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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Moin, Pfuhlschnepfe! Hallo, Alpenstrandläufer!

13.10.2018

Varel Die Oktobersonne strahlt warm auf die Vareler Salzwiesen. Der sonst so schneidende Seewind weht weich über die Landschaft und verbreitet einen angenehm salzigen Duft. Direkt hinter dem Deich der Schleusenanlage beginnt der Nationalpark mit seiner Ruhezone. Jetzt sind es noch ein paar Hundert Meter durch die Wiese Richtung Wattkante. Schon aus weiter Ferne erblickt man das noch nackte Gerüst des Vogelturms. Im Hintergrund zieht ein Schwarm Alpenstrandläufer in wolkenartiger Flugformation vorbei.

Plattform hinzugefügt

„Da haben Sie Glück, jetzt ist eine gute Tidenzeit, um die Tiere zu beobachten“, sagt Gundolf Reichert. Der Landschaftsökologe arbeitet als Vogelkundler (Ornithologe) für den Nationalpark und betreut seit Beginn der Zugvogeltage vor zehn Jahren die Aussichtsplattform, die alljährlich für die Dauer der Veranstaltung errichtet wird (13. bis 21. Oktober). „Drei Stunden vor Hochwasser schiebt die Flut viele Vogelarten an die Küste, die sich vorher weit verstreut im Watt aufhielten,“ erklärt Reichert und fügt hinzu: „Grundsätzlich ist der Standort Varel besonders gut geeignet, um im Herbst viele verschiedene Zugvogelarten anzutreffen.“

Ermöglichte der Vogelturm seinen Gästen bereits in den vergangenen Jahren eine außergewöhnliche Perspektive, so wird pünktlich zum zehnten Jubiläum aufgerüstet. „Wir haben aber nicht nur eine weitere Plattform hinzugefügt, sondern auch in die Breite gebaut und somit viel mehr Platz geschaffen“, sagt Reichert. Keine schlechte Idee, denn im Laufe sonniger Tage strömen bis zu 400 Besucher heran. Auch für weniger sonnige Tage ist nun vorgesorgt: Ein neuer Anbau schützt vor Wind und Regen.

Zugvogeltage

Samstag, 13. Oktober: „Der ,Vogelturm‘ am Vareler Watt – Zugvögel aus einer anderen Perspektive“: Fachkundig unterstützt Zugvögel am Jadebusen von oben bewundern – so oft und so lange man möchte, 10 bis 18 Uhr, Vareler Außentief (Hafenausfahrt)

Sonntag, 14. Oktober: „Zugvögel auf der Durchreise“: Die Kunstausstellung zu den Zugvogeltagen wird von der Künstlerin und den Künstlern extra konzipiert, 10 bis 17 Uhr, In der Dachgalerie im Wattenmeer Besucherzentrum, Südstrand 110B

Montag, 15. Oktober: „Fahrrad-Schnitzeljagd über Nördernee“: Auf der Rallye findet man die schönsten Beobachtungsplätze der Insel und erfährt so manches über ihre Vogelwelt, 10 bis 14 Uhr, Start am Watt Welten Besucherzentrum Norderney, Am Hafen 2

Dienstag, 16. Oktober: „Zugvögel voraus! Mit dem Katamaran auf Beobachtungstörn“, ab 9.45 Uhr, Segelschule Langeoog, Hafendeichstraße 15

Mittwoch, 17. Oktober: „Sea-Watching“: Mit dem erfahrenen Ornithologen Edgar Schonart den Vogelzug auf See beobachten, 8 bis 9 Uhr, Aussichtspunkt am Höhenweg (zwischen Ev. Jugendhof und Strandhalle)

Donnerstag, 18. Oktober: „Zugvögel beobachten vom Pilsumer Leuchtturm aus“, 10 bis 17 Uhr, Pilsumer Leuchtturm, Zum Alten Leuchtturm

Freitag, 19. Oktober: „Natur erleben und Zugvögel beobachten im Langwarder Groden“: Der Langwarder Groden – seine Entwicklung und seine Vogelwelt, 9 bis 11 Uhr, Parkplatz Langwarder Groden bei der Deichschäferei Feldmann

Samstag, 20. Oktober: „Was guckst du? – Vogelbeobachtung am Ostende des Deiches“, 10 bis 13 Uhr, Ostende des Deiches (Hundeauslaufplatz), Juist

Sonntag, 21. Oktober: „Zugvogeltag am Ziegeleimuseum Midlum“, 11 bis 17 Uhr, Ziegeleimuseum Midlum in Jemgum

Die Zugvogeltage wurden 2008 initiiert und werden seitdem jedes Jahr zum Vogelzug im Herbst von der Nationalparkverwaltung und den Nationalparkhäusern ausgerichtet. Hauptmotivation der Veranstaltung ist laut Nationalparkleiter Peter Südbeck die Bedeutung des deutschen Wattenmeeres für den Vogelzug: „Jedes Jahr aufs Neue sind im Frühling und Herbst zehn Millionen Zugvögel auf das Wattenmeer als Rast- und Futterplatz angewiesen. Somit ist dieses Ökosystem hochgradig schützenswert. Wir wollen mit den Zugvogeltagen die Öffentlichkeit für dieses Anliegen sensibilisieren.“

Drehscheibe Wattenmeer

Das norddeutsche Wattenmeer wird auch als Drehscheibe des Ostatlantischen Zugweges bezeichnet. Im Herbst ziehen die Vögel von ihren Brutgebieten in arktischen Regionen zur Überwinterung bis nach Westafrika. Das extrem nahrungsreiche Wattenmeer dient ihnen als Zwischenstopp, um zu ruhen, sich zu mausern und Fettreserven anzufressen. Aufgrund seiner großen Bedeutung wurde das deutsch-niederländische Wattenmeer 2009 zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt.

