• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Warum Hollywood diesen Film nicht drehen durfte

29.10.2016

Oldenburg Das Werkzeug, das die Kamera Lothar-Günther Buchheims rettete, liegt noch heute auf der Fensterbank Friedrich Grades. Dank der Reparaturen entstanden unzählige Bilder, die zum Nachkriegs-Symbol des U-Boot-Krieges wurden.

Zwischen 1976 und 1997 veröffentlichte Buchheim vier Bildbände – viele Fotos machte er mit den Kameras, die er 1941 als Kriegsberichterstatter auf der 7. Feindfahrt von U 96 nutze.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Buchheim plante schon mit Veröffentlichung des Bestsellers „Das Boot“ eine Filmfassung seiner Erlebnisse und Eindrücke. Schon am 12. September 1973, nur zwei Wochen nach Buchveröffentlichung, kam ein erster Kontakt zwischen dem Chefdramaturg der Bavaria-Filmstudios, Helmut Krapp, und Lothar-Günther Buchheim zustande. Kurz vor Weihnachten 1975 schlossen beide einen Optionsvertrag. In den nächsten zwei Jahren wird U 96 originalgetreu im Bavaria-Studio nachgebaut. Im Sommer 1977 wählt die Bavaria das Filmteam.

Robert Redford als Kommandant des „Boots“

Das Thema soll international erfolgreich sein. Der Amerikaner John Sturges ist darum als Regisseur vorgesehen, der Drehbuchautor Ronald M. Cohen für die Story und Robert Redford als Kommandant, ersatzweise der Regisseur Don Siegel und der Schauspieler Paul Newman.

Weil die US-Regie plant, die Bootsbesatzung auf Schiffbrüchige schießen zu lassen, kommt es zum Streit, Eklat, Bruch mit Buchheim und Abschied von dem Gedanken, ein Hollywood-„Boot“ zu drehen.

Während Buchheim sein eigenes Drehbuch schreibt, verpflichtet die Bavaria im Frühjahr 1979 den jungen Regisseur Wolfang Petersen für Drehbuch und der Filmregie.

Nach der Buchlektüre zeigt sich dieser begeistert: „Für einen Film ist der Stoff ideal: Er ist dramatisch und lässt sich direkt auf die Menschen ein, auf die Soldaten, die in ihrem U-Boot an einem mörderischen Krieg teilnehmen.“

Vor Helgoland und auf dem Bodensee entstehen Fahrtszenen mit einer elf Meter langen Bootsattrappe, in München und in einem U-Boot-Bunker im französischen La Rochelle die Innen- und Außenszenen. Auf bundesweiten Castings an Universitäten, Theatern und Fitnessstudios werden die Gesichter des Films gesucht. Bewusst wird auf regionale Streuung geachtet, um die Dialektvielfalt an Bord von U 96 authentisch abzubilden.

Neue TV-Serie Die Filmstudios Bavaria und der Bezahlsender Sky wollen eine Fortsetzung des bislang erfolgreichsten deutschen Films „Das Boot“ drehen.

Dem Vernehmen nach wird der Film mit dem fiktionalen Ende von U 96 beginnen und Lothar-Günther Buchheims Fortsetzungsroman „Die Festung“ zur Grundlage haben. Geplant sind zunächst acht Folgen. Ausstrahlungstermine sind 2018 oder 2019.

Aktuell wurde noch kein namhafter Regisseur genannt. In München weiß man aber, dass Wolfgang Petersen über die Zeit verfügen würde. Und am U-Boot-Stützpunkt der Bundesmarine in Eckernförde wurde schon nach „Gesichtern“ Ausschau gehalten.

Als letzter kommt Jürgen Prochnow ins Spiel. Während alle Rollen besetzt sind – unter anderem mit Martin Semmelrogge, Jan Fedder, Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht und dem damals noch kaum bekannten Herbert Grönemeyer – ist Regisseur Wolfgang Petersen mit der Besetzung des „Kaleun“ lange nicht zufrieden. Prochnow erscheint ihm mit Anfang 40 zu alt, Bernd Tauber mit Anfang 30 der Richtige. Doch diesem ist die Rolle zu groß, als Obersteuermann Kriechbaum findet er seine Rolle. Nach einem Probe-Dreh fällt sowohl bei Petersen als auch Prochnow die Entscheidung, dass der Berliner doch die richtige Besetzung für den „Alten“ ist.

