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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Urlaub nehmen vom Alltagstrott

06.04.2016

Im Nordwesten Mit den steigenden Temperaturen steigt auch bei vielen Musikliebhabern die Vorfreude auf die Open-Air-Saison. Die Begeisterung für Musikfestivals scheint ungebrochen. Auch im Nordwesten verzeichneten die großen Festivals Deichbrand und Hurricane in Cuxhaven und Scheeßel im vergangenen Jahr Besucherrekorde. Doch was ist es, was sie alle – ob Jung oder Alt –fasziniert? Die NWZ  war einen Sommer lang unterwegs auf den großen Festivals in ganz Deutschland und hat sich umgehört.

Tolle Atmosphäre

Dinkelsbühl in Süddeutschland – hier findet jedes Jahr das Metalfestival Summer Breeze (17. bis 20. August) statt. Die 20-jährige Kim Sonja Wohlfahrt aus Hannover ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. „Ich liebe einfach diese Atmosphäre“, so die Medienmanagement-Studentin. „Alle Leute sind super freundlich und hilfsbereit und stürzen auf dich zu, wenn du beim Tanzen in der Menge mal hinfällst.“ So wie ihr geht es vielen Besuchern. „Das Feeling, die Leute, die Atmosphäre, Musik ist eher zweitrangig“, sind sich Marina und Sebastian aus Hannover einig. „Hier macht man einfach Dinge, die man zu Hause nie machen würde, zum Beispiel im Einhornkostüm über den Platz rennen oder Lollis an fremde Menschen verteilen“, so die 24-jährige.

Dinge, die man zu Hause sonst nicht machen würde. Für viele ein Grund, dem Sommer und den damit verbundenen Festivals entgegenzufiebern. Doch während andere die Zeit mit Freunden genießen und ihre Lieblingsbands sehen, bekommen andere nicht allzu viel davon mit, was auf den Bühnen und um sie herum passiert.

Anne Geller ist eigentlich Krankenschwester und möchte nicht, dass ihr richtiger Name genannt wird. In ihrem Beruf muss sie Verantwortung übernehmen, einen klaren Kopf haben – auf Festivals kann sie alles um sich herum vergessen.

„Zwei bis drei im Jahr versuche ich schon mitzunehmen“, so die 25-Jährige. „Vieles ergibt sich auch spontan über Sonntagstickets oder kurzfristig verkaufte Karten. Ich bevorzuge kleine Festivals, wie die Fusion oder das Feel-Festival. Mit den richtigen Leuten ist es aber eigentlich überall schön. Man kann einfach ein paar unbeschwerte Stunden verbringen.“

Wie sie diese unbeschwerten Stunden genau verbringt, erzählt sie nicht. Nur ihre beste Freundin sagt ihr manchmal, sie solle doch weniger Drogen nehmen und dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hätte. Sind solche Festivalbesucher eher die Ausnahme oder doch die Regel?

Krasse Gegensätze

Cuxhaven in Niedersachsen – auf einem Campingstuhl zwischen offenen Ravioli- und Bierdosen schläft ein circa 25-jähriger Besucher auf dem Deichbrand-Festival (21. bis 24. Juli). Es ist 13 Uhr, die Sonne scheint. Er bekommt davon nichts mit und wird es wohl auch lange Zeit nicht.

„Ich denke nicht, dass es gerade Menschen in exponierten Berufen wie Ärzte oder Anwälte sind, die auf Festivals die Sau rauslassen“, so Andreas Henkel, Heilpraktiker für Psychotherapie mit einer Privatpraxis in Oldenburg. „Bei diesen Menschen sieht man nur einfach die Kontraste mehr, wenn sie sich gehen lassen. Generell sind wir ja oft schockiert, wenn wir uniformierten Menschen privat begegnen und dann feststellen, dass sie beispielsweise am ganzen Körper tätowiert sind. Das ist für den Betrachter dann immer befremdlich. ich würde aber nicht sagen, dass solche Leute den Großteil der Festivalbesucher ausmachen“, so der Psychotherapeut.

Also vielleicht doch nur eine Ausnahme. Doch nicht alle verbringen ihre Freizeit und ihren Jahresurlaub auf Festivals. Zahlreiche verdienen dort auch ihr Geld – ob an Fanartikel-Ständen, hinter einer Cocktailbar oder als Sicherheitspersonal. Auch sie haben Gründe, warum es sie immer wieder an diesen speziellen Arbeitsplatz zieht.

Auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel (24. bis 26. Juni) verkauft Thomas Jahn T-Shirts. Der Leipziger ist gut gelaunt, redet mit Besuchern, lächelt. „In meinem Leben habe ich bestimmt schon auf rund 30 Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz gearbeitet“, so der 31-Jährige. Der selbstständige Versicherungsmakler war jahrelang als Barmanager auf den großen und kleinen Musikveranstaltungen unterwegs. „Man trifft die unterschiedlichsten Leute, hört die unterschiedlichsten Bands. Ich glaube, ich werde mein ganzes Leben zu Festivals fahren, ob als Besucher oder zum Arbeiten“, so Thomas Jahn.

Wie ein Kurzurlaub

Auch Benjamin Hilleke aus Münster ist auf vielen Festivals unterwegs. Allerdings verkauft er keine T-Shirts oder Getränke, sondern steht mit seiner eigenen Band auf der Bühne. Er ist der Sänger der Melodic-Death-Metal-Gruppe Neaera. „Auf Festivals zu spielen ist immer super interessant“, so Hilleke. „Man weiß nie, was einen erwartet. Im Gegensatz zu Clubshows kommen ja nicht alle extra um dich zu sehen, da muss man als Band teilweise erst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Aber wenn die Stimmung gut ist und das Wetter passt, ist ein Festival wie ein Kurzurlaub. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.“

Julia Zube
Volontärin
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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