Der Pfuhlschnepfe wird in diesem Jubiläumsjahr eine besondere Ehre zuteil: Sie ist das Titeltier der Zugvogeltage 2018. Eines ihrer wichtigsten Überwinterungsgebiete ist das westafrikanische Guinea-Bissau, das auch das diesjährige Partnerland der Veranstaltung ist.

Von ganz oben

Nun geht es das Gerüst des Vogelturms hinauf. Es lohnt sich, eventuell die Höhenangst zu überwinden: Der Ausblick über die Salzwiesen und den Jadebusen ist eindrucksvoll. Durch das Fernrohr sind auf Anhieb zahlreiche Brandgänse zu erblicken, aber auch Schwärme von Alpenstrandläufern und tatsächlich – ein Seeadler. „Das sind für mich die schönsten Momente“, schwärmt Gundolf Reichert, „wenn Besucher besondere Tiere wie Greifvögel oder Eulen entdecken und dann vom Entdeckungsfieber gepackt, völlig aus dem Häuschen geraten“.

Die Alpenstrandläufer sind die häufigsten Zugvögel im Nationalpark Wattenmeer. Von den sechs Möwenarten, die an der niedersächsischen Küste brüten, verlässt nur die Heringsmöwe als Langstreckenzieher das Wattenmeer, um in südlichen Regionen zu überwintern. Sie wird im Oktober aber noch zu sehen sein. Selbst Sperlingsvögel und Finken tummeln sich in den Salzwiesen, um sich am reichhaltigen Angebot an Samen, Insekten und Spinnen zu laben. Aber ausgerechnet das diesjährige Titeltier ist am Jadebusen weniger zu finden, erklärt Reichert: „Die Pfuhlschnepfe liebt das Mischwatt, das hier vorherrschende Schlickwatt bietet nicht genug Nahrung für sie.“

Natur erleben

Während der Zugvogeltage werden täglich von 10 bis 18 Uhr mehrere Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung und externe Ornithologen den Vogelturm betreuen. Ihnen ist wichtig, dass die Gäste die Natur direkt erleben, sie verstehen und ein Bewusstsein für ihren Erhalt entwickeln. „Wir wollen nachhaltig vermitteln: Woher kommen die Tiere und wohin reisen sie? Wovon ernähren sie sich im Watt und wie leben sie?“ Schmunzelnd fügt Reichert hinzu: „Aber natürlich kann auch jeder Gast einfach nur durch das Fernglas schauen und in Ruhe die Natur genießen.“ Hierzu werden mehrere Ferngläser und Fernrohre mit Stativ bereitgestellt.

Treffpunkt für die gemeinsame Vogelbeobachtung ist am Vareler Außentief:

Wie viel Vorwissen die Gäste mitbringen ist nicht relevant. „Alle sind willkommen: Vom Stadtmenschen, der nicht weiß, dass es verschiedene Möwenarten gibt, bis hin zum versierten Ornithologen“, betont Gundolf Reichert. Außerdem habe die Veranstaltung mittlerweile eine bundesweite Reichweite: „Die meisten Besucher kommen aus der Region, aber wir haben sogar einige Stammgäste aus der Schweiz und Süddeutschland.“

Für jeden etwas dabei

Neben dem Vogelturm gibt es während der Zugvogeltage natürlich noch vieles mehr zu entdecken. Zum zehnten Jubiläum wird sogar ein besonders abwechslungsreiches Programm geboten. Auf rund 300 Veranstaltungen am Festland und auf den Ostfriesischen Inseln wird sich dem Thema auch künstlerisch genähert.

So wird es Theateraufführungen, Musik und Kunstausstellungen rund um den Vogelzug geben. Zudem können die Besucher den Ostatlantik-Zugweg auch kulinarisch entdecken: Zum Beispiel beim landestypischen Kochen der Gästen aus Guinea-Bissau in Wilhelmshaven oder bei einem Frühstück in der Seefelder Mühle.

Endspurt

Für Gundolf Reichert und seinen technischen Unterstützer Rainer Gamberg heißt es nun Endspurt. Das nackte und bisher wenig ansehnliche Turmgerüst muss bis zur Eröffnung mit seiner Außenverkleidung und Infotafeln ausgestattet werden. Ab Samstag wird dann der Symbolvogel des Turms, der Säbelschnäbler, auf der Außenseite der Plattform prangen. Der Watvogel ist nicht nur eines der Charaktertiere des Wattenmeeres, sondern außerdem Lieblingsvogel von Gundolf Reichert: „Er ist mit seinem langen Schnabel, dem schwarzweißen Gefieder und dem stimmgewaltigen Ruf sehr eindrucksvoll.“

Gundolf Reicherts Begeisterung ist ansteckend. Und somit fällt der Rückweg durch die Salzwiesen zur Schleuse und über den Deich tatsächlich sehr schwer.

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