Der originale „Alte“, Heinrich Lehmann-Willenbrock, verbringt mehrere Tage am Film-Set in München. Auch Lothar-Günther Buchheim ist dort. Zwischen ihm, der Bavaria und dem Filmteam haben sich die Spannungen um die Regie des Filmes „Das Boot“ permanent fortgesetzt. „Mein Werk ist verhunzt“, schimpft Buchheim öffentlich. Das Zusammentreffen mit Lehmann-Willenbrock aber stimmt Buchheim ungewöhnlich milde. Ein Augenzeuge notiert: „Und dann der völlig veränderte Ton, wenn er von Lehmann-Willenbrock spricht, seinem ’Alten’, den er unverändert verehrt und liebt.“

Der Bremer Lehmann-Willenbrock stimmt dem Film zu: „Ja, so war es damals.“ Der zweite Mann an Bord, der „Herzens“-Oldenburger Friedrich Grade, erinnert sich anders. Zwar ist der ehemalige „Leitende“ mit seinem Pendant, dem Schauspieler Klaus Wennemann, in der Rolle des „LI“ zufrieden. Nicht einverstanden jedoch ist er mit der Gesamtstimmung des Films. Nach nur einem Tag reist er wieder ab.

Sein Tagebuch der 7. Feindfahrt, das diese Zeitung exklusiv veröffentlicht, erzählt nach 75 Jahren als einziges zeitgenössisches privates Dokument, wie die Stimmung an Bord wirklich war.

Die internationale Filmbranche hatte sich schon vielfach an dem Thema versucht. Zwischen 1910 und 1981, dem Erscheinungsjahr von „Das Boot“, wurden mehr als 100 U-Boot-Filme gedreht, die meisten in den USA, Großbritannien und Japan. Auch in Deutschland: „Haie und kleine Fische“ entstand 1957, zur Mannschaft gehörten Hansjörg Felmy und Siegfried Lowitz. Ein Jahr später ging „U 47 – Kapitänleutnant Prien“ in die filmische See. Dieses Mal waren Joachim Fuchsberger und Harald Juhnke an Bord.

Am 17. September 1981 ist Uraufführung von „Das Boot“ in München und Wiesbaden, am nächsten Tag folgt der bundesweite Start der Kinoversion. Bis dahin war das gesamte Filmteam ein ganzes Jahr lang geradezu hermetisch eingeschlossen. Kein Sonnenstrahl durfte die fahle Haut der „U-Boot-Fahrer“ berühren, keine Bartschere an ihre Gesichter kommen.

Filmkritik „Das Boot“: Geteiltes Echo in der Presse

Der mit mehr als 30 Millionen D-Mark bis dahin teuerste Film der deutschen Filmgeschichte hatte die Bavaria enorm unter Erfolgsdruck gesetzt. War es Kriegsfilm, oder – durch das tragische Bootsende – ein Antikriegsfilm? Die Presse war zweigeteilt, die Reaktionen waren intensiv. Mehrheitlich wurde „Das Boot“ als Kriegsfilm bezeichnet: „Kriegsfilme sind Filme, die den Krieg als Entertainment benutzen wie Kriminalfilme den Mord. Man kann das nicht einfach umkehren.“

Der Kriegsfilm „Das Boot“ zahlte sich aus. Bis Ende 1981 wurden allein in Deutschland 3,17 Millionen Kinobesucher gezählt. In den USA belegte der Film schnell den zweiten Rang der meistbesuchten Auslandsfilme. Und während die deutsche Filmbewertungsstelle (FBW) dem „Boot“ das Prädikat „Wertvoll“ verweigerte, wurde der Film in den USA für gleich sechs Oscars nominiert.

Als TV-Fassung vier Jahre später gewann „Das Boot“ als erste deutsche Produktion den US-TV-Oscar „Emmy“. Den TV-Dreiteiler Ende Februar 1985 in der ARD sahen nacheinander 17,6 Millionen, 20 Millionen und schließlich 24 Millionen Menschen. Elf Jahre später sorgte der „Director’s Cut“ noch einmal für volle Kinosäle.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Weitere Nachrichten:

NWZonline | ARD | Weihnachten | Oscars

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.