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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Weltrekord In Ostfriesland: Suurhusens schiefer Superstar

07.04.2017

Suurhusen Gleich kippt er um. Zumindest sieht es so aus. Schon von der Autobahn kann man ihn sehen, wie er da an der Kirche hängt. Einen rechten Winkel sucht man an ihm vergebens. So schief wie er ist keiner. „Keine Sorge, der steht stabil“, sagt Kirchenführer Eilt Dirks zur Begrüßung.

Na gut, Dirks wird es wissen. Schließlich verbringt er seit zehn Jahren viel Zeit mit ihm, kennt ihn bis in den letzten Winkel und führt Jahr für Jahr Tausende Touristen durch ihn hindurch. Er ist der Star des Dorfes, er steht im Guinness-Buch der Rekorde, alle wollen ihn sehen: Den schiefen Turm. Denn er ist nicht nur irgend ein schiefer Turm, sondern der schiefste Turm der Welt – offiziell. Da kann Pisa einpacken.

„Pisa hat einen Neigungswinkel von 4,19 Grad. Unser Turm hat 5,19“, sagt Dirks. Klarer Sieg also für Suurhusen, das 1400-Einwohner-Dorf in Ostfriesland. Seit zehn Jahren steht der schiefe Turm im Guinness-Buch der Rekorde, die silberne Plakette hängt im Turm. Gleich neben einer Tafel mit Bildern der schiefen Türme aus Pisa und Bad Frankenhausen (Thüringen) – um noch einmal klarzustellen, wer hier der schiefste ist.

Diese drei Türme sind ganz schön schief. BILD: Greta Block
Diese drei Türme sind ganz schön schief. BILD: Greta Block

Hier läuft’s richtig schief

Der berühmteste schiefe Turm ist wahrscheinlich der von Pisa – dabei gibt es allein in Deutschland zwei Türme, die schiefer sind. Das zeigt sich am Neigungswinkel, der in Abhängigkeit von Höhe und Überhang des Turmes berechnet wird und angibt, wie weit sich der Turm aus der Senkrechten geneigt hat.

Suurhusen: Der Kirchturm ist 26 Meter hoch und hat einen Überhang von 2,47 – das entspricht einem Neigungswinkel von 5,2 Grad.

Bad Frankenhausen: Der Turm in Thüringen ist 53 Meter hoch und hat einen Neigungswinkel 4,9 Grad.

Pisa: Der schiefe Turm im italienischen Pisa landet nur auf Platz drei: Bei einer Höhe von 55 Metern beträgt der Neigungswinkel 4 Grad.

Was dem 1450 erbauten Turm heute zahlreiche Bewunderer und Suurhusen Tausende Besucher einbringt, war lange Jahre ein großes Problem. Bereits im Jahr 1885 wird am Turm der im 13. Jahrhundert erbauten Kirche ein Überhang festgestellt. 1925 sind es 1,13 Meter. Ein Jahr später wird der Dachreiter entfernt, um den Turm zu entlasten. Mit mäßigem Erfolg: Er wird schiefer und schiefer.

Aber warum eigentlich? „Unsere Kirche ist eine Warfkirche. Als sie gebaut wurde, kannte man noch keine Pfahlrammung oder ähnliches“, sagt Dirks. Es wurde einfach Sand aufgeschüttet und die Kirche darauf gebaut. Mit den Jahren sackte der Boden ab, natürlich unregelmäßig, und die Suurhuser konnten nur zusehen, wie ihr Kirchturm schiefer und schiefer wurde.

Bis es 1970 dann nicht mehr geht: 2,16 Meter Überhang, Reparatur zu teuer, die Kirche wird geschlossen. Die Orgel wird verkauft, die Fenster werden vernagelt. Die Kirche droht zu verfallen.

Doch das wollen die Suurhuser nicht zulassen: „Elf Rentner haben sich damals engagiert. Denen haben wir alles zu verdanken“, erzählt Dirks. Sie setzen sich für den Erhalt der Kirche und des Turms ein, sammeln Spenden. 1980 wird ein Gutachten erstellt, 1982 folgen endlich Taten: Acht Pfähle werden über zehn Meter tief in den Boden gerammt, das Fundament mit Beton ausgegossen. Mit einem Festgottesdienst wird die Kirche am 13. Oktober 1985 wieder eröffnet.

Doch der Turm ist noch nicht fertig: 2,39 Meter Überhang werden 1989 gemessen. Durch die Schiefe des Turms rutscht das Mauerwerk ab, Backsteine regnen auf die Erde. Ein Stahlkorsett wird um Dach und Giebel gelegt.

Noch mehr Bilder vom schiefen Turm und der Kirche in Suurhusen

Wenige Jahre später gibt es Entwarnung: Zwar ist der Turm noch ein bisschen schiefer geworden – Überhang 1996: 2,43 Meter – doch die letzten Messungen bestätigen, dass das weitere Absacken des Turms gestoppt ist. Seit dem 8. November 2007 ist es offiziell: Suurhusen hat den schiefsten Turm der Welt.

Und so wurde aus dem Makel eine Attraktion. Dirks ist als ehrenamtlicher Kirchenführer den Rummel um den Turm mittlerweile gewohnt. „Er ist auf jeden Fall ein Anziehungspunkt, sonst ist hier ja nicht viel los. Alle sind begeistert und gehen mit einem Lachen nach Hause.“ Auch bei Brautpaaren ist die Kirche beliebt: „Wenn man in so einer schiefen Kirche heiratet, kann die Ehe nicht schiefgehen“, sagt Dirks.Gäste aus aller Welt hat er schon durch den Turm geführt, vor allem aus Amerika. Drei bis vier Busladungen pro Tag: er und sein Kollege Tjabbo van Lessen sind vom 1. April bis 31. Oktober fast täglich bei Kirchenführungen im Einsatz.

Führungen durch die Kirche und den schiefen Turm finden dienstags, mittwochs, freitags und samstags von 9.30 bis 12 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr statt. Wer außerhalb dieser Zeiten eine Führung möchte, kann sich bei Eilt Dirks (Telefon  04925/1895) oder Tjabbo van Lessen (Telefon  04925/525) melden.

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
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