realisiert, dass schon alles vorbei ist. Alles dreht sich um den Film – es ist wirklich total anstrengend.“

99 Stunden lang haben der 15-jährige Regisseur und Drehbuchautor, seine Mutter Sabine Knief und die Freunde Emma Höffmann (14), Espen Gehle (17), Cornelia Sandkuhl (44) und Maike Schneider (39) an einem 99 Sekunden langen Kurzfilm gearbeitet. Der Hintergrund: Gemeinsam hat das Team am Kurzfilm-Wettbewerb „99-Fire-Films-Award“ teilgenommen. Nun liegt es in der Hand der Jury, „The Flight“ zu bewerten.

Rückblick. Es ist kurz vor 10 Uhr am Donnerstagvormittag. „Wir haben generell eine ganze Menge Zeit. Die technische Umsetzung ist das eine, aber der Schlüsselpunkt ist eine richtig gute Story – da dürfen wir den Zeitplan ruhig mal weglassen“, schwört Lars Reinhardt, der die 9. Klasse der Liebfrauenschule in Oldenburg besucht, sein Team ein. „Wir müssen uns auf die Story fokussieren, sonst klappt alles nicht.“

Gebannt starren gleich fünf Augenpaare auf den Bildschirm eines Laptops, der auf dem Esszimmertisch steht. Um 10 Uhr ploppt eine neue E-Mail auf: „Create your own path – erzähl deine Geschichte“, liest Lars Reinhardt vor. Die Zeit läuft.

Brötchen, Käse, Wurst und Marmelade stehen bereit, doch an Essen ist in diesem Moment nicht zu denken. Das Brainstormen beginnt. Es geht wild durcheinander. „Wir brauchen coole Musik, ich sehe Fahrtwind, ein Mofa“, sagt Cornelia Sandkuhl. Sabine Knief weist auf die Möglichkeit eines Flughafens in der Nähe hin. „Gar keine dumme Idee“, meint Lars Reinhardt und betont erneut: „Wir brauchen eine Story.“ Er möchte keine 08/15-Geschichte.

Dann geht es doch recht schnell, gegen 11.30 Uhr steht der Plot: Ein kleiner Junge fährt neben einem Flugplatz Fahrrad, er träumt vom Fliegen. In der nächsten Szene ist er zehn Jahre älter und wieder beim Flugplatz – der Traum besteht noch immer. Doch als der Fluglehrer ihn mitnehmen will, bekommt er plötzlich Angst und läuft weg. Sein Großvater kommt mit seinem Auto vorbei und macht seinem Enkel neuen Mut, seine Träume zu verfolgen...

Lars Reinhardt wirkt zufrieden. „Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.“

Um 12.15 Uhr klingelt es an der Tür. Jochen Klein, Pilot und Fluglehrer beim Atlas Airfield in Ganderkesee, kommt herein – Sabine Knief hatte ihn zwischenzeitlich angerufen. Interessiert hört er sich die Handlung an. „Wir könnten am Freitag in die Luft kommen“, sagt er. „Ich würde eine Cessna empfehlen.“ Es gebe auch einen Flugsimulator. Alle sind begeistert – und aufgeregt. „Natürlich mache ich mit, das ist doch klar – ich träume von so etwas“, sagt der Pilot, dann muss er wieder los.

Nun fehlen die Schauspieler. Wieder wird durcheinander gesprochen. Ein wenig abseits sitzen Emma Hoffmann und Espen Gehle und feilen an der Ausarbeitung des Drehbuchs. Handys piepen.

Um 15.12 Uhr gibt es eine erste positive Meldung: Tillmann Merhardt, der den zwölften Jahrgang der Liebfrauenschule besucht, wird den alten Jungen spielen. Es folgen die weiteren Schauspieler: Über Freunde wird der fünfjährige Louis Lienemann aus Münster kontaktiert, der die Rolle des kleinen Jungen übernimmt, und mit Werner Sauerbrey ist auch ein Großvater gefunden.

Bereits am Nachmittag ist das Team zum ersten Mal für eine Stunde am Flugplatz in Ganderkesee, um die Örtlichkeiten anzuschauen. Auch Jungschauspieler Louis Lienemann ist vor Ort – alle sind sofort begeistert. Zurück in Sandkrug werden die Kameraeinstellungen genau geplant. Denn: „Es gibt immer nur einen Versuch, weil das Flugzeug nur einmal starten kann – Wiederholungen sind nicht möglich“, sagt Sabine Knief.

Am Abend wird noch eine zweite, geliehene Kamera bei Freunden in Oldenburg abgeholt. Außerdem bereitet das Team den Dreh am nächsten Tag vor. Akkus werden geladen und die Technik wird zusammengesucht: zwei Kameras, drei Objektive, eine Action-Kamera, ein Kamerastabilisator, ein externer Rekorder und Tonausrüstung.

Freitag, 5.30 Uhr. Sabine Knief steht in der Küche, um die Verpflegung vorzubereiten. Um 10.30 Uhr geht es am Flugplatz in Ganderkesee los, es ist bitterkalt. Eineinhalb Stunden lang werden zwei Szenen am Boden gedreht, dann geht es für 30 Minuten in die Luft. Sogar der Parallelflug funktioniert. Bis 16 Uhr sind alle Szenen im Freien gedreht – mit Tigerbalsam wird beim Weinen nachgeholfen.

Während einer kleinen Pause gibt es heißen Kakao zum Aufwärmen, danach steht der Dreh im Flugsimulator an. Im Schneesturm wird anschließend die geliehene Kamera zurückgebracht. Am Abend sichtet Lars Reinhardt das Material. „Ich habe mir den Dreh stressiger vorgestellt, aber es war alles gut durchdacht und wir haben alles an einem Tag abgedreht – es hat alles auf Anhieb funktioniert“, sagt der 15-Jährige. „Es hat mega Spaß gemacht – manchmal war es fast unwirklich, zum Beispiel als wir in der Luft gedreht haben.“

Bereits um 8 Uhr morgens geht es am Samstag weiter mit dem Rohschnitt und der Suche nach der richtigen Musik. Der 15-jährige Regisseur sitzt mit Kopfhörern vor mehreren großen Bildschirmen. Mittags werden einige Szenen mit Tillmann Merhardt nachvertont. Zum späten Nachmittag hin fehlen noch drei Szenen sowie der Explosionseffekt. Er soll so „realistisch wie möglich“ sein.

Um 3 Uhr am Sonntagmorgen ist der Rohschnitt fertig. Nun heißt es, den Film auf genau 99 Sekunden Länge kürzen. Nach knapp viereinhalb Stunden Schlaf geht es weiter. Erst um 19 Uhr ist der Schnitt fertig. Doch Lars Reinhardt ist unsicher und führt den Film unbeteiligten Nachbarn vor: Alle sind begeistert.

Doch an Aufatmen ist noch nicht zu denken: Nach einer kurzen Pause beginnt der Regisseur mit dem Grading, der Farbkorrektur – und sitzt erneut bis halb drei Uhr nachts vor den Bildschirmen. Nach einigen Stunden Schlaf folgen letzte Änderungen, dann ist der Streifen fertig, und Lars Reinhardt lädt den Film hoch. „Das nimmt viel Druck weg – der Stress war trotz allem immer da.“

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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