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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Zwischen Messgewand und Prüfung

17.04.2019

Stapelfeld /Wangerland /Oldenburg Die Uhr tickt. Wilfried Holtmann muss einen Sonntagsgottesdienst vorbereiten, bei dem es auch zwei Taufen geben soll. Dazu gehört: Er muss in dem Messbuch die für den Tag richtigen Gebete aufschlagen und in einem anderen Buch, dem Lektionar, die passende Lesung aus der Bibel finden. Dann schaut er in den Kleiderschrank und legt das aus vier Teilen bestehende Messgewand des Priesters aus. Ganz wichtig: Die Reihenfolge muss stimmen, damit der Priester es schnell anziehen kann. Das Taufbuch muss bereitgelegt werden, das Taufwasser bereitstehen.

Holtmann ist in einer Prüfungssituation. Der 52-Jährige arbeitet als Küster in der Oldenburger St. Willehad-Gemeinde und muss nun zeigen, dass er den Gottesdienst und die liturgischen Handlungen vorbereiten kann. Nach ein paar Minuten kommt sein Prüfer herein: Marc Röbel, Pfarrer und Leiter der Katholischen Akademie Stapelfeld bei Cloppenburg, nimmt die Prüfung ab und schaut sich an, ob Holtmann alles richtig gemacht hat. Beim Messgewand – alles in Ordnung. Die Vorbereitung am Taufbecken – auch hier stimmt alles.

Aber: Holtmann hat nicht das Vater Unser, das wichtigste Gebet der Christen, im Messbuch aufgeschlagen. „Ach so – das machen wir bei uns in der Gemeinde eigentlich nie“, sagt der Prüfling. Klar, das Vater Unser kennt jeder Christ und damit jeder Priester auswendig. Röbel hätte es dennoch gern herausgesucht gehabt. Unterm Strich aber ist er zufrieden: „Gut gemacht“, lobt er den angehenden Küster. Schwer sei die Prüfung nicht gewesen, sagt Holtmann: „Seit 2016 arbeite ich schon als Küster mit.“

Wichtiger Bestandteil

Die kleine Prüfungssituation zeigt, wie wichtig Küsterinnen und Küster für das Gemeindeleben sind. Wer glaubt, sie seien nur eine Art Hausmeister, die die Kirche auf- und zusperren, irrt. Sie müssen ein Verständnis haben vom Ablauf der Gottesdienste – der Liturgie – und von den theologischen Hintergründen. „Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Gemeindearbeit“, sagt Röbel. Nicht selten würden sie auch bei seelsorgerischen Belangen gefragt, wenn sich die Gläubigen noch unsicher sind, ob sie den Pastor ansprechen sollen.

13 Teilnehmer hat der diesjährige Küsterkurs an der Stapelfelder Akademie. Die Kurse bestehen aus theoretischen und praktischen Teilen. Dabei werden auch die Grundlagen der Kirche vermittelt. Was ist Kirche, welche Idee und welche Organisation steht dahinter. Und bevor ein Gottesdienst gefeiert werden kann, müsse erst geklärt werden, wer denn dieser Gott eigentlich ist, sagt Röbel. „Die Teilnehmer sollen die Dinge nicht nur funktional verstehen, sondern auch verstehen, was sie bedeuten.“

Im praktischen Teil besuchen die angehenden Küster auch einmal einen Goldschmied – schließlich müssen sie mit wertvollen liturgischen Geräten wie einem Messkelch umgehen. Auch Arbeitsschutz und Brandbekämpfung steht auf dem Stundenplan, sagt Bruder Thomas Abrell. Der Franziskanerpater betreut im Bistum Osnabrück die Küsterausbildung, die dort in der Heimvolkshochschule Haus Ohrbeck in Georgsmarienhütte angeboten wird. Ganz wichtig sei das Thema Prävention – schließlich müssen die Küster auch mit den Ministranten umgehen.

Die meisten Küster machen ihre Arbeit in den Gemeinden ehrenamtlich. Dennoch gibt es auch viele hauptamtliche Küster – diese benötigen einen Küsterkurs mit einer Abschlussprüfung. Küster müssen für die Kirche leben, am Samstagabend, am Sonntagmorgen, an Feiertagen – und das verlässlich und regelmäßig, erklärt Abrell. Solche Menschen zu finden, sei oft nicht leicht.

„Ich bin in der Kirche groß geworden“, sagt Gabi Wilhelm. Die 48-Jährige wird diesen Sommer die Stelle als hauptamtliche Küsterin in Wangerland im Landkreis Friesland antreten. Zuvor hatte sie sich in Stapelfeld ausbilden lassen. Schon ihre Mutter habe in der Kirche reinegemacht und sie habe als kleines Kind dabei geholfen, Kirchenbänke zu wienern, erzählt die gläubige Katholikin.

Gottesdienst am Strand

Schon länger habe sie Urlaubsvertretungen gemacht, sie wisse also, was auf sie zukomme, erzählt sie. Das direkt an der Küste gelegene Wangerland lebt vom Tourismus – sie müsse nicht nur im Gotteshaus, sondern auch am Strand Gottesdienste vorbereiten. Ihre Arbeitswoche sei sechs Tage lang. Aber: Durch ihre Arbeit fühle sie sich Gott näher. „Der Glaube spielt eine große Rolle in unserem Leben“, sagt sie.